Abgeschlossene Promotionen am PRIF

Salafistische Radi­kalisierung ist längst nicht nur in der Ge­sell­schaft, sondern auch in Politik und Wissen­schaft zu einem heiß diskutierten Thema geworden. Spätestens dann, wenn Radika­lisierungs­prozesse in Gewalt münden, wird der Salafismus sicherheits­politisch und gesell­schaftlich relevant. Doch oft vermischen sich die Grenzen zwischen Gewalt­ablehnung und Gewalt­legitimierung. Genau diese dünne Linie ist es, die salafis­tische Radika­lisierung – sowie andere religiöse und politische Radikalisierungs­formen – per se zu einem Sicherheits­problem werden lässt.

Die Konsequenz ist, dass sich sowohl in der Politik als auch in der Gesell­schaft ein immer engeres Ver­ständnis von Radi­kalisierung etabliert hat, das die Gewalt als logischen Endpunkt des Radikalisierungs­prozesses versteht. Doch die Empirie zeigt, dass salafistische Gruppen durchaus auch gewaltfreie Radikalisierungs­pfade aufweisen. Um ein ausgeprägtes Verständnis von Radi­kalisierung zu erlangen, müssen daher auch gewaltfreie Radikalisierungs­prozesse in den Fokus genommen werden.

Im Dissertations­vorhaben untersucht Hande Abay Gaspar, welche sozialen und politischen Gelegenheits­strukturen gewaltvolle Radikalisierung begünstigen bzw. abbremsen können und welche Mechanismen dabei ausgelöst werden. Ziel ist es, mithilfe einer Kausal­prozess­analyse den Radikalisierungs­prozess gewaltvoller und gewaltfreier salafistischer Akteure auf Gruppen­ebene zu rekonstruieren und dabei Bedingungs­faktoren zu identifizieren, die möglicher­weise gewalt­begünstigend oder gewalt­hemmend wirken können.

Hande Abay Gaspar

Dr. Hande Abay Gaspar

Forschungsgruppenleiterin // Researcher //

In westlichen Dis­kursen wird der Heterogenität des Islam und der schiitischen Geistlichkeit im Iran wenig Rechnung getragen. Stattdessen geht man davon aus, dass die iranische Schia ein Hindernis für die Moderne darstellt.

Es ist wenig darüber bekannt, was religiös-politische Akteure im Iran unter Islam, Moderne, Moder­nisierung oder Demo­kratisierung verstehen und wie weit ihre religiös-politischen Beiträge einen gewalt­armen Wechsel zur Demokratie ermöglichen oder verhindern.

In diesem Projekt wurden die inner­iranischen Diskurse sowohl der Für­sprecher politischer Reformen als auch deren Gegner ana­lysiert, um so die Hindernisse für die Demo­kratisierung aufzuzeigen.

Es wurde heraus­gearbeitet, dass es innerhalb der iranischen Gesellschaft eine starke Gruppe reform­orientierter Kleriker und religiöser Intellektueller gibt, die der Religion einen eigenen auto­nomen Platz zuweisen möchten, die Bevor­mundung durch religiöse Autoritäten ablehnt und für eine Restruk­turierung der staatlichen Institutionen auf der Basis von Ver­nunft eintritt.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Nomos Verlag erschienen.

Publikationen

  • Religiöse Wissensgenerierung und Modernisierung: 
    | 2010 
    Akbari, Semiramis (2010): Religiöse Wissensgenerierung und Modernisierung:. Wandel religiös-politischer Deutungsmuster im politischen Diskurs der Schia und Verschiebungen der inneren Machtbalance im postrevolutionären Iran, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

Das Dis­ser­tations­pro­jekt von Carolin Anthes be­schäftigt sich mit der um­strit­tenen UN-Ini­tia­tive zum Main­streaming von Menschen­rechten und er­forscht, wie diese von der Er­nährungs- und Land­wirt­schafts­orga­ni­sa­tion der UN (FAO), einer Sonder­orga­ni­sa­tion, die sich dem Kampf gegen welt­weiten Hunger und Mangel­er­nährung ver­pflichtet sieht, auf­ge­nommen wurde.

Ba­sierend auf eigener Ar­beits­er­fahrung im Right to Food Team der FAO und in­ten­siver Feld­for­schung bei UN-Orga­ni­sa­tionen in Genf und Rom, ana­ly­siert das Pro­jekt multi-di­men­sionale in­sti­tu­tio­nelle Hür­den, die dem sys­te­ma­tischen Main­streaming des Rechts auf Nahrung in der Or­ga­ni­sation im Wege stehen. Das Pro­jekt nimmt sich einer Lücke in der ein­ge­henden Er­for­schung von UN-Or­ga­ni­sa­tionen und deren Menschen­rechts­praktiken „von innen“ an, ins­be­sondere der FAO, der größten, aber in der For­schung bis­lang ver­nach­lässigten UN-Sonder­orga­ni­sa­tion. Es leis­tet so einen Bei­trag zum weiteren Auf­brechen, zur Ana­lyse und the­ore­tischen Ein­ord­nung von inter­nat­io­nalen Or­ga­ni­sa­tionen und ihren ins­ti­tu­tionellen und or­ga­ni­sa­tions­kul­turellen Dy­namiken im Rahmen (und jen­seits) der Dis­zi­plin der Inter­nationalen Be­ziehungen.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Das Dissertations­projekt konzentriert sich auf die normative Dimension des ordnungs­politischen Konflikts zwischen Russland und dem Westen und setzt sich kritisch mit der konstruk­tivistischen Normen­forschung auseinander.

Untersucht werden die unter­schiedlichen Verhaltens­muster, die Russland im Prozess der Vereinheit­lichung, Kontestation und Revision inter­nationaler demo­kratischer Normen zwischen 2000 und 2012 demonstriert hat. Im Zentrum des Forschungs­projekts stehen die bisher kaum erforschten Diskre­panzen innerhalb und zwischen russischer normativer Rhetorik und politischer Praxis im Bereich politischer Frei­heiten und Bürgerrechtsnormen.

Drei Fall­studien untersuchen russische Rhetorik und politi­sche Praxis in Bezug auf

(1) die Norm der inter­nationalen Wahlbeobachtung,

(2) die sogenannte „pro-NGO Norm“ und die damit verbundene staatliche Regu­lierung zivilgesellschaftlicher Organisationen sowie

(3) Versammlungs­freiheit und Demonstrationsrecht.

In jedem Fall werden die staatliche diskursive Verar­beitung der Normen sowie die politische Praxis der Einhaltung und Nicht­einhaltung untersucht und der Einfluss verschiedener Faktoren auf die Normenanerkennungs- und Normeneinhaltungs­dynamiken analysiert.

Obwohl sich das Projekt empirisch auf die Russische Föde­ration konzentriert, tragen die gewonnenen Ergebnisse und Erkennt­nisse zu den breiteren theoretischen Debatten über normativen Revisionismus, Normen­kontestation und die Entkoppelung der staatlichen Menschen­rechtsrhetorik von der Menschen­rechtspraxis bei.


Publikationen

  • Norm-Taking, Norm-Faking, And Norm-Making: Russia And The International Election Observation Norm 
    | 2017 
    Bakalova, Evgeniya (2017): Norm-Taking, Norm-Faking, And Norm-Making: Russia And The International Election Observation Norm, PRIF Working Paper, 39, Frankfurt/M.

