Internationale Sicherheit

Die jüngsten Ereignisse im Nahen Osten, in der Ukraine und in Nordkorea zeigen, dass die Gefahr durch nukleare, chemische und biologische Waffen nach wie vor hoch ist. Die bestehenden inter­nationalen Sicherheits­regime in Bezug auf diese Waffen sind zwar robust, befinden sich aber in einer Krise. Verstöße und Anfechtung der Regime führen zu Schocks und Krisen, die sie entweder stärken oder schwächen können. Einhaltung und Durchsetzung sind die normativen Praktiken, mit denen auf solche Verstöße reagiert werden kann. Die Robustheit von chemischen, biologischen und nuklearen Waffenregimen hängt mit der Wirksamkeit der bestehenden Durchsetzungs­normen und -verfahren zusammen. Da sich alle drei Regime an einem Wendepunkt befinden, ist es an der Zeit, die Entwicklung der Durchsetzungspraktiken in den drei Regimen zu analysieren. Das Projekt umfasst eine regime­übergreifende Analyse der Durchsetzungs­normen und -verfahren, um die Unterschiede zu untersuchen und ein Verständnis für die Auswirkungen auf die Regime zu vermitteln.

Almuntaser Albalawi

Assoziierter Forscher

Das Promotions­projekt von Samuel Forsythe beschäftigt sich mit der Beziehung und Ent­wicklung von politischem Konflikt, Infor­mations- und Kommunikations­technologie (IKT) und strate­gischer Praxis. Im Mittelpunkt steht die Ent­wicklung von Theorien, Praktiken und Diskursen, die Wissen, Kognition und Kommu­nikation als politische und militärische Mittel instrumen­talisieren. Die Motivation für die Unter­suchung ist die Frage: Wie haben neue Medien und Tech­nologien Konflikte in den kommu­nikativen und kognitiven Bereichen ermöglicht und trans­formiert? 

Die Arbeits­hypothese ist, dass IKT eine Inten­sivierung von Konflikt­arten fördern, die Stratagem, Täuschung und Mani­pulation als wesent­liche Instru­mente für politische Akteure hervo­rheben und gleich­zeitig die Verbreitung dieser Instrumente unter nicht-staatlichen Akteuren ermög­lichen. Darüber hinaus schafft der "hybride" Charakter der heutigen Gesellschaft - in dem die Technologie unsere kognitiven und kommuni­kativen Prozesse exter­nalisiert - eine Situation, in der Angriffe auf Informations­verarbeitungs­systeme eine Form von Gewalt darstellen können.

Empirisch beinhaltet diese Forschung eine Analyse der neuen Formen der strate­gischen Rationalität, die durch den Diskurs und die Praktiken der Staatskunst, des Geheim­dienstes und der Informations­kriegs­führung, der Cyber- und Informations­sicherheit und deren Wechsel­wirkungen mit dem breiteren Feld der sozialen Kommu­nikation und der kollektiven epis­temischen Praxis entwickelt werden.

Sam Forsythe

Doctoral Researcher

Dieses Projekt unter­sucht, warum die Verbote von chemischen und bio­logischen Waffen (CBW) trotz schwacher Verifi­zierungs- und Durchsetzungs­mechanismen vergleichs­weise robust bleiben. Aus­gehend von der Erkennt­nis, dass CBW-Verbote als mora­lische Normen fungieren, kombi­niert das Projekt Perspek­tiven aus der Moral­psychologie und der konstruk­tivistischen Theorie der inter­nationalen Beziehungen, um nachzu­verfolgen, wie die Indivi­dualisierung von Normen zu kollek­tiver Einhaltung und Regime­stabilität führen kann. Das Projekt ist Teil der umfassenderen Forschungs­agenda des CBWNet zur Stärkung und Sicherung von CBW-Normen und unter­sucht, unter welchen Be­dingungen diese Verbote Anfech­tungen stand­halten und wie sie verstärkt werden können. Ziel ist es, praxis­relevante Strategien zu ent­wickeln, um die Widerstands­fähigkeit von CBW-Normen ange­sichts politi­scher, techno­logischer und sicherheits­politischer Heraus­forderungen aufzu­zeigen, zu erklären und zu stärken.

Veronika Klymova

Veronika Klymova

Doctoral Researcher

Diese Dissertation untersucht am Beispiel der Vereinigten Staaten, warum Atommächte, die sich in einem erweiterten Abschreckungsverhältnis befinden, Verhandlungen über nukleare Rüstungskontrolle aufnehmen – und unter welchen Bedingungen sie dies tun. Während sich die bestehende Forschung vor allem mit den Bedingungen für erfolgreiche Vertragsabschlüsse befasst, richtet diese Arbeit den Fokus auf eine vorgelagerte Frage: Warum beginnen solche Staaten überhaupt mit Verhandlungen – insbesondere, wenn sie innerhalb eines Bündnissystems die Glaubwürdigkeit ihrer nuklearen Sicherheitsgarantien wahren müssen?

Ausgehend vom neoklassischen Realismus entwickelt diese Arbeit einen theoretischen Ansatz, der internationale Systemdynamiken mit innenpolitischen Faktoren verknüpft. Sie geht von der Hypothese aus, dass ein Nuklearwaffenstaat, sich in einem erweiterten Abschreckungsverhältnis befindet, dann auf Rüstungskontrolle setzt, wenn er sein Heimatland als verwundbar empfindet, aber innenpolitische Zwänge den Ausbau militärischer Fähigkeiten zur Verringerung dieser Verwundbarkeit einschränken. Mittels Prozessanalyse sowie auf Basis freigegebener Archivquellen und Experteninterviews untersucht die Dissertation, wie das Zusammenspiel internationaler und innenpolitischer Faktoren die Entscheidung zur Aufnahme von Rüstungskontrollverhandlungen prägt.

Durch die Betrachtung der Vereinigten Staaten – der einzigen Atommacht mit einer durchgängigen Praxis nuklearer Rüstungskontrolle im Rahmen erweiterter Abschreckung – leistet die Arbeit einen Beitrag zur Entwicklung einer umfassenderen Theorie der Rüstungskontrollinitiation und bietet damit auch einen analytischen Rahmen für aktuelle Debatten der nuklearen Sicherheitspolitik.

Frank Kuhn

Doctoral Researcher

Dieses Promotionsprojekt trägt zur neueren politikwissenschaftlichen Forschung bei, die sich erneut den „Brückenschlag“ zwischen Wissenschaft und Praxis bearbeitet sowie die Chancen und Herausforderungen des wissenschaftlich-politischen Austausches bei der Lösung politischer Fragen. Transformationsprozesse und globale Verschiebungen haben zur Erosion der traditionellen, rüstungskontrollpolitischen Säulen des Kalten Krieges beigetragen. Des Weiteren wirken sich neue Technologien und Fortschritte auf die zukünftige Rüstungskontrolle aus, auch wenn bislang noch unklar ist, wie genau. Im Kontext dieser Entwicklungen benötigen politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger technisches und feldspezifisches Wissen. Gleichzeitig wird die Arbeit der Wissenschaftler:innen aber auch von politischen Prozessen und Logiken beeinflusst. Aktuell gibt es allerdings nur wenig vergleichende Forschung über die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft und Politik in der Rüstungskontrolle, die in verschiedenen formellen und informellen Zusammenhängen stattfinden. Mein Promotionsprojekt verbindet die Theoriebildung zu sogenannten „epistemic communities“ mit der neueren, interdisziplinären Forschung zum Thema Wissenstransfer und Wissensaustausch und untersucht das Handeln von Sozial- und Naturwissenschaftlern in rüstungskontrollpolitischen Prozessen in Deutschland. Die Dissertation beschäftigt sich mit dem Zusammenspiel von und Spannungsfeld zwischen Werten, Aktivismus und wissenschaftlicher Evidenz in wissenschaftlich-politischen Interaktionen. Empirisch liegt der Fokus dabei auf der deutschen Rüstungskontroll-Community. Es wird ein Mixed-Methods-Ansatz verwendet, welcher quantitative Daten (Umfrage) und qualitative Forschung (vertiefende Fallstudien, Interviews, teilnehmende Beobachtungen) miteinander kombiniert.