Förderer

Friedrich-Ebert-Stiftung (FES)

Die globale nukleare Ordnung und ihr Herzstück, der Nukleare Nicht­verbreitungs­vertrag (NVV), befinden sich in einer Krise. Insbesondere die 2017 erfolgte Verhandlung des Vertrags über das Verbot von Kernwaffen (TPNW) hat die etablierte nukleare Ordnung schwer erschüttert. Der neue Vertrag hat die Risse innerhalb der inter­nationalen Nuklear­­architektur ans Licht gebracht, insbesondere die wachsende Spaltung zwischen nuklearen „Haves“ und „Have-Nots“. So ist es nicht verwunderlich, dass die Stimmung gegenüber dem Vertrag gespalten ist: Während Befürworter*innen ihn als außergewöhnliche Initiative sehen, die die Abrüstung vorantreibt, betrachten Gegner*innen ihn als Bedrohung für die bestehende nukleare Ordnung. Beide Seiten stimmen jedoch in ihrer Diagnose überein, was die Ursprünge der durch den TPNW aufgedeckten Anfechtung der nuklearen Ordnung betrifft: Sie wird zumeist als direkte Folge unzureichender Abrüstungs­­schritte, als natürliche Konsequenz der hierarchischen Struktur des NVV oder als zielgerichteter Akt von Norm-Entrepreneur­ship gedeutet. Dabei werden jedoch die Vielzahl und das Zusammenspiel von Einflussfaktoren, die für die Anfechtung des NVV konstitutiv sind, übersehen.

Das Dissertations­projekt wirft einen genaueren Blick auf die Kontestations­­prozesse, die die Entstehung des TPNWs ausgelöst und gefördert haben und die politischen Auseinander­­setzungen in und um den NVV seither begleiten. Dazu greift die Dissertation auf Forschung zu Normen­an­fechtung und Radikalisierung zurück, um den tatsächlichen Prozess der Anfechtung, der zum TPNW führte, besser zu verstehen. Indem (prozessual) nachgezeichnet wird, wie sich die Positio­nierungen der Staaten zum TPNW entwickelt haben, möchte die Dissertation darlegen, wie die Anfechtung innerhalb des NVV als Quelle und Verstärker von Radikalisierungs­­prozessen diente, die sich besonders in der Polarisierung der nuklearen Ordnung widerspiegeln, wie wir sie gerade beobachten. Denn hinter den Auseinander­­setzungen um den NVV und den TPNW stehen nicht nur prozedurale oder technische Fragen, z.B. wie nukleare Abrüstung vorangebracht werden kann. Vielmehr ging es bei der Aushandlung des TPNW auch um Fragen der Interpretation der grundlegenden Normen, die der normativen nuklearen Ordnung zugrunde liegen, und um die Macht­ver­hältnisse, die durch den NVV reproduziert und legitimiert werden. Durch diese Perspektive beleuchtet der Artikel die komplexe Natur der Anfechtung innerhalb des NVV, die weder auf die Befürworter*innen noch auf die Gegner*innen des Atom­waffen­­verbots beschränkt ist.

Jana Baldus

Dr. Jana Baldus

Assoziierte Forscherin

Der Staat Israel, in einer häufig zitierten Wendung als „die einzige Demo­kratie im Nahen Osten“ bezeichnet, erzielt regel­mäßig hohe Werte auf den politik­wissenschaft­lichen Demokratie-Indizes. Von einer solch stabilen Demokratie würde die Theorie des demokratischen Friedens erwarten, dass sie fried­liche Mittel der Konflikt­beilegung gegenüber dem Einsatz von Gewalt bevorzugt. Jedoch zeigt die Geschichte des israelisch-palästi­nensischen Konflikts, dass Israel zur gewaltsamen Eskalation der Auseinander­setzung seinen Teil beigetragen hat; und nicht zuletzt stellt die Besatzung der palästi­nensischen Gebiete eines der zentralen Hinder­nisse für einen Frieden in Nahost dar. Das Dissertations­projekt fragt danach, welche Kräfte innerhalb der israelischen Gesellschaft gegen den Friedens­prozess wirken – und identifiziert die nationalistische Religion als ein identitäts- und werte­stiftendes Orientierungs­muster, welches mit den liberal-säkularen Präferenzen konkurriert, wie sie dem demo­kratischen Frieden zu Grunde liegen. Die Theorien des demokra­tischen Friedens, die der Tradition der Aufklärung und des Liberalismus entstammen, haben hin­sichtlich der politischen Wirkung von Religion jedoch einen „blinden Fleck“, weil sie die über Jahr­zehnte in den Sozial­wissenschaften vorherrschende Säkularisierungs­theorie unhinter­fragt in ihr Theorie­gerüst übernommen haben. Doch entgegen der Erwartung, dass die Religion im Zuge weltweiter Modernisierungs­prozesse in die Bedeutungs­losigkeit versinken werde, erleben religiöse Bewegungen und Gruppen gegen­wärtig weltweit eine Renaissance. Besondere Aufmerksam­keit richtet sich dabei auf die sogenannten „fundamentalis­tischen“ Akteure, die zunehmend als Bedrohung liberal-demokratischer Werte empfunden werden. In Israel gab es neben der säkularen zionistischen Ideo­logie von Beginn an auch eine religiöse Deutung des nationalen Projekts. Doch erst nach der Eroberung „biblischer Land­schaften“ im Juni-Krieg von 1967 wandelte sich der religiöse Zionismus zu einer messianischen Ideologie, die Konzessionen in der territorialen Frage auf Grund ihrer Inter­pretation der jüdischen Religion rundweg ablehnte. Auch wenn Religion nicht ursächlich für den Konflikt verantwort­lich ist, so gelingt es den national-religiösen Gruppen in der fragmen­tierten israelischen Gesellschaft dennoch, erheblichen Einfluss auf das Konflikt­verhalten des Staates Israel zunehmen.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Nomos Verlag erschienen.

Publikationen

  • Demokratie und Gewalt im Heiligen Land 
    | 2008 
    Baumgart-Ochse, Claudia (2008): Demokratie und Gewalt im Heiligen Land. Politisierte Religion in Israel und das Scheitern des Osloer Friedensprozesses, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Band 2. 
    ISBN: 978-3-8329-3742-3
  • Religiöser Zionismus und der israelisch-palästinensische Konflikt 
    | 2006 
    Baumgart-Ochse, Claudia (2006): Religiöser Zionismus und der israelisch-palästinensische Konflikt, in: Tanja Rother; Christiane Fröhlich (eds), Zum Verhältnis von Religion und Politik im Nahostkonflikt (Texte und Materialien Reihe A), Heidelberg: Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft e.V. (FEST), 137–158.
  • Religious Zionism and Israel Foreign Policy 
    | 2006 
    Baumgart-Ochse, Claudia (2006): Religious Zionism and Israel Foreign Policy, Cornell Occasional Paper, 30: 1.
  • Israel vor der Zerreißprobe? 
    | 2005 
    Baumgart-Ochse, Claudia (2005): Israel vor der Zerreißprobe?. Die Siedler und der geplante Abzug aus Gaza, in: Ulrich Ratsch; Reinhard Mutz; Bruno Schoch; Corinna Hauswedell; Christoph Weller (eds), Friedensgutachten 2005, Münster: LIT Verlag, 53–59.
  • Eitler Traum oder erreichbares Ziel? 
    | 2004 
    Baumgart-Ochse, Claudia; Müller, Harald (2004): Eitler Traum oder erreichbares Ziel?. Die Idee einer kernwaffenfreien Zone im Nahen Osten, HSFK-Report, Nr. 10. Download
  • Demokratie im Ausnahmezustand 
    | 2003 
    Baumgart-Ochse, Claudia (2003): Demokratie im Ausnahmezustand. Israel nach den Wahlen, HSFK-Standpunkt, Nr. 2. Download

In ihrem Dissertationsprojekt betrachtet Ann-Kristin Beinlich religiöse Nichtregierungs­organisationen (RNGOs), die im Bereich der bei den Vereinten Nationen verhandelten Reproduktions­rechte aktiv sind.

Ziel der Forschung ist es, die möglichen Handlungs­orientierungen der RNGOs herauszustellen, um die allgemeine Wahr­nehmung zu korrigieren, die zwischen religiösen Akteuren und anderen, als säkular empfundenen NGOs besteht. Hierfür untersucht sie exem­plarisch zunächst katholische NGOs, um schließlich NGOs weiterer religiöser Traditionen und Konfessionen in die Analyse einzubeziehen. Zentrale Fragen dieser Dissertation sind, inwieweit und warum religiöse zivil­gesellschaftliche Akteure einer Tradition in demselben Politik­feld unterschiedliche Positionen beziehen.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Die Terror­anschläge vom 11. September 2001 zogen eine militärische Interven­tion der USA und ihrer Verbündeten in den afghanischen Bürger­krieg nach sich, die sich zunächst zu einem UN-manda­tierten und von der NATO militärisch gestützten Staatsaufbau­projekt und schließlich zu einer Aufstands­bekämpfungs­mission unter Führung der USA ausweitete.

Das Dissertations­projekt fragte nach den Bestimmungs­faktoren für die westlich geführte Militär­intervention mit einem Schwer­punkt auf der Rolle der USA und Deutsch­lands, nach den Ziel­verschiebungen und Auswirkungen des inter­nationalen Einsatzes seit 2001, sowie nach Folge­szenarien nach dem Abzug der Inter­national Security Assistance Force (ISAF) ab 2014. Während die Gründe der deutschen Interventions­beteiligung in historisch-evaluativer Forschung heraus­gearbeitet wurden, beinhaltete das Projekt auch das Ausarbeiten aktueller Heraus­forderungen und Handlungs­optionen im Hinblick auf die Deeskalation des Afghanistan­konflikts in seiner inner­staatlichen wie regionalen Dimension. Daher verbinden sich Frage­stellungen klassischer Außen­politik-Analyse mit jener der Analyse inter­nationalisierter Bürger­kriege sowie der Erforschung der Charakteristika komplexer, vernetzter Konflikt­kontexte am Beispiel von Afghanistan und Zentralasien.

Clara Braungarts Dissertations­projekt behandelte die Arbeit von religiösen NGOs in der Auf­arbeitung von Konflikten in Post­konflikt­situationen.

Die Dissertation untersuchte, inwiefern sich die Positionierung der Organi­sationen auf der inter­nationalen Ebene (Inter­nationaler Straf­gerichts­hof) von ihrer Positionierung auf nationaler und lokaler Ebene in den Post­konflikt­situationen Kenias und Ugandas unter­scheiden. Dabei ging es insbesondere um die Frage, ob religiöse NGOs sich eher für Versöhnungs­mechanismen oder für inter­nationale Straf­justiz einsetzen.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konflikt­forschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Das Dissertations­projekt von Ben Christian geht der Frage nach, wie inter­nationale Organisationen (IOs) mit der internen Kritik ihrer Mitarbeiter*innen umgehen. Ausgangs­punkt des Projekts ist die Beobachtung, dass IOs mit Blick auf „Kritik von innen“ vor einem Dilemma stehen: Einerseits ist interne Kritik eine wichtige Ressource für organisa­tionale Lern­prozesse, die es IOs ermöglicht, aus Fehlern zu lernen und sich stetig weiterzu­entwickeln. Anderseits ist interne Kritik jedoch auch eine Gefahr sowohl für die externe Reputation als auch für die interne Stabilität von IOs, da sie die oftmals vorhandenen (und zum Teil notwendigen) Diskre­panzen zwischen formulierten Zielen und konkreter Praxis aufdecken kann. Wie gehen IOs mit dieser Ambi­valenz interner Kritik um? In welchen Situa­tionen wird interne Kritik gefördert, wann wird sie unterdrückt? Und: Wie könnte ein konstruk­tiver Umgang mit „Kritik von innen“ in IOs aussehen? Eine explorative Fallstudie zum organisationalen Lernen im UN-Sekretariat dient als empirische Grundlage für die Auseinander­setzung mit diesen und weiteren Fragen. Organisations­soziologie, Praxistheorie sowie Arbeiten zur „Soziologie der Kritik“ bilden den theoretischen Rahmen für die Analyse.

Ben Christian

Dr. Ben Christian

Assoziierter Forscher

Durch die aktuellen politischen Um­brüche in der arabischen Region rückten isla­mistische Bewegungen ins Rampen­licht, obwohl sie auch vor dem Aufkommen des so genannten „Arabischen Frühlings“ ein fester Bestand­teil der politischen Realitäten in arabischen Ländern waren. Ihr zuneh­mender politischer Einfluss löste eine kontroverse Debatte über ihre politische Rolle und Charakte­ristika aus.

Diese Debatte berührt den Kern einer zentralen aka­demischen Debatte zwischen so genannten „Essentialisten“ und „Kontextualisten“. Während Erstere die politischen Positionen isla­mistischer Bewegungen in erster Linie mit ihren (starren) religiösen Über­zeugungen erklären, betonen „Kontextualisten“ die Bedeutung des politischen und gesell­schaftlichen Kontextes für die Überzeugungen islamistischer Bewegungen. Davon aus­gehend, dass weder eine reine essen­tialistische noch eine kontexualisitische Perspektive islamistische Positionen ausreichend erklären kann, fragte das Forschungs­projekt, inwiefern islamistische Bewegungen ihre Vorstellungen einer gerechten politischen und gesell­schaftlichen Ordnung an sich verändernde politische Kon­texte anpassen.

Das Projekt ana­lysierte vergleichend zwei Parteien mit vergleichbaren „Islamischen Frames“, die ihre gesell­schaftlichen und politischen Ziele aber in sehr unter­schiedlichen Kontexten verfolgten: die jorda­nische Islamic Action Front (Untersuchungs­zeitraum 1989-2011) und die tunesische An-Nahdha-Partei (Untersuchungs­zeitraum 1981-2011). Während die jordanische islamistische Partei von der semi-autokratischen Regierung selektiv in politische Prozesse eingebunden war, wurde die An-Nahdha bis zum Sturz Ben Alis repressiv aus politischen Prozessen ausgeschlossen.


Zur Buchveröffentlichung im Nomos Verlag

Publikationen

  • Islamisten im Wandel 
    | 2014 
    El Ouazghari, Karima (2014): Islamisten im Wandel. Die Islamic Action Front in Jordanien und die An-Nahdha in Tunesien in sich verändernden Kontexten, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.
  • An-Nahdha im Wandel. 
    | 2012 
    El Ouazghari, Karima (2012): An-Nahdha im Wandel.. Eine islamistische Bewegung im Kontext sich verändernder Opportunitätsstrukturen in Tunesien, PRIF Working Paper, No.14.
  • Die arabische Region im Umbruch 
    | 2011 
    El Ouazghari, Karima (2011): Die arabische Region im Umbruch. Zur Rolle islamistischer Oppositionsbewegungen in Jordanien, Ägypten und Tunesien, HSFK-Standpunkt.