Maximilian Tkocz

Maximilian Tkocz

Doctoral Researcher

Zukünftige nukleare Abrüstungs­verträge werden voraus­sichtlich die Über­prüfung der voll­ständigen und korrekten Deklara­tionen von Bestand­teilen von Kernwaffen­programmen beinhalten. Die nukleare Archäologie ist ein Forschungs­bereich, der darauf abzielt, die Betriebs­geschichte von Anlagen zur Herstellung von Spalt­material zu rekon­struieren, das ein wesent­licher Bestand­teil von Kernwaffen ist. Die Methoden der nuklearen Archäo­logie können Abschätzungen über die Pro­duktion von Spalt­material in der Vergangen­heit liefern, was sie zu einem nützlichen Hilfs­mittel bei der Beur­teilung der Voll­ständigkeit von Dekla­rationen über Spalt­material macht.

Dieses Forschungs­projekt, das in der Forschungs­gruppe Science for Nuclear Diplomacy des Cluster Natur- und Technik­wissen­schaftliche Rüstungs­kontroll­forschung (CNTR) angesiedelt ist, soll die bestehenden Techniken durch die Ein­beziehung neuartiger Daten­quellen und hoch­entwickelter statistischer Daten­analyse­werkzeuge verbessern. Es ist geplant, forensische Mess­wert­analysen, die ein wichtiges Instru­ment in der nuklearen Archäologie sind, zu verbessern, indem sich syste­matisch auf die wichtigsten Infor­mationen konzentriert wird und Messungen mit Daten aus Archiven ergänzt werden, die den histo­rischen Betrieb von Kern­reaktoren doku­mentieren. Ein besonderer Schwer­punkt des Projekts liegt auf der Imple­mentierung von Techniken des maschinellen Lernens, einschließlich unlängst etablierter Methoden aus dem Bereich des Deep Learning, um große Daten­sätze geeignet analy­sieren und zuver­lässige statistische Aussagen treffen zu können. Schließlich wird die Einbettung von statis­tischen Ergebnissen in ein politisches Verifikations­system behandelt.

Fabian Unruh

Fabian Unruh

Doctoral Researcher

Internationale Institutionen

Unter Bezugnahme auf die Diskurstheorie des Rechts behandelt Antonio Arcudis Dissertationsprojekt die Frage, welche Auswirkung die Kontestation internationaler Normen, d. h. ihre diskursive Anfechtung und Umstrittenheit, auf die jeweils umstrittenen Normen ausübt.

Schutzverantwortung und IStGH zwischen Weiterentwicklung und Erosion

Das Dissertationsprojekt „Die normative Kraft des Streits: Auswirkungen von Kontestation auf die Dynamik internationaler Normen“ knüpft an die existierende Forschung zu internationalen Normen an, die sich zwar bereits umfassend mit Normkontestation auseinandergesetzt hat, in der jedoch Uneinigkeit darüber existiert, ob sich die Anfechtung von Normen normstärkend oder -schwächend auswirkt. Am Beispiel zweier umstrittener internationaler Normen – der internationalen Schutzverantwortung und der Norm internationaler Strafverfolgung im Falle von schwersten Menschenrechtsverletzungen sowie Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht – geht das Projekt insbesondere der Frage nach, inwiefern Normkontestation zu einer Spezifizierung der jeweiligen Normen führt.

Antonio Arcudi

Antonio Arcudi

Assoziierter Forscher

Die qualitative und quantitative Aus­weitung der EU-Sanktionen in den letzten Jahren ist nicht nur angesichts der wieder­holten Hinweise auf ihre begrenzte Wirksamkeit überraschend, sondern auch angesichts der divergierenden nationalen Interessen der EU-Mitgliedstaaten. Das Projekt öffnet die „Black Box“ der EU-Sanktionen, indem es die Anfechtungs­praktiken im EU-Diskurs über die Um­setzung von Sanktionen im Europäischen Parlament als dem wichtigsten öffentlichen Forum der EU analysiert. Ab­gesehen von den wirtschaftlichen und verhaltensbezogenen Zielen, die mit Sanktionen üblicher­weise verfolgt werden, wird argumentiert, dass die Wirksamkeit von Sanktionen für die Sanktions­geber auch aus der ihnen zugrunde liegenden Signal­wirkung als normative und ordnungs­generierende außenpolitische Instrumente resultieren kann. Zum Zweck der Untersuchung der EU-Sanktionen gegen Russland wird eine kon­struktivistisch-interpretative Perspektive ein­genommen und eine diskursanalytisch informierte Inhaltsanalyse mit Experten­interviews trianguliert. Angesichts des gegenwärtigen Zustands Spielraum ge­währender rechtlicher Sanktionsrahmen leistet das Projekt einen Beitrag, indem die Kon­zeptionen von Sanktionen der beteiligten EU-Akteure in der Umsetzungs­praxis untersucht werden, wodurch wiederum unser Verständnis der Nutzen­funktion von Sanktionen er­weitert wird.

Franziska Schreiber

Franziska F. N. Schreiber

Doctoral Researcher

Die Europäische Kommission hat Desinformation im Jahr 2018 als eine große Herausforderung erkannt und ihre schädlichen Auswirkungen auf das Vertrauen in Institutionen und Medien sowie ihre Fähigkeit, eine fundierte Entscheidungsfindung in Demokratien zu verhindern, hervorgehoben. Darüber hinaus haben ausländische Einmischung und die COVID-19-Pandemie die geopolitische Bedrohung durch Desinformation verstärkt. Die Technologien der sozialen Medien haben die Verbreitung von Falschinformationen erleichtert, deren Bekämpfung sich für Staaten und internationale Organisationen wie die EU als schwierig und kostspielig erwiesen hat. Obwohl Desinformation gesellschaftliche Spaltungen ausnutzt, zu Polarisierung führt und die Sicherheit untergräbt, bleibt unklar, welche Auswirkungen sie tatsächlich auf Institutionen wie die EU hat, da sich die Bewertung der Auswirkungen als schwierig erwiesen hat. Dieses Dissertationsprojekt zielt darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen, indem es analysiert, inwieweit Desinformation die EU beeinflusst, indem es die Ursprünge, die Auswirkungen und die Methoden zur Bekämpfung von Desinformation auf verschiedenen Ebenen innerhalb der EU untersucht. Mithilfe eines Mixed-Methods-Ansatzes wird die Dissertation die Auswirkungen von Desinformation auf der Mikro- (Individuen), Meso- (Medienlandschaft) und Makroebene (öffentlicher Diskurs) von 2019 bis 2024 bewerten, einschließlich ihrer Auswirkungen auf Wahlen und die Pandemieprävention. Dieses PhD-Projekt ist Teil der LOEWE-Forschungsgruppe Weltordnungen im Konflikt.

Mina Trpkovic

Mina Trpkovic

Doctoral Researcher

Transnationale Politik

Die terroristische Bedrohung ist seit Jahrzehnten in europäischen Staaten ein allgegen­wärtiges Phänomen. Dennoch sind ihre Auswir­kungen auf die öffentliche Meinung, das politische Geschehen und die inner­staatlichen Debatten derzeit stärker denn je zuvor. Parallel steht das europäische Projekt auf dem Prüfstand: Rechts­populistische Parteien erleben einen Aufschwung, und die Zukunft des Nationalismus, der Einwanderung und der Europäischen Union wird sowohl zwischen den Mitgliedsländern als auch innerhalb ihrer jeweiligen Gesell­schaften kontrovers diskutiert.

Diese Untersuchung hat das Ziel, Antworten auf die Frage nach dem Einfluss der terroris­tischen Bedrohung auf den Identitäts­diskurs in Frankreich und Deutschland zu finden. Dazu untersucht Damaris Braun, inwieweit Terror­anschläge nationale Identitäts­marker verstärken. Ein weiteres Forschungsziel ist die Klärung der Frage, in welcher Weise die terroris­tische Bedrohung das indi­viduelle Lebens­umfeld verändert und damit unsere situierten Identitäten beeinflusst. Ausgehend von einer Theorie sozialer Identität wird eine Inter­dependenz und/oder Interferenz zwischen nationalen und europäischen Identitäts­konstruktionen angenommen. Zusätzlich berück­sichtigt die Studie Aspekte wie Handlungs­fähigkeit, Rekonstruktion einer positiven Identität und überge­ordnete Identitäts­kategorien.

Im Rahmen eines „Mixed Method“-Designs erhebt Damaris Braun auf diese Weise neue Daten zum Einfluss terroris­tischer Bedrohungen auf Identitäts­prozesse auf nationaler und supra­nationaler Ebene, und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Identitäts- und Terrorismus­forschung.

Damaris Braun

Damaris Braun

Assoziierte Forscherin

Dieses Promotionsprojekt untersucht den Aufstieg antifeministischer, ver­schwörungstheoretischer Mobilisierung in Deutschland, der ins­besondere geprägt ist von rechtskonservativen, katholischen und rechten Akteuren, die sich gegen Ge­schlechtergerechtigkeit und gegen die Rechte von queeren und trans Personen wenden. Sie be­trachten diese als Treiber eines gesell­schaftlichen Zusammen­bruch durch die Erosion „natürlicher“ Geschlechter­rollen. Aus psychologischer Sicht ist die Unter­stützung des Antifeminismus nicht direkt nachvoll­ziehbar, da sie eine Ablehnung von Politiken be­inhaltet, die für viele Befreiung versprechen. Die verschwörungs­ideologische Opposition dagegen verknüpft Antifemi­nismus zudem mit antisemitischen Sicht­weisen und stärkt so die Selbst­sicht, sich in der Abwehr gegen vermeintlich feministische Eliten zu befinden. Dieses Pro­jekt zielt darauf ab, zu erforschen, wie Menschen unter­schiedlicher Geschlechtsidentitäten dennoch politische Ermächtigung in diesen Bewe­gungen erleben und wie sie jene wahrnehmen, die sie als Bedrohung sehen. Durch Inter­views und die Analyse von Online-Narrativen werden die sozio-psychologischen Mechanis­men untersucht, durch die Individuen po­litische Handlungsfähigkeit erlangen.

Mona Klöckner, Foto: PRIF

Mona Klöckner

Assoziierte Forscherin

In ihrer Disser­tation vergleicht Lotta Rahlf syste­matisch, wie euro­päische Länder bei der Eva­luation von Maß­nahmen der Extremismus­prävention und -bekämpfung vorgehen. Die Forschung unter­sucht, wie und warum sogenannte Evaluations­systeme, Gefüge von Strukturen, in denen Eva­luationen eingebettet sind, in Europa variieren. Indem sie Evaluations­systeme im Bereich der Extremismus­prävention- und Bekämpfung vergleicht und Fak­toren untersucht, die ihre Unter­schiede erklären, macht ihre Disser­tation auf die Vielfalt der Möglich­keiten aufmerksam, mit denen Länder die Generierung von evaluativem Wissen organisieren, um auf zunehmende Forderungen nach evidenz­basierten Präventions­maßnahmen zu reagieren. Konkret untersucht Rahlf sowohl theo­retisch als auch empirisch die Stell­schrauben, die Evaluations­system in einigen Ländern eher zentralisiert und in anderen eher dezen­tralisiert gestalten lassen. Die Disser­tation ergründet somit, warum Evaluierungen von Maß­nahmen der Extremismus­prävention und -bekämpfung in einigen Länder­kontexten stark staatlich kontrolliert werden, während sie in anderen Ländern stärker auf mehrere Instanzen verteilt sind. Neben einem länder­vergleichenden deskriptiven Mapping von Evaluations­management im Bereich der Extremismus­prävention und -Bekämpfung in Europa wird sie mittels der quali­tativen vergleichenden Analyse (QCA) untersuchen, welche Faktoren einen Einfluss auf bestimmte Ausge­staltungen solcher Evaluations­systeme haben. Auf der Grundlage der Ergebnisse wählt Rahlf schließlich drei Länder aus, um ihre jeweiligen Evaluations­systeme anschließend eingehend zu analysieren. Diese Disser­tation, die Teil des von der EU finanzierten Marie-Skłodowska-Curie-Doktoranden­netzwerks VORTEX ist, hat auch eine hohe praktische Relevanz, da sie es P/CVE-Praktikern und politischen Entscheidungs­trägern ermöglicht, von anderen euro­päischen Kontexten zu lernen.

Lotta Rahlf

Lotta Rahlf

Researcher

Sogen­annte Reichs­bürger*innen sind kein neues Phäno­men in Deutschland. Die Entwick­lungen der jüngsten Ver­gan­gen­heit – wie z.B. die Fest­nahmen rund um die „Pat­riotische Union“ seit Dezember 2022, die Protest­bewegungen während der Covid-19 Pandemie und mehrere schwere Gewalt­­taten – ver­deut­lichen dennoch eine stei­gende gesel­lschaft­liche Rele­vanz des Themen­komplexes. Der Wissens­stand hierzu gestaltet sich aktuell jedoch frag­men­tarisch und verhindert eine tiefer­gehende forscherische Auseinan­der­setzung mit der Anhänger*innen­schaft dieses ideo­lo­gischen Spektrums. Vorläufige Analysen liefern Hinweise darauf, dass sich diese z.B. im Hinblick auf demo­grafische Faktoren, aber auch bzgl. der Rolle von Sozial­dynamiken und Organisa­tions­formen von anderen, besser erforschten extremis­­tischen Phäno­menen unterscheiden könnte. Angesichts dieser Unterschiede können bestehende Konzep­tua­lisierungen von Radi­ka­lisierung nicht ohne weiteres auf Reichs­bürger*innen übertragen werden und es bedarf neuer, dezidierter Forschung.

In seinem Dissertations­­vorhaben untersucht Maximilian Ruf auf Basis biographisch-narrativer Interviews individuelle Wege und Kausa­li­täten der Radi­ka­lisierung von Reichs­­bürger*innen in Deutschland. Ziel der Arbeit ist es, neues Wissen zu Radi­ka­lisierungs­prozessen von Reichs­bürger*innen zu generieren und zu systemati­sieren, um sie von anderen Radika­lisierungs­­phänomenen abzugrenzen und neue Ansatz­punkte für weiter­führende Forschung sowie Praxis­ent­wicklung zu identif­izieren.