Aktuelle techno­logische Entwick­lungen im Bereich Künstlicher Intelligenz, Automa­tisierung und Autonomie spielen besonders im zivilen Bereich eine immer wichtigere Rolle, seien es auto­nomes Fahren oder die Gesichts­erkennung des neuesten Smartphones. Gleichzeitig werden diese techno­logischen Innovationen auch für militärische Anwen­dungen immer bedeutsamer und diffundieren aus dem zivilen in den militärischen Bereich. Eine der am intensivsten diskutierten Entwick­lungen findet derzeit im Bereich autonomer Waffen­systeme statt. Dass diese – in ihrer Konzeption noch nicht exis­tierenden Waffen­systeme – so stark auf der inter­nationalen Agenda vertreten sind und, im Gegensatz zu vielen anderen Waffen­technologien, bereits inter­nationale Rüstungs­kontroll­gespräche stattfinden, ist nicht selbst­verständlich. Dennoch kommen die Gespräche über eine Regulierung autonomer Waffen­systeme nur stockend voran und ein, wie von NGOs geforderter, Verbots­vertrag liegt in weiter Ferne.

Dieses Dissertations­projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Wissen über techno­logische Ent­wicklungen überhaupt generiert wird und welche Rolle dieses Wissen und Expertise in Rüstungs­kontroll­prozessen von autonomen Waffen­systemen spielt. Das Projekt setzt dabei an der essentiellen Überlegung an, wie Prozesse von Rüstungs­kontrolle eigentlich im Inneren funktionieren. Auf der einen Seite wird Rüstungs­kontrolle nicht mehr nur von Staaten gelenkt – Expert*innen, NGOs und zivil­gesell­schaftliche Akteure, die Privat­wirtschaft und viele diverse andere mehr haben Einfluss auf diese Prozesse. Auf der anderen Seite ist die Generierung von Wissen über Techno­logien, aber auch über potentielle Aus­wirkungen und die Möglichkeiten der Regulierung nicht mehr nur explizit einer Gruppe von Expert*innen vorenthalten. Viele Bedeutungs­zuschreibungen, Inter­pretationen und Wissens­stände konkurrieren miteinander. Diese lassen sich in ‚socio-technical imaginaries‘ wieder­finden. Dabei ist es wichtig, heraus­zufinden, wie die Praktiken von Wissens­herstellung und –autorisierung funktionieren und wie diese Rüstungs­kontrolle ‚machen‘/gestalten. Das Dissertations­projekt zielt darauf ab, diese Prozesse im Rahmen der Debatte um autonome Waffen­systeme zu analysieren und zum Verständnis von Rüstungs­kontrolle beizutragen.

Anna-Katharina Ferl

Anna-Katharina Ferl

Assoziierte Forscherin

In seinem Dissertationsprojekt untersucht Marco Fey die Gründe für den Wandel in der amerikanischen Raketenabwehrpolitik der letzten zwanzig Jahre. Raketenabwehr galt seit Reagans Präsidentschaft als konstitutives Element in den politischen Identitäten beider Parteien: die Republikaner waren geschlossen für einen nationalen Raketenabwehrschirm, die Demokraten vehement dagegen. Umso überraschender erscheint es daher, dass die Demokraten den Widerstand gegen das Vorhaben im Verlauf der letzten zwanzig Jahre aufgegeben haben. Materialistische, geopolitische und domestic politics-Ansätze liefern hierzu keine ausreichende Erklärung.

Die Demokratisierung zählt zu den Standard­therapien, die in Nachbürger­kriegs­gesellschaften einen dauer­haften Frieden schaffen sollen. Das Dissertations­projekt legte am Beispiel Bosnien und Herzegowina die Stärken dieser Friedens­strategie offen, stellte allerdings auch heraus, wie die Demokrati­sierung sich selbst und den inner­staatlichen Frieden gefährdet. Diese Gefahren entstehen nicht nur durch den Übergang zu einem demokratischen System, sondern wohnen auch dem Wesen der Demo­kratie inne. Etablierte Demokratie können die Gefahren aus demokratischen Freiheiten oder aus dem demokratischen Wett­bewerb zumeist bannen. Nachbürger­kriegs­gesellschaften aber setzen deren destruk­tives Potenzial leichter frei. Abgewogen gegen andere Konzepte erweist sich der Aufbau einer Demokratie als die schlechteste Option – abgesehen von allen anderen.

Aus dem Dissertationsprojekt ging das breiter angelegte ebenfalls abgeschlossene Projekt „Der Beitrag von extern induzierter Demokratisierung zur Friedenskonsolidierung in Nachkriegsgesellschaften“ hervor. Zudem knüpfte das Projekt „Ohne Staat und Nation ist keine Demokratie zu machen. Die Demokratisierung von Nachbürgerkriegsgesellschaften“ an die Dissertation an.


Zur Buchveröffentlichung im Campus Verlag

Publikationen

  • Demokratisierung nach Bürgerkriegen 
    | 2007 
    Gromes, Thorsten (2007): Demokratisierung nach Bürgerkriegen. Das Beispiel Bosnien und Herzegowina, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt/M.: Campus.
Thorsten Gromes

Dr. habil. Thorsten Gromes

Projektleitung // Senior Researcher //

Das Forschungs­vorhaben unter­sucht die Ver­schränkung von Nuklear- und Geo­politik im Sinne einer Ver­ankerung von Herrschafts­strukturen in der Nuklear­ordnung sowie den Wider­stand dagegen. Als zentraler völker­rechtlicher Rahmen für diese Herrschafts­strukturen wird der Nukleare Nicht­verbreitungs­vertrag (NVV) betrachtet. Die Aus­einander­setzung mit dem Wider­stand gegen die Ordnung konzentriert sich auf den Vertrag zum Verbot von Nuklear­waffen (VVN). Da sich insbesondere Staaten aus dem globalen Süden daran beteiligten, liegt ein Fokus auf mögliche anti-koloniale Motivationen. Auch die klare Hierarchie der Nuklear­ordnung spricht für eine Herrschafts­analyse aus kritischer, postkolonialer Perspektive und Schwerpunkt­legung auf die Sicht der Akteure des Wider­standes.

Kennzeichnend für Herrschaft ist für diese Arbeit die Heraus­bildung einer Hierarchie qualitativ unterschiedlicher Handlungs­spielräume und Einfluss­sphären in einem gegebenen sozialen Kontext. Dieses Verständnis eignet sich für die Anwendung im inter­nationalen Kontext und trägt dem Forschungs­interesse am Widerstand Rechnung.

Zur Erörterung der Wesens­züge der Herrschafts­strukturen wird auf kritische bzw. post­koloniale Analysetools zurückgegriffen. Die Arbeit entwickelt auf dieser Grundlage sechs Komponenten kolonialer Prägung, denen nach­gegangen werden soll. Neben den Vertrags­werken, ihrer Normen­struktur und Normen­genese, dienen als Daten­grundlage qualitative Interviews. Dabei sollen insbesondere die Wahr­nehmung und Bewertung der Akteure des Wider­standes in die Analyse eingehen.