Maximilian Ruf

Maximilian Ruf

Assoziierter Forscher

Der Umgang mit post­migran­tischer Diver­sität stellt eine aktuelle Anfor­derung an staat­liche Insti­tutionen in Deutsch­land dar. Der demo­grafische Wandel sowie Rassismus­debatten führen zu einem Handlungs­druck, sich mit Fragen der Zugehörig­keit, Repräsen­tation und Teil­habe von Menschen mit Migrations­hintergrund aus­einander­zusetzen. Insgesamt kann ein Bestreben von Polizeien beobachtet werden, Menschen mit Migrations­hinter­grund in Anwerbe­kampagnen anzu­sprechen und einzu­stellen. Diese Diversi­fizierung führt auf Grund der eta­blierten Polizei- und Orga­nisations­kultur jedoch nicht unbedingt zu einem insti­tutionellen Wandel.

Auch wenn es noch keinen Para­digmen­wechsel gibt, lässt sich eine Ver­änderung der deutschen Polizei im Umgang mit post­migrantischer Diver­sität feststellen. Dieses Dissertations­vorhaben untersucht mit ethno­methodo­logischen Methoden und quali­tativen Inter­views Diversitäts­verständnisse in der deutschen Polizei, indem Praktiken der Diversitäts­gestaltung ana­lysiert werden.

Lea Deborah Scheu

Lea Deborah Scheu

Assoziierte Forscherin

Radi­kale Posi­tionen finden derzeit in vielen euro­pä­i­schen Staaten und auch in Deu­tsch­land wieder ver­stärkt Zu­lauf und anti­demo­krati­sches und anti­emanzi­pa­to­risches Ge­dan­ken­­gut ver­brei­ten sich. Vor allem online nimmt Hass­krimi­­nali­­tät zu­neh­mend zu und Kom­men­­tare sowie Äuße­rungen in der vir­tu­ellen Welt werden hem­mungs­loser. Be­sonders augen­schein­lich ist diese Ent­wick­lung seit einigen Jahren in den Phäno­men­­­be­­reichen des sala­­fisti­schen Dschi­­hadis­mus und des Rechts­extremis­mus. 

Indem weitere Personen für die rechte oder die sala­­fisti­sche Ideo­­logie ge­won­nen werden und die Gewalt­­­bereit­schaft inner­­halb der Szenen steigt, schei­nen die Mobili­sierungs­strate­gien und -tech­niken extre­misti­scher Akteure auf­­zu­ge­hen. Mittels einer quali­tativen Inhalts­­analyse von Face­book­inhalten sala­fisti­scher und rechts­radika­ler bzw. rechts­extre­mer Akteure unter­sucht Manjana Sold in ihrem Disser­tations­­vorhaben, welche Mobili­sierungs­­tech­niken von unter­schied­lich radi­kalen Perso­nen einge­setzt werden und welche Unter­­schiede sich inner­halb der Phäno­men­be­reiche sowie zwi­schen den beiden Phäno­men­be­reich beo­bachten lassen.

Manjana Sold

Assoziierte Forscherin

Der Umgang mit Terro­rismus hat spätes­tens seit dem 11. Septem­ber 2001 die Agenden nationaler Sicher­heit geprägt. Auch in Deutsch­land hat die Politik auf die als „neue Dimension“ wahr­genommene Bedrohung rea­giert. Der An­satz, den man dazu hier­zulande verfolgt, setzt auf rechts­staatliche Mecha­nismen, die den Terro­rismus als Form der Krimi­nalität begreifen und ihm mit den Mitteln des Rechts begegnen (anders als im US-ameri­kanischen „war on terror“). So sind seit 2001 zahl­reiche Gesetze zur oder mit Bezug auf Terroris­mus­bekämpfung auf Bundes- und Landes­ebene verab­schiedet worden. Sie erstrecken sich über zahl­reiche Rechts­gebiete, spiegeln ein weites Sicher­heits­verständnis wider und haben das Gefüge der inneren Sicher­heit immer wieder verschoben. Einige rechts­staatliche Mecha­nismen wurden durch diese Trans­formationen heraus- und überfordert: Risiko­vorsorge und Vorfeld-Maß­nahmen sollen Sicher­heits­behörden möglichst weit „vor die Lage“ bringen, dringen aber auch in grund­rechtlich geschützte Bereiche vor und verwässern grund­legende Prinzipien, wie die Unschulds­vermutung.

In ihrem Disser­tations­vorhaben unter­sucht Isabelle Stephan­blome den gesetz­geberischen Umgang mit Terroris­mus im Spannungs­feld von Politik, Recht und Unsicher­heit. Dazu werden verschie­dene Strategien zur Be­herrschung von Un­sicherheit typo­logisiert und Argu­mente zu deren Legiti­mation analysiert. Grund­lage dafür ist die Gesetz­gebung des Bundes und ausge­wählter Bundes­länder. Die Rechts­texte sowie die Doku­mente ihrer Entstehungs­prozesse sollen mit einem inter­pre­tativen Ansatz in einer quali­tativen Fallstudie unter­sucht werden. Das Projekt verortet sich in der politik­wissen­schaftlichen Rechts­forschung und soll auch dazu beit­ragen, Recht als staat­liches Instru­ment zur Verarbeitung von Unsicher­heit für die Sicherheitss­tudien zu erschließen.

Isabelle Stephanblome

Isabelle Stephanblome

Doctoral Researcher

Die Dissertation untersucht, wie Prä­ventionshybride die Praxis beeinflussen. Extremismusprävention wird üblicherweise in drei Bereiche geteilt. In der Theorie wird zwischen primärer, se­kundärer und tertiärer Prävention unter­schieden. Während sich primäre Prävention an die Allgemeinheit richtet, versucht se­kundäre Prävention Personen zu erreichen, von denen angenommen wird, dass ein erhöhtes Risiko hinsichtlich Radikali­sierung besteht. Tertiäre Prävention zielt schließlich auf Distanzierung und De­radikalisierung ab. In der Praxis lassen sich jedoch Überlappungen zwischen den Bereichen wiederfinden, wodurch sich Handlungs­ziele sowie Ansätze vermischen. So werden beispielsweise Primär­präventionsprogramme im Kontext der Sekundär­prävention umgesetzt und um­gekehrt. Diese Präventionshybride verbinden dadurch Aspekte, die per De­finition verschiedene Bereiche abdecken. Das Projekt untersucht dabei, wie Praktiker*innen diese Pro­gramme in unter­schiedlichen Kontexten erleben und umsetzen. Die Dissertation ergründet damit, wie Möglichkeiten und Bedarfe in der Präventions­praxis ausgehandelt werden. Dieses Forschungsvorhaben, das Teil des von der EU finanzierten Marie-Skłodowska-Curie-Doktorandennetzwerks VORTEX ist, liefert Ein­blicke in Konzeption und Durchführung von Prävention und hat damit theoretische sowie praktische Re­levanz.

Laura Stritzke

Laura Stritzke

Doctoral Researcher

Im vergan­genen Jahr­zehnt haben sich wiederholt terroris­tische Anschläge durch soge­nannte einsame Wölfe, ereignet. Die Anschläge durch Anders Breivik in Norwegen und Arid Uka in Deutschland sind dabei nur zwei Beispiele eines zunehmend auftre­tenden Phänomens. Einsame Wölfe als Täter*innen­typus handeln vermeint­lich alleine und radi­kalisieren sich vermein­tlich ohne externen Einfluss. Gleichzeitig zeigt die Radikalisierungs­forschung jedoch die essen­zielle Bedeutung von sozialen Verbin­dungen in Radika­lisierungs- und Mobilis­ierungs­prozessen auf, sodass sich die Frage ergibt, wie sich einsame Wölfe radika­lisieren und mobil­isieren können, wenn sie entsprechend ihres namens­gebendes Merkmals doch einsam sind und entspre­chend keine sozialen Verbindungen haben. Bisher liegt zu dieser Frage­stellung kaum Forschung vor, die dieser Frage auf theore­tischer oder empirischer Basis syste­matisch nachgeht.

In ihrem Dissertations­projekt befasst sich Annika von Berg mit der Frage, wie soziale Verbindungen in den Radika­lisierungs- und Mobilisierungs­verläufen terroristischer Einzeltäter*innen wirken. Als theoretische Grundlage wird zur Beantwortung der Frage ein identitäts­theoretisches Modell genutzt, welches schließlich im Rahmen von Fallstudien aus den Phänomen­bereichen Rechts­extremismus und islamistischer Extremismus mittels Process Tracing überprüft werden soll.

Annika von Berg

Annika von Berg

Assoziierte Forscherin

Innerstaatliche Konflikte

Das Dissertations­vorhaben analysiert am Beispiel der Um­setzung des Friedens­abkommens zwischen dem kolum­bianischen Staat und der Guerrilla-Organisation FARC die Wirkungen, die die gemeinschafts­basierte, gesellschaftliche Reinkor­poration ehemaliger Guerrilla-Kämpfer auf die Sicher­heit sowohl der Ex-Kombattanten selbst als auch der betroffenen lokalen Gemein­schaften hat. Methodisch kombiniert das Projekt Micro-Surveys mit teil­strukturierten Interviews, Fokusgruppe und ethno­graphischer Feldforschung.

Das Projekt erfolgt in Zusammen­arbeit mit dem Projekt „Der Einfluss der kollektive Reinte­gration ehemaliger FARC-EP-Komba­tanten auf die lokale Wieder­herstellung sozialen Zusammen­halts in Kolumbien“.

Laura Camila Barrios Sabogal

Laura Camila Barrios Sabogal

Doctoral Researcher

In den vergangenen zwanzig Jahren haben die Afrikanische Union (AU) und die Wirtschafts­gemeinschaft West­afrikanischer Staaten (ECOWAS) erhebliche Handlungs­fähigkeit bei der Gewähr­leistung von Frieden und Sicherheit auf dem Kontinent bewiesen indem sie politische Ordnungen und Lebens­welten gestalten. In der Interventions­literatur werden diese afrikanischen Inter­ventionen als kaum oder frei von Zwangs­mitteln geprägt dargestellt, was ihnen im Vergleich zu den umstritte­neren „westlichen“ Interven­tionen mehr Legitimität attestiert.

Das Dissertations­projekt stellt diese Annahme in Frage, indem es argu­mentiert, dass Inter­ventionen inhärent mit Zwangs­mitteln agieren, da sie auf eine nor­mative Krise reagieren und versuchen, Ordnung zu schaffen. Vorläufige Feld­forschung legt nahe, dass Zwang mehr­deutiger ist als seine übliche negative Konnotation glauben lässt und dass Wahr­nehmungen von Zwang entlang von Para­metern wie Raum, Positio­nalität und Zeit auseinander­fallen. Dabei gibt es einen Kipp­punkt zwischen legitimem und illegiti­mem Zwang, der in der Tat die Legi­timität der Inter­vention und den Versuch der regionalen Ordnungs­bildung prägt. Ausgehend von diesen Annahmen stellt dieses Dissertations­projekt folgende Fragen: Wie viel Zwang wenden afrikanische Inter­ventionen an? Was ist Zwang für wen und unter welchen Umständen? Warum fallen Wahr­nehmungen von Zwang auseinander und wie wirkt sich dies auf die regionale Ordnungs­politik aus?

Auf der Grundlage ethno­graphischer Forschungs­elemente wie Beobachtung, Immersion, (Nicht-)Eliteninterviews und Fokusgruppen­forschung in Gambia und Guinea-Bissau untersucht dieses Dissertations­projekt (1) die Wahr­nehmung von Zwang in diesen beiden Fall­studien, um aufzuzeigen, wie die von den Inter­ventionen Betroffenen den Zwangs­charakter der Inter­ventionen wahr­nehmen und was für sie Zwang darstellt. In einem Vergleichs­design zwei ähnlicher Fälle identifiziert dieses Projekt (2) Faktoren, warum diese Wahr­nehmungen auseinander­fallen, und (3) wie diese den Anspruch und die Legiti­mität regionaler Ordnungs­politik beeinflussen.

Sophia Birchinger

Sophia Birchinger

Doctoral Researcher

Können Inter­ventionen in laufende Konflikte Menschen­leben retten? Humanitäre militärische Inter­ventionen (HMI) stehen im Mittelpunkt polarisierter Debatten in Politik und Wissen­schaft, doch Evidenz für die Aus­wirkungen solcher Missionen existiert nur sporadisch. Aufbauend auf dem PRIF-Datensatz zu HMIs nutze ich quantitativ vergleichende Methoden, um zu untersuchen, welche Konflikte eher eine HMI anziehen und wie HMIs die Konflikt­dynamiken wie Konfliktdauer und -intensität beeinflussen. Durch die Kombination quanti­tativer Analysen mit detaillierten Fallstudien versuche ich, ein vollständiges Bild der Auswirkungen und Wirkungsweisen von HMIs zu zeichnen und eine kausale Identifikation sicherzustellen. Mit meiner Arbeit beabsichtige ich nicht nur, eine Lücke in der wissen­schaftlichen Literatur zu schließen, sondern auch essenzielle Infor­mationen für Entscheidungs­träger bereitzustellen und eine fundiertere politische Debatte zu ermöglichen.

Lucas Kori Leonhard

Lucas Kori Leonhard

Doctoral Researcher

Zwischen 2019 und 2021 erlebte Kolumbien einen der bedeutendsten Protest­zyklen seiner modernen Geschichte, der von beispielloser staatlicher Repression und Polizei­brutalität geprägt war. Als Reaktion auf nationale und inter­nationale Kritik rechtfertigte die Regierung von Präsident Iván Duque diese Maßnahmen, indem sie die Protest­bewegungen kriminalisierte und als Bedrohung für die öffentliche Sicher­heit darstellte.

In der Geschichte Latein­amerikas wurden Protest­bewegungen oft mit aufständischen Gruppen wie Guerillas oder linken politischen Kräften in Verbindung gebracht. Obwohl diese Erzählung vom „inneren Feind” nach den Friedens­abkommen von 2016 an Bedeutung verloren hatte, griff Duque sie wieder auf und formulierte sie neu, indem er Begriffe wie „Vandalen” und „Chaosagenten” einführte. Dieser rhetorische Wandel markierte den Beginn eines urbanen Sicherheits­rahmens, in dem Proteste als organisierte Bedrohungen konstruiert wurden, die eine militarisierte Reaktion erforderten.

Dieses Doktorats­projekt konzentriert sich auf zwei wichtige Akteure: die Studenten­bewegung und La Primera Línea in Bogotá und Cali. Ziel ist es, die Entstehung und Dynamik zwischen den staatlichen Sicherheits­kräften und den Demonstrierenden zu verstehen, beispielsweise die Selbst­verteidigung und Radikalisierung einiger dieser Akteure als Reaktion auf staatliche Repression. Unter Anwendung der theoretischen Perspektiven der Sicherheits­politik und der Radikalisierung untersucht die Forschung, wie die anhaltende staatliche Gewalt den politischen Konflikt eskalieren ließ und zu einer neuen Konfrontations­dynamik innerhalb des Protestzyklus führte.