Die Dissertation ist unter dem Titel „„Rule & Resis­tance in the Nuc­lear Order“ im trans­cript-Verlag er­schienen und steht dank Unter­stützung durch den Publikations­fonds des PRIF und der Leibniz-Gemein­schaft open access zur Verfü­gung.

Das Dissertationsprojekt von Gregor Hofmann widmete sich den normativen Grundlagen, auf die Staaten sich in ihrer Auseinandersetzung über die Anerkennung einer internationalen Schutzverantwortung (Responsibility to Protect) beziehen. Sein Schwerpunkt lag dabei auf der Untersuchung der Konflikte zwischen verschiedenen politikfeldübergreifenden Metanormen auf internationaler Ebene und insbesondere darauf, welche dieser Metanormen aus Sicht der Staaten die Entwicklung und Anwendung spezifischerer Normen regulieren und informieren sollen. Die Arbeit knüpfte damit an aktuelle Thoeriedebatten zur Kontestation internationaler Normen und zum Verhältnis von Gerechtigkeit und Ordnung in der Staatengesellschaft an.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Una Becker-Jakob untersuchte in ihrer Dissertation das Phänomen, dass sich manche Staaten über Jahrzehnte kontinuierlich und bisweilen proaktiv für die Stärkung und den Aufbau multilateraler kooperativer Rüstungskontrolle einsetzen. Als Fallbeispiele dienten die Aktivitäten Irlands und Kanadas in der nuklearen Abrüstung und Nichtverbreitung, in der Biowaffenkontrolle und zum Verbot von Anti-Personenminen. In Längsschnittstudien der internationalen Aktivitäten sowie über Prozessanalysen der innenpolitischen Entscheidungsprozesse und qualitative Inhaltsanalysen der zugehörigen Diskurse ging sie der Frage nach, inwieweit ein sozialpsychologisch-sozialkonstruktivistisches Konzept staatlicher Identität für das Verständnis der proaktiven Politik herangezogen werden kann.

Die aggregierten Ergebnisse der Inhalts- und Prozessanalysen ergaben, dass die jeweilige staatliche Identität in der Tat plausibel die Ausrichtung der untersuchten Politik einschließlich festgestellter Inkonsistenzen begründen kann. Als tragfähiges analytisches Konstrukt der konstruktivistischen Außenpolitikanalyse kann staatliche Identität demnach vor allem dann dienen, wenn die bürokratische Kultur auf der Arbeitsebene der Außenministerien als Trägerin und Wirkmechanismus der Identität für die Politik in das Konzept integriert wird.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Una Jakob

Dr. Una Jakob

Forschungsgruppenleiterin // Senior Researcher //

Der Libanon, einst Musterbeispiel und Hoffnungsträger einer möglichen Konflikt­lösung für so genannte heterogene Staaten, wird trotz seiner konfessionellen Macht­teilung von immer wieder aufflammenden inneren Konflikten erschüttert. Dabei geht die Theorie von der Konkordanz­demokratie eigentlich davon aus, dass eine Machtteilung zwischen gesellschaftlichen Segmenten ein friedliches Zusammenleben in Staaten mit einer heterogenen Gesellschafts­struktur ermöglicht. Sind die Konfessionen also wirklich die richtigen Segmente in der libanesischen Konkordanz­demokratie?

Das abgeschlossene Dissertations­vorhaben untersuchte, wie die konfessionelle Macht­teilung immer weiter im politischen System verankert wurde und seit 1990 sogar die Verfassungs­struktur prägt. Darauf aufbauend fragte es nach dem Zusammen­hang zwischen der Verfassungsurkunde und dem Bürgerkrieg von 1975-1990 und den Chancen für einen gewaltfreien Konfliktaustrag durch die Verfassungsänderung von 1990.

Die Ergebnisse der Untersuchung „Verfassung im Kraftfeld von Krieg und Frieden“ wurden 2009 in der HSFK-Studien­reihe im Nomos-Verlag (siehe unten) veröffentlicht. Die Studie wurde zugleich als juristische Dissertation an der Universität Gießen eingereicht. Cordelia Koch hat sie als Stipen­diatin der HSFK (2001-2004) sowie des Orient-Instituts der Deutschen Morgen­ländischen Gesellschaft (2004-2005) erarbeitet. Von März 2003 bis Juni 2005 lebte und forschte sie in Beirut.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Nomos Verlag erschienen.

Publikationen

  • Verfassung im Kraftfeld von Krieg und Frieden 
    | 2009 
    Koch, Cordelia (2009): Verfassung im Kraftfeld von Krieg und Frieden. Von der konkurrenz- zur konkordanzdemokratischen Verfassung im Libanon, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. 
    ISBN: 978-3-8329-3646-4

Das Dissertationsprojekt von Max Lesch setzt sich mit dem Zusammenhang zwischen Devianz und der Entwicklung internationaler Normen auseinander.

Wie wirken sich Normbrüche auf die Entwicklung des internationalen Folterverbots seit dem Zweiten Weltkrieg aus? Die Normforschung in den Internationale Beziehungen sowie die Völkerrechtswissenschaft sind zu unterschiedlichen, teilweise widerstreitenden, Antworten auf diese Frage gekommen, die sich zwischen einerseits eher produktiven und andererseits eher destruktiven Bewertungen der Auswirkungen von Devianz verorten lassen. Dieses Projekt argumentiert, dass dies oft entweder auf einen zu engen Fokus auf einzelne Fälle von Normverletzungen oder auf die zugrundeliegenden Konzepte von Normen und Recht selbst zurückzuführen ist, die zur Bewertung von Normen zu stark auf Normkonformität oder Regelmäßigkeit in der sozialen Praxis abheben. Da das Folterverbot einen Eckpfeiler des internationalen Menschenrechtsregimes als Ganzes bildet, das in der Tat aktuell mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert ist, ist ein besseres Verständnis des Zusammenhangs von Normen, Recht und Devianz entscheidend, um das Folterverbot krisenfest zu machen. Die Dissertation kombiniert einen konstruktivistischen Ansatz zur Devianz mit einer langfristigen, zeitgeschichtlichen Perspektive auf die Normentwicklung, um die Auswirkungen von Devianz auf das Folterverbot in vier Episoden nachzuvollziehen: Folter in den Kolonialkriegen der 1950er und 1960er Jahren, Folter in Chile und Nordirland in den 1970er Jahren, Folter in Israel in den 1990er Jahren und Folter in und durch die USA in den frühen 2000er Jahre. Ziel der Dissertation ist es zu rekonstruieren, wie Staaten und internationale Institutionen Devianz vom Folterverbot konstruieren, wie Staaten auf Zuweisungen von Devianz reagieren, wie dies wiederum die Normentwicklung auf einer formaleren Ebene beeinflusst und wie sich die Debatten über Devianz zeitlich unterscheiden.