Ziel dieses Projekts ist eine intensive und umfassende Untersuchung der Rolle staatlicher und privater Medien in ethnischen Konflikten in Äthiopien.

Das Projekt konzentriert sich auf zwei Hauptforschungsfragen: Die erste Frage konzentriert sich darauf, wie die Medien die Agenda setzen und ethnische Konflikte rahmen. Gleichzeitig befasst sich die zweite Frage mit den Faktoren, die das Medienverhalten beeinflussen und möglicherweise die Unterschiede zwischen den verschiedenen Medien erklären.

Auf der Grundlage einer umfassenden Studie über Äthiopien wird dieses Projekt die Theoriebildung über die Rolle der Medien in ethnischen Konflikten vorantreiben und originelle empirische Erkenntnisse zu einem wichtigen und aktuellen Fall beisteuern.

Bei der Beantwortung dieser beiden Forschungsfragen zielt das geplante Projekt auch darauf ab, politische Empfehlungen zu erarbeiten, wie die politische Elite die Medien so beeinflussen kann, dass sie zur Förderung des Friedens und nicht zu ethnischen Konflikten beitragen. 

Hagos Niguse Sibhat

Hagos Niguse Sibhat

Assoziierter Forscher

Bemühungen um eine sozial-ökologische Transformation in Südost­europa werden von zwei parallelen und teilweise miteinander verknüpften Entwicklungen im Zusammen­hang mit europäischen Politiken und den EU-Beitritts­perspektiven geprägt. Als eine Voraussetzung für den EU-Beitritt gilt einerseits die Abschaffung fossiler Energieträger – insbesondere Kohle – und der Ausbau erneuer­barer Energiequellen.  Andererseits stützt sich die sozial-ökologische Trans­formation innerhalb der EU zunehmend auf sogenannte transition minerals wie das Leichtmetall Lithium. Das Europäische Gesetz über kritische Rohstoffe (European Critical Raw Materials Act, ECRMA) etwa bietet trans­nationalen Unternehmen wirtschaftliche Anreize zur Entwicklung neuer Bergbau­projekte in der Region. Inländische und internationale Akteure betonen häufig deren hohe Umwelt- und Sozialstandards.

Gleichzeitig wächst jedoch der Widerstand gegen diese Projekte in weiten Teilen des Balkans. Protest­bewegungen benennen dysfunktionale und korrupte staatliche Institutionen und einen dement­sprechenden Mangel an Transparenz und Rechen­schaftspflicht als zentrale Bedrohungen für lokale Landschaften, Lebens­grundlagen und den regionalen sozialen Zusammenhalt. Arbeitskämpfe machen in kohleabhängigen Regionen die Heraus­forderungen bei der Umsetzung von just-transition-Plänen für die Lohnabhängigen und ihre regionalen Gemeinschaften deutlich. Die Proteste eint die Befürchtung, dass europäische Nachhaltigkeits­agenden demokratische Prozesse im Inland erschweren und der Idee einer just transition widersprechen.

Das Projekt analysiert jene sozio-ökologischen Transformations­konflikte, die aus diesen EU-getriebenen Entwicklungen im post-jugoslawischen Raum entstehen. Als Fallstudien dienen Bosnien-Herzegowina und Serbien. Die Dissertation verfolgt zwei zentrale Ziele: (1) die Rekon­struktion und Kartierung dieser Konflikte „von unten“ , aus der Perspektive der Protest­akteure. Die erste Phase umfasst explorative Feld­forschung in Bosnien-Herzegowina und Serbien mit Hilfe von Interviews mit lokalen Aktivist*innen, Arbeiter*innen, Gewerkschaften, Mitgliedern von Gemeinschaften und NGOs sowie teil­nehmender Beobachtungen an Protest­orten und politischen Veranstaltungen. Es soll empirisch erfasst werden, wie sich sozio-ökologische Transformations­konflikte entfalten und entwickeln – im Hinblick auf ihre zentralen Themen, Dynamiken, Akteur*innen und Konstellationen. In der zweiten Phase wird (2) der Fokus auf zwei konkrete Protest­orte (jeweils einer pro Fall) gelegt, um deren politisch-ökonomische Strukturen und historische Entwicklungs­pfade zu analysieren. Im Zentrum steht die Frage, warum bestimmte sozio-ökologische Konflikte in einigen Kontexten entstehen, eskalieren oder andauern – und in anderen nicht. Durch den analytischen Vergleich der beiden Fälle sollen wieder­kehrende Konfliktmuster in der Region identifiziert sowie untersucht werden, wie inter- und trans­nationale Dynamiken – einschließlich der EU-Beitrittsprozesse – diese lokalen Auseinandersetzungen prägen.

Theoretisch stützt sich das Projekt auf die breite Forschung zu sozio-ökologischen Transformations­konflikten sowie regionaler Protest­forschung. Gleichzeitig möchte es zu ersterem einen empirisch beitragen, indem es den bisher wenig erforschten Kontext der (westlichen) Balkanstaaten in den Fokus rückt. Die Dissertation ist durch eine mate­rialistische Perspektive informiert, die danach fragt, wie die grüne Trans­formation der EU die sozialen und arbeits­bezogenen Bedingungen in der Region materiell beeinflusst – und dadurch die Voraussetzungen für Frieden oder Konflikt verändert. Damit kehrt sie die dominante Perspektive auf die EU, den EU-Beitritt und die EU-Konditionalität um: Diese werden nicht nur als normative Rahmen­werke betrachtet, sondern als konkrete Kräfte, die neue Formen von Konflikt und Auseinander­setzung im (westlichen) Balkan hervorbringen.

Insgesamt zielt das Projekt darauf ab, kritisch zu untersuchen, wie von der EU gelenkte Politiken und Bemühungen um die sozio-ökologische Transformation mit lokalen politischen Ökonomien und sozialen Dynamiken interagieren – und so neue Formen von Widerstand, Konflikt und kollektiver Handlungs­macht in Südosteuropa hervorbringen.

Christin Stühlen

Christin Stühlen

Doctoral Researcher

Die Interaktion zwischen Drittstaaten und Rebellen­gruppen ist ein langjähriges Phänomen in den inter­nationalen Beziehungen. In jüngster Zeit hat die Wissenschaft über die Regierungs­führung von Rebellen die diplomatischen Aktivitäten nichtstaatlicher bewaffneter Akteure beleuchtet und deren Fähigkeit hervorgehoben, eine wichtige Rolle in internationalen Angelegen­heiten zu spielen. In Anbetracht dessen lässt sich argumentieren, dass das Engagement von Drittstaaten mit Rebellen­gruppen ebenfalls als eine Form der Diplomatie anerkannt werden sollte. Allerdings wurde die Perspektive der Staaten in diesen Interaktionen oft übersehen. Dieses Dissertations­projekt versucht, diese Lücke zu schließen, indem es Chinas Engagement mit ethnischen bewaffneten Organisationen (EAOs) in Myanmar systematisch untersucht. Das Projekt verfolgt drei Hauptziele: Erstens soll Chinas Engagement mit Rebellen­gruppen in einem diplomatischen Rahmen konzeptualisiert werden; zweitens soll untersucht werden, wie China bestimmte Akteure einsetzt, um mit EAOs zu interagieren und seine strategischen Interessen voranzutreiben; und drittens soll der offensichtliche Widerspruch zwischen Chinas Prinzip der Nichteinmischung und seinem aktiven Engagement mit EAOs untersucht werden.