Publikationen

  • Contested Facts: The Politics and Practice of International Fact-Finding Mission
    | 2023
    Lesch, Max (2023): Contested Facts: The Politics and Practice of International Fact-Finding Mission, International Studies Review, 25: 3, 1–27. DOI: 10.1093/isr/viad034
  • From Norm Violations to Norm Development: Deviance, International Institutions, and the Torture Prohibition.
    | 2023
    Lesch, Max (2023): From Norm Violations to Norm Development: Deviance, International Institutions, and the Torture Prohibition., International Studies Quarterly, 67: 3, 1–14. DOI: 10.1093/isq/sqad043
  • Informal Human Rights Law-Making: How Treaty Bodies Use ‘General Comments’ to Develop International Law
    | 2023
    Lesch, Max; Reiners, Nina (2023): Informal Human Rights Law-Making: How Treaty Bodies Use ‘General Comments’ to Develop International Law, Global Constitutionalism, 12: 2, 378–401. DOI: 10.1017/S2045381723000023
  • Devianz als Vermittlung zwischen Fakt und Norm
    | 2022
    Lesch, Max (2022): Devianz als Vermittlung zwischen Fakt und Norm. Epistemische Praktiken und fact-finding internationaler Organisationen, Zeitschrift diskurs, 2022: 8, 12–26.
    Zur Publikation
Max Lesch

Dr. Max Lesch

Researcher

Auch mehr als 40 Jahre nach der Unab­hängigkeit scheint Mosam­bik von politischer Stabili­tät und Frieden weit entfernt. Der Jahrzehnte währende Bürger­krieg wurde 1992 beendet,  jedoch kam es seit 2012 erneut zu bewaffneten Auseinander­setzungen in dem post­kolonialen Land. Auf lokaler Ebene führen Groß­projekte inter­nationaler Firmen vor allem im Norden des Landes zu neuen sozialen Konflikten und ver­einzelten  Terror­anschlägen. Daneben besteht die Spal­tung des Landes in den von der ehe­maligen Befreiungs­armee Frente de Libertação de Moçambique  (FRELIMO) domi­nierten Süden und die von der gegner­ischen Resistência Nacional Moçambicana  (RENAMO) regierten zentralen Landes­teile fort. So ge­spalten wie das Land scheint auch die Erinnerung an die Gewalt des Bürger­kriegs.

Ziel des Projekts war, angesichts der wieder­kehrenden Konflikte und ihrer räum­lichen Dimensionen mit ethno­graphischen Forschungs­methoden zu untersuchen, wie innere und äußere Akteure die gespaltene Raum­konstruktion über Zeit auch mittels erinnerungs­kultureller Praxis reproduzieren und wie diese Routinen durch­brochen werden könnten, um Frieden in Mosambik zu befördern. Im Mittelpunkt der Arbeit stand der „Raum“ als Ausdruck und Strategie sozialer und politischer Praxis.

Da die geplante empirische Forschung durch die Covid-19-Pandemie auf absehbare Zeit nicht durch­führbar ist, wurde die Arbeit daran im August 2020 eingestellt.

Gefördert wurde das Projekt über zwei Jahre von der Stiftung Ökohaus Frankfurt.

Das zeitgeschichtlich und juristisch orientierte Dissertationsprojekt untersucht die Demokratisierungsstrategie des Europarats gegenüber Russland. Im Zentrum der Arbeit stehen die Mechanismen und Instrumente des Europarats auf den Gebieten der demokratischen und rechtlichen Entwicklungshilfe. Ein besonderes Augenmerk gilt den Monitoring- und Evaluationsmechanismen, die der Europarat seit 1989 initiiert und implementiert hat.


Zur Buchveröffentlichung im Springer-Verlag

Die Dissertationsprojekt „Sicherheits­konflikte, Sicherheitskonzepte und -akteure in Nigeria“ beschäftigte sich mit der lokalen Wahrnehmung ausgewählter Maß­nahmen innerhalb der Polizeireform in Nigeria.

Die Reformen einer Sicherheits­architektur im Alltag

Die nigerianische Gesell­schaft ist von tiefgreifenden Sicherheitsdefiziten geprägt, da u.a. das Misstrauen zwischen uni­formierten Vertretern der Staatsmacht und ‚einfachen‘ Bürgern groß ist. Das Erkenntnis­interesse der ethnografischen Arbeit von Nina Müller war, zu erforschen, ob und wie sich die von inter­nationalen und nationalen Akteuren betriebenen Reform­bemühungen für eine verbesserte Sicherheits­architektur auf lokaler Ebene im Alltag manifestieren und welchen Aushandlungs­prozessen sie dabei unterliegen.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Zwang ist ein bedeutsames Mittel in der inter­nationalen Zusammen­arbeit und bei Fragen von Krieg und Frieden. Zwangs­maßnahmen werden in der Staaten­welt häufig genutzt, um Ordnung zu schaffen – von gezielten Sanktionen bis hin zu länger­fristigen Zwangs­verhältnissen zwischen Staaten. Zwangs­mittel sind jedoch nicht immer ein ziel­führendes Mittel zur Regel­befolgung durch den sanktionierten Staat. Unbeabsichtigte Folgen, Wider­stand und strategische Über­legungen aller Beteilig­ten – unter anderen Faktoren – beeinflussen die Effektivität der gewählten Zwangs­mittel in der Erzielung des durch den sanktionierenden Staat beabsichtigten Effektes.

Das Dissertations­vorhaben untersucht einen solchen intervenierenden Faktor – die Kapazi­täten des sanktionierten Staates. Fraglich ist, wie die Effektivität von gezielten Zwangs­maßnahmen und Abhängigkeits­verhältnissen bei der Erzwingung von Compliance durch Staats­kapazität moderiert – d.h. verstärkt oder abgeschwächt – werden. Dieses Verhältnis ist sowohl für die Herstellung als auch den Erhalt von Frieden und inter­nationaler Ordnung von Bedeutung.

„Staatskapazität“ umfasst in Abgrenzung zum allge­meinen Begriff der „failed states“ die spezi­fischen Fähigkeiten, die ein Staat benötigt, um das in Frage stehende Politik­feld inner­staatlich zu regulieren. Unter sonst gleichen Bedingungen wird angenommen, dass Staaten mit schwächeren Kapazitäten im jeweiligen Politik­feld auch weniger deutlich auf externen Druck reagieren. Ebenso könnten ausgeprägtere Kapazitäten den Effekt von Zwangs­maßnahmen verstärken, weil diese Staaten wiederum eher dazu in der Lage sind, das erwünschte Verhalten innen­politisch durchzusetzen. Ferner wird die Berücksichtigung von Staats­kapazität bei der Planung von Zwangs­maßnahmen untersucht werden.

Anton Peez

Dr. Anton Peez

Assoziierter Forscher

Warum haben die russisch-westlichen Beziehungen weniger als eine Ge­neration nach dem Kalten Krieg einen so dramatischen Abschwung erlebt? Trotz der umfangreichen Literatur zu diesem Thema geben die meisten Wissenschaftler einer Seite des Konflikts die Schuld und übersehen dabei die Rolle der europäischen Sicherheitsinstitutionen bei der Ent­stehung der Krise. Diese kumulative Dissertation, die im Rahmen des DRIFTING APART-Projekts erstellt wurde, untersucht die die Rolle der europäischen Sicherheitsinstitutionen und ihre Rolle bei der Verschärfung des russisch-westlichen Konflikts nach dem Kalten Krieg. Es wird argumentiert, dass diese In­stitutionen und Russlands Dissoziation von ihnen, oder „Ruxit“, nicht nur Opfer, sondern auch Ursachen des Konflikts sind.

Die Dissertation zeigt, dass die euro­päischen multilateralen Institutionen zwar nicht die einzige Ursache sind, aber in zweierlei Hinsicht eine Schlüsselrolle bei der Verschärfung der Spannungen spiel­ten. Erstens beruhte die Integration Russlands in die europäische Sicherheitsarchitektur auf der allzu optimistischen Annahme einer unvermeidlichen Demokratisierung Russlands, die sich aufgrund von Wirtschaftskrisen und dem Wiedererstarken einer zunehmend autoritären Führung als kurzlebig erwies. Die drauf folgende NATO und die EU Hedging Strategien in Hin­sicht der Wiederein­glie­derung Russlands in die europäische Sicherheitsarchitektur haben Putins autoritäre Wende aber noch zusätzlich beschleunigt und damit die Beziehung zwischen beiden Parteien weiter erschwert.

Zweitens erwiesen sich die europäischen Sicherheits­institutionen als strukturell nicht responsiv genug, sich an die sich rasch verändernde Dynamik zwischen Russ­land und den Ländern des Westens anzupassen, da die Prämissen, auf denen diese Institutionen beruhten, nicht mehr zu­trafen. Nach mehreren erfolglosen Reformversuchen eskalierte Moskau seine Kontestation gegenüber der euro­päischen Institutionen und beschloss schließlich, sich von diesen normativen Rahmen­bedingungen zu distanzieren. In der Dissertation wird argumentiert, dass flexiblere europäische Institutionen Russland innerhalb einer reformierten Ordnung hätten halten können, um seinen aggressiven antiwestlichen Kurs zu vermeiden.

Auf der Grundlage von 43 Interviews mit Politikern, Diplomaten, Wissen­schaftlern und Experten sowie einer Synthese aus russischer außenpolitischer Literatur und der Forschung zur in­stitutionellen Krise wird in dieser Dissertation umfassend analysiert, warum sich Russland von der Ordnung, die es einst aktiv unterstützte, entfremdet hat. Sie schlägt eine Brücke zwischen Wissen­schaft und Praxis, Innen- und Außenpolitik und stellt eine Ver­bindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der russisch-westlichen Beziehungen her.

Elvira Rosert hat in ihrer Dissertation das Phänomen der Nicht-Entstehung von Normen erforscht, indem sie der Frage nachgegangen ist, warum Streumunition erst im Jahr 2008 international geächtet wurde, und warum vorherige Normsetzungsversuche gescheitert oder gänzlich ausgeblieben sind. Hierfür hat sie ein theoretisches Erklärungsmodell entworfen, welches in Anlehnung an Nina Tannenwald die Nicht-Entstehung bestimmter Normen als Resultat permissiver Effekte anderer Normen konzipiert und zwei Mechanismen formuliert, die das Zustandekommen solcher Effekte erklären. Entsprechend lautete die Leitthese der Studie, dass das Streubombenverbot erst so spät verabschiedet wurde, weil es zuvor zweimal „Opfer" permissiver Effekte wurde – erst der entstehenden Anti-Napalm-Norm und danach der entstehenden Anti-Landminen-Norm. Diese These wurde prozessanalytisch mithilfe der Inhaltsanalyse überprüft. Das analysierte Material umfasst mehrere Tausend Dokumente im Untersuchungszeitraum von 1945 bis 2008.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Springer-Verlag erschienen.

Kognitive Radi­kalisierung zeichnet sich durch die Akzeptanz einer extre­mistischen Ideologie aus. Es wird ange­nommen, dass sowohl dschiha­distische als auch rechts­extreme Radikali­sierungs­prozesse zumindest teilweise durch in extre­mistischer Propa­ganda verbrei­tete Narrative und Geschich­ten beein­flusst werden. In vielen Fällen werden solche Narra­tive im digitalen Raum verbreitet und auch konsu­miert.

Da Narra­tive als wichtiger Bestand­teil von Radikali­sierungs­prozessen angesehen werden, überrascht es nicht, dass Narrative auch wichtige Ele­mente in der Extre­mismus­präventions- und inter­ventions­arbeit sind. Narrativ­kampagnen gegen Extre­mismus werden oft als Gegen­narrative und alter­native Narrative bezeich­net und sind ein populäres aber stark kritisiertes Werk­zeug in der digitalen Extre­mismus­prävention.

In ihrem Disser­tations­vorhaben beleuchtet Linda Schlegel einen bisher wenig beachteten Aspekt digitaler Narrativ­kampagnen gegen Extre­mismus: Wie kann gutes Story­telling die persua­siven Effekte von Gegen­narrativen und alter­nativen Narra­tiven stärken? Hierzu über­trägt sie bestehen­des Wissen zu narra­tiver Persuasion aus anderen Kon­texten wie beispiels­weise Enter­tain­ment-Education Kampagnen in den Präventions­kontext. Ziel ist es zu erläutern wie wichtig gutes Story­telling für die Extre­mismus­prävention ist und zu zeigen, dass die Nutzung von Erkennt­nissen aus der narra­tiven Pers­uasions­forschung Narrativ­kampagnen signifi­kant verbessern können.


Das auf Basis der Dissertation veröffentlichte Buch „Storytelling Against Extremism. Advancing Theory and Practice of Digital Narrative Campaigns against Extremism” erschien im Juni 2025 in der Reihe „Studien des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konfliktforschung“ bei Springer VS. Für ihre Dissertation wurde Linda Schlegel mit dem Hessischen Promotionspreises für Demokratieforschung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) ausgezeichnet.

Der dynamische Funktionswandel und die Entwicklung des KSE-Vertrags seit dem Ende des Ost-West-Konflikts bildeten die Grundlage für diese Untersuchung. Er bot besondere Rahmenbedingungen dafür, um vier unterschiedliche Theoreme der Internationalen Beziehungen (Neorealismus, Hegemoniale Stabilitätstheorie, Normativer und Utilitaristischer Institutionalismus) darauf hin zu prüfen, inwieweit sie die Veränderungen und die Anpassungsmaßnahmen des Regimes und sein weiteres Funktionieren erklären können. Die Ergebnisse des Projektes sollen dazu beitragen, die Gründe und Ursachen von Regimewandel und Regimeanpassung besser zu verstehen und die Frage zu klären, welche theoretischen Hypothesen (Hypothese) am besten dazu geeignet sind (ist), die empirischen Befunde zu erklären.

Hans-Joachim Schmidt

Dr. Hans-Joachim Schmidt

Assoziierter Forscher

Afrikanische Regional­organisationen haben weit­reichende Befugnisse, um nicht nur aus humanitären Gründen sondern auch bei Regierungs­stürzen in ihre Mitglieds­staaten zu inter­venieren. Mittels verschiedener Instru­mente wie Sanktionen, Mediation, Diplomatie und militärischen Inter­ventionen, haben diese weit­reichende Gestaltungs­macht, um auf die politische Ordnung eines Landes einzuwirken. Nach einem Regierungs­sturz treten regionale Akteure in ein Macht­vakuum, in dem die Legitimität ihrer Inter­vention nicht mehr nur auf Ebene der Mitglieds­staaten, sondern vor allem mit lokalen – politischen und gesell­schaftlichen – Akteuren (neu) verhandelt werden muss.

Ethno­graphische Studien zeigen, dass die lokale Wahr­nehmung inter­nationaler Friedens­interventionen entscheidend ist für deren Legitimität und damit deren Erfolg langfristig Frieden und Stabilität zu schaffen. Politische und gesell­schaftliche Akteure sind nicht einfach nur ‚Empfänger‘ externer Inter­ventionen, sondern sie inter­pretieren und evaluieren diese aus einer eigenen lokalen Perspektive. Wie afrikanische Regional­organisationen und deren Inter­ventionen lokal wahr­genommen werden – von politischen und gesell­schaftlichen Akteuren der Länder, in die interveniert wird – ist bislang unerforscht.