Xian Yaolong

Yaolong Xian

Doctoral Researcher

Glokale Verflechtungen

In den vergangenen zwanzig Jahren haben die Afrikanische Union (AU) und die Wirtschafts­gemeinschaft West­afrikanischer Staaten (ECOWAS) erhebliche Handlungs­fähigkeit bei der Gewähr­leistung von Frieden und Sicherheit auf dem Kontinent bewiesen indem sie politische Ordnungen und Lebens­welten gestalten. In der Interventions­literatur werden diese afrikanischen Inter­ventionen als kaum oder frei von Zwangs­mitteln geprägt dargestellt, was ihnen im Vergleich zu den umstritte­neren „westlichen“ Interven­tionen mehr Legitimität attestiert.

Das Dissertations­projekt stellt diese Annahme in Frage, indem es argu­mentiert, dass Inter­ventionen inhärent mit Zwangs­mitteln agieren, da sie auf eine nor­mative Krise reagieren und versuchen, Ordnung zu schaffen. Vorläufige Feld­forschung legt nahe, dass Zwang mehr­deutiger ist als seine übliche negative Konnotation glauben lässt und dass Wahr­nehmungen von Zwang entlang von Para­metern wie Raum, Positio­nalität und Zeit auseinander­fallen. Dabei gibt es einen Kipp­punkt zwischen legitimem und illegiti­mem Zwang, der in der Tat die Legi­timität der Inter­vention und den Versuch der regionalen Ordnungs­bildung prägt. Ausgehend von diesen Annahmen stellt dieses Dissertations­projekt folgende Fragen: Wie viel Zwang wenden afrikanische Inter­ventionen an? Was ist Zwang für wen und unter welchen Umständen? Warum fallen Wahr­nehmungen von Zwang auseinander und wie wirkt sich dies auf die regionale Ordnungs­politik aus?

Auf der Grundlage ethno­graphischer Forschungs­elemente wie Beobachtung, Immersion, (Nicht-)Eliteninterviews und Fokusgruppen­forschung in Gambia und Guinea-Bissau untersucht dieses Dissertations­projekt (1) die Wahr­nehmung von Zwang in diesen beiden Fall­studien, um aufzuzeigen, wie die von den Inter­ventionen Betroffenen den Zwangs­charakter der Inter­ventionen wahr­nehmen und was für sie Zwang darstellt. In einem Vergleichs­design zwei ähnlicher Fälle identifiziert dieses Projekt (2) Faktoren, warum diese Wahr­nehmungen auseinander­fallen, und (3) wie diese den Anspruch und die Legiti­mität regionaler Ordnungs­politik beeinflussen.

Sophia Birchinger

Sophia Birchinger

Doctoral Researcher

Dieses Forschungs­vorhaben untersucht institutionelle Formen und konzeptionelle Imaginationen, die von der türkischen Regierung einerseits und türkei­stämmigen Einwohner*innen andererseits im Zusammen­hang mit ihren politischen Aktivitäten in Deutschland verwendet werden. Während der AKP-Ära war eine generelle Neu­orientierung der türkischen Außenpolitik zu beobachten, die sich auch auf das Engagement gegenüber den im Ausland lebenden Türk*innen und ihren Nachkommen auswirkte. Dieses Engagement der Türkei hat sich in verschiedenen Aspekten manifestiert – von dem externen Wahlrecht für ihre Bürger*innen im Ausland bis hin zu einer Politik, die die Institutio­nalisierung förderte. Gleichzeitig begann die AKP, den Begriff „Diaspora“ zu verwenden, der die identitäts­stiftende Bindung an eine Gemeinschaft außerhalb des eigentlichen Wohnortes betont. Im Sinne dieses neuen „diaspora-­politischen“ Engagements konnten unter den Türkei­stämmigen in Deutschland bestimmte politische Aktivitäten beobachtet werden. Unter anderem betraten pro-AKP/Erdoğan-Organisationen die politische Bühne. Das Projekt untersucht die strategische Positionierung und die politischen Aktivitäten ausgewählter Migranten*innen­organisationen in Deutschland, die einerseits mit Integrations­erwartungen in der deutschen Gesellschaft und andererseits mit einer Trans­nationalisierungs- und Diaspora­politik der türkischen AKP-Regierung konfrontiert sind.

Sezer Idil Gögüs

Sezer İdil Göğüş

Assoziierte Forscherin

Die Veränderungen des Klimas und der Umwelt verändern in vielen Teilen der Welt massiv landwirt­schaftliche Räume: Der Boden verliert an organischer Materie durch Erwärmung zwischen Dürre und Über­schwem­mungen, Insekten und vor allem Pflanzen­schädlinge vermehren sich stärker. Hinzu kommen Erosion und Zerstörung durch direkte Eingriffe in die Natur, wie die extraktive Rohstoff­gewinnung oder Mono­kulturen. Von den betroffenen Menschen werden diese Verände­rungen unter­schiedlich verstanden und wahr­genommen. Wahrneh­mungen von Natur, Land und Klima sind von ver­schiedenen örtlichen kulturellen Traditionen geprägt, zunehmend aber auch mit Debatten und Umwelt­organisationen globaler Dimension verschränkt. Zudem wirken sich die Großprojekte von global agierenden Extraktions­unternehmen konkret vor Ort aus.

Das Dissertationsprojekt untersucht Schnitt­punkte dieser mehr­achsigen Problematik, indem es exemplarisch Konflikte um Territorien in Kolumbien aufarbeitet. Das Projekt analysiert lokale Antworten auf sehr konkrete globale Umwelt­probleme anhand der Positionen und Handlungs­kontexte von Umwelt­bewegungen, Bauern­organisationen und lokalen Politik­vertretern.

Martin Gubsch

Martin Gubsch

Assoziierter Forscher

Gegenstand dieses Promotions­projekts ist der United Nations Declaration on the Rights of Indigenous Peoples Act, ein Gesetz, das vom kanadischen Parla­ment beschlossen wurde und im Jahr 2021 in Kraft trat. Es sieht vor, dass das kanadische Rechts­system mit der Deklaration der Rechte indigener Völker (UNDRIP) in Einklang gebracht werden soll, welche bereits im Jahr 2007 von der UN-Voll­versammlung beschlossen wurde. Nach ihrer ursprünglich ableh­nenden Haltung vollzog die kanadische Regierung einen drastischen Positions­wandel, indem zuerst die nach­trägliche Zustimmung zu UNDRIP und schließlich deren Veran­kerung im nationalen Recht folgte. Dieser Prozess ist von großem Interesse, da Kanada der erste Siedler­staat und nach Kolumbien der zweite Staat überhaupt ist, der diese inter­nationale Norm in nationale Rechts- und Politikstrukturen überführt. 

Ein besonderes Augen­merk der Unter­suchung liegt darauf, wie sich die Loka­lisierung von UNDRIP auf Indigene Frauen und Mädchen auswirkt. Obwohl deren Erfahrungen und spezifische Vulnera­bilität bereits vereinzelt Beachtung fand (z. B. in der National Inquiry into Missing and Murdered Indigenous Women and Girls), werden sie von Gesetz­gebung und Forschung noch häufig übersehen. Das Projekt zielt darauf ab, zum Verständnis der Wechsel­wirkungen von gender, post­kolonialen Verhältnissen und indigener Selbst­bestimmung in der politischen Gestaltung beizutragen.

Dazu wird zunächst der nationale, politische Prozess rekonstruiert, der zur Verab­schiedung des UNDRIP Acts in Kanada führte. Des Weiteren werden relevante Akteure, ihre Interessen und die Macht­verhältnisse im politischen Aushandlungs­prozess sowie der begleitende gesellschaftliche Diskurs analysiert. Durch eine anschließende Untersuchung der Imple­mentierungs­prozesse bis zur kanadischen Bundeswahl 2025 werden die im Diskurs getätigten Argumente gegenübergestellt, um die Wechsel­wirkungen zwischen politischen Entscheidungen, gesellschaftlichen Reaktionen und den fortlaufenden Heraus­forderungen bei der Umsetzung des UNDRIP Acts nachvollziehen zu können. Die konzep­tionellen Grundlagen des Projekts wurden aus post­kolonialen sowie feministischen Theorien entwickelt. 

Rita Kopp

Rita Theresa Kopp

Doctoral Researcher // Assoziierte Forscherin //

Das Promotions­vorhaben nimmt eine ver­gleichende Analyse der Um­stände und Folgen von Inter­pre­tationen his­torischer Gewalt in post­kolonialen Beziehungen vor. Es unter­sucht zu diesem Zweck Re­präsen­tationen, Narrative und poli­tische Ak­tionen, die den Gräuel­taten gelten, die während des Völker­mords im ehe­maligen Deutsch-Südwest­afrika (1904-8) und während des Majimaji-Kriegs im ehe­maligen Deutsch-Ostafrika (1905-7) von den „Schutz­truppen“ der deutschen Kolonial­regierung begangen wurden. Das Projekt geht der Frage nach, wie und warum sich die Inter­pretationen dieser Ver­brechen in Nami­bia (sowie den Herero und Nama-Diasporen) und in Tan­sania unter­scheiden und/oder ähneln und welche Rolle dies in der unter­schiedlichen lokalen und inter­nationalen Handhabung der his­torischen Gescheh­nisse spielt. Darüber hinaus wird unter­sucht, ob und wie Er­zählungen his­torischer Er­eignisse mit unter­schiedlichen Formen (oder auch Inten­sitäten) des zivil­gesell­schaftlichen und poli­tischen Engage­ments inte­ressierter Ak­teure zusammen­hängen. In diesem Sinne wird das Projekt zu einem besse­ren Ver­ständnis der Prozesse bei­tragen, die an der kollektiven Bedeutungs­zuschreibung historischer Gewalt beteiligt sind, und auch deren normative und praktische Folgen abschätzen helfen. Darüber hinaus verspricht das Vor­haben einen Beitrag zu leisten zum wachsen­den öffent­lichen Diskurs darüber, wie mit den während des Kolo­nialismus begange­nen Gräuel­taten in post­kolonialen Situationen so um­gegangen werden kann, dass ein Aus­gleich und friedliche Bezie­hungen ent­wickelt werden.

Núrel Bahí Reitz

Núrel Bahí Reitz

Doctoral Researcher

Die Vision der Afrika­nischen Union (AU) – „An integrated, prosperous and peaceful Africa, driven by its own citizens […]“ – sowie das Leitbild der West­afrikanischen Wirtschafts­gemeinschaft (ECOWAS) – „From an ECOWAS of States to an ECOWAS of Peoples“ sugge­rieren inklusive Entwicklungs­prozesse und -ziele der beiden Organisationen. Dies wird als die Absicht gewertet, ihre Gover­nance-Prozesse auf die Norm einer „people-centric gover­nance“ auszurichten. Als zentrale Akteure der African Peace and Security Architecture (APSA) können beide Organi­sationen zu Zwecken der Krisen­prävention, des Konflikt­managements sowie des Wieder­aufbaus und der Entwicklung nach Konflikten inter­venieren. Wissen­schaftliche Auseinander­setzungen mit militä­rischen Kompo­nenten afrika­nischer Konflikt­interventionen dominieren bisher die Wissens­generierung über afrikanische Interventions­politiken. Durch den „local turn“ breitete sich zudem ein Forschungs­strang aus, der liberales Peace­building kritisch betrachtet und das Handeln lokaler Akteur*innen in den Vorder­grund stellt. Das Dissertations­projekt zielt auf die Verflech­tungen des Lokalen und Inter­nationalen in afrikanischen nicht-militärischen Inter­ventionen ab, indem erarbeitet wird, wie und warum zivil­gesellschaftliche Akteur*innen als Partner*innen in Konflikt­interventionen der AU und ECOWAS inkludiert oder exkludiert werden. Mittels praxis­theoretischer Ansätze rekonstruiert die Arbeit die Praktiken der Inklusion und Exklusion zivilgesell­schaftlichen Akteur*innen anhand der beiden Fall­beispiele Mali und Guinea und trägt dazu bei, die „black box“ afrikanischer nicht-militärischer Interventions­politiken weiter zu öffnen. 

Dies wird zunächst durch leitfaden­gestützte Interviews mit relevanten Akteur*innen der AU und ECOWAS durch Feldforschungs­aufenthalte in Addis Abeba und Abuja gewährleistet und durch die Fallstudien veranschaulicht. In letzteren werden leitfaden­gestützte Interviews mit zivilen nicht-staatlichen Akteur*innen sowie partizi­pative Ansätze mit Fokus­gruppen durchgeführt. Neben dem Erfahrungs­wissen über Ein- und Ausschluss­mechanismen bei AU- und ECOWAS-Intervent­ionen werden Informa­tionen zur Rekonstruktion der Akteur*innen­landschaft durch soziale Netzwerk­analysen gewonnen und „communities of practice“, die den konzep­tuellen Rahmen Arbeit bilden, im Bereich afrika­nischer regionaler Konflikt­interventionen identifiziert.

Jonas Schaaf

Jonas Schaaf

Doctoral Researcher

Die Bundes­republik Deutschland ist durch multiple Krisen und eine zu­nehmende gesell­schaftliche Pola­risierung geprägt. Sachsen re­präsentiert dabei einen (ver­meintlichen) Sonder­weg autoritärer Trans­for­mation von Gesellschaft, und „Sächsische Demokratie“ galt schon 2012 als Synonym für den schlei­chenden Verfall demo­kratischer Werte und Strukturen, illiberale Ant­worten auf gesell­schaftliche Krisen und das Er­starken der extremen Rechten. Zugleich fordert die „Alter­native für Deutschland“ (AfD) mit ihren an­haltenden Erfolgen bei Landtags- und Bundestags­wahlen das demo­kratische System insbesondere in Sachsen heraus. Sie bündelt die Stimmen­potentiale für auto­ritäre Politiken und regressive Krisen­bearbeitungen: Die Re­nationa­lisierung von Politik, eine rassistische Migrations- und Integrations­politik, stereotype Geschlech­ter­bilder und ein Ein­treten für eine fossile Energie- und Wirtschafts­politik sind zentrale Bestand­teile des Programms der AfD. Gleicher­maßen zeigen die an­haltenden Proteste gegen die Corona-Schutz­maßnahmen, dass die popu­listischen Potentiale für die Anti-System-Politik der AfD längst nicht erschöpft sind.

Das Dissertationsprojekt unter­sucht die Potentiale einer regressiven politischen Subjek­tivierung im Alltags­leben von Bewohner*innen einer Groß­stadt und einer Mittel­stadt in Sachsen. Mit Blick auf die Ur­sachen für das Er­starken der AfD sowie um­fassendere Trans­formationen des Alltags­lebens wird multi­me­thodisch und raum­sensible erforscht, wie Bewohner*innen die Ver­än­derungen ihrer Umwelt wahr­nehmen und welche Poten­tiale für demo­kratische Inter­ventionen vor­handen sind.

Paul Zschocke

Paul Zschocke

Assoziierter Forscher