Am Beispiel der Inter­ventionen der Afrikanischen Union und der West­afrikanischen Staaten­gemeinschaft ECOWAS in Burkina Faso 2014 und 2015 untersucht das Promotions­projekt den wechsel­seitigen Prozess der Legitimierung regionaler Inter­ventionen durch die beteiligten Organi­sationen einerseits und deren lokaler Wahr­nehmung andererseits. Während Studien der IB und der Friedens- und Konflikt­forschung sich meist einer normativen Perspektive verschreiben, um die Legitimität von inter­nationalen Organi­sationen und/oder deren Inter­ventionen zu bewerten, wirft das Vorhaben den Blick gezielt auf  Brüche (frictions) und Ambi­valenzen einer (De-)Legiti­mierung ‚von oben‘ – nämlich der Organi­sationen – und der ‚von unten‘ – aus lokalen Pers­pektiven.

Simone Schnabel

Simone Schnabel

Assoziierte Forscherin

Im Fokus dieser Unter­suchung zum gesellschaftlichen Selbstbewusstsein im post­sowjetischen Russland standen die Deutungs­muster "eigen", "unser" und "fremd". Mithilfe der Theorien des "Eigenen" und des "Fremden" aus drei Disziplinen – Psychologie, Soziologie und Demokratie­theorie – wurde die Eigenart des post­sowjetischen Wandels und die politische Kultur in Russland analysiert. Anhand von qualitativen Inter­views mit jungen Menschen der ersten post­sowjetischen Generation beleuchtete das abgeschlossene Dissertationsvorhaben Deutungs­muster der gegenwärtigen politischen Kultur in Russland.


Die Dissertation ist als Teil der Reihe „Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ beim Nomos Verlag erschienen.

Publikationen

  • Gesellschaftliches Selbstbewusstsein und politische Kultur im postsowjetischen Russland 
    | 2011 
    Schor-Tschudnowskaja, Anna (2011): Gesellschaftliches Selbstbewusstsein und politische Kultur im postsowjetischen Russland. Eine Studie zu den Deutungsmustern "eigen", "unser" und "fremd", Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung.

In ihrem Disser­tationsprojekt untersucht Diane Schumann, wie Dialog­foren globaler Wirtschafts- und Finanz­institutionen die Legitimitäts­überzeugungen zivilgesell­schaftlicher Akteure prägen, wobei die Civil 20 Engage­ment Group der G20 als Fall­studie dient. Diese Foren bieten globalen nicht­staatlichen Akteuren eine Platt­form, um mit der G20 zu inter­agieren – stets in einem Spannungs­feld zwischen dem Auf­bau unab­hängiger Handlungs­macht auf der einen Seite und dem Ein­greifen der G20 Präsident­schaften auf der anderen Seite, die die Möglich­keit haben, Räume kritischen Diskurses einzu­schränken. Sie zeigt in ihrer Studie, dass die G20-Dialog­foren zwar wichtige Räume für zivilgesell­schaftlichen Diskurs schaffen, aber weder als wirk­same Instru­mente zur Stärkung von Legiti­mität noch zur Unter­drückung von Kritik dienen. In einer Zeit, in der der zivil­gesellschaftliche Raum welt­weit schrumpft, bleiben diese Foren ein essen­zieller Ort für Austausch und Einfluss­nahme.

Diane Schumann

Diane Schumann

Doctoral Researcher

Die Debatten um konven­tionelle Rüstungs­kontrolle auf dem afrika­nischen Kontinent werden von einem Fokus auf die illegale Verbreitung kleiner und leichter Waffen dominiert. Dies spiegelt sich auch in Entwicklungs­projekten inter­nationaler Geber wider. Hindernisse bei  der Umsetzung von Rüstungs­kontrollregimen werden dabei vorrangig als Kapazitäts­problem aufgefasst.

In seinem Dissertations­projekt untersucht Matthias Schwarz, welchen polit­öko­nomischen Hürden Compliance in der konven­tionellen Rüstungs­kontrolle gegen­übersteht. Kapazität wird dabei nur als ein ergänzender Erklärungs­faktor verstanden, aber um die Frage erweitert, welchen Einfluss die Verfasst­heit staatlicher Strukturen auf die Umsetzung von Rüstungs­kontrolle ausübt. Das Projekt basiert vielmehr auf einem Verständnis von Compliance und Implemen­tierung, das in politischen und sozio­logischen Aushandlungs­prozessen nationaler und inter­nationaler Sicherheits­politik begründet liegt. Vor dem Hintergrund des Vertrags über den Waffenhandel, des Kleinwaffen­aktions­programms der Vereinten Nationen und regionaler Rüstungs­kontroll­abkommen umfasst der Unter­suchungs­rahmen zudem die gesamte Bandbreite konven­tioneller Waffen. Hierbei steht insbesondere Transparenz bei deren Beschaffung im Fokus.

Das Forschungs­vorhaben versteht Regierungen also nicht als passive Ausführer sondern als aktive Gestalter von Rüstungs­kontrolle. Internationale Normen werden demnach im nationalen Kontext politpraktisch angepasst. Die Unter­suchung nimmt die zugrunde­liegenden Ursachen und Effekte mit einem Fokus auf Aushandlungs­prozesse zwischen Regierungen und deren Sicherheits­sektor-Organen in den Blick. Sie vergleicht in diesem Zusammen­hang drei afrikanische Staaten.

Matthias Schwarz

Matthias Schwarz

Assoziierter Forscher

Betrachtet man den Mittleren Osten und Nord­afrika (MENA) nach den Um­brüchen von 2010/2011, wird nur Tune­sien häufig als ein „leuch­tendes Beispiel“ für einen erfolg­reichen (Beginn eines) Über­gang zur Demo­kratie heran­ge­zogen. Gleich­zeitig steht das Land aber vor großen Heraus­for­der­ungen, bspw. islamis­tischer Radi­kali­sierung: Seit 2011 kam es zu zahl­reichen Terror­an­schlägen vor Ort, außer­dem spiel(t)en Tunesier häufig führende Rollen in trans­nationalen jiha­dis­tischen Netz­werken und es wird von etwa 6.000 tune­sischen foreign fighters aus­ge­gangen.

Die Forschung bietet ein breites Spektrum von Erklärungs­ansätzen, darunter poli­tische, religiöse und sozio­öko­nomische Margi­nali­sierung – eine These, die sich in der Forschung zur MENA-Region, Europas und der USA gleicher­maßen wieder­findet. Obwohl sich die meisten Autor*innen einig sind, dass Margi­nali­sierung einen Hinter­grund darstellt, vor dem Radi­kali­sierungs­prozesse wahr­schein­licher werden, fehlt bisher eine um­fassende empi­rische Analyse, die sowohl objektiv mess­bare als auch wahr­ge­nommene Margi­nali­sierung in den Blick nimmt und ihre Rolle im Hinblick auf Radi­kali­sierung und der Hin­wendung zu Gewalt unter­sucht.

Diesen Zusammen­hang untersucht Clara-Auguste Süß in ihrer Dissertation vor dem Hintergrund der sozialen Bewegungs­forschung. Die Arbeit kom­biniert dabei zwei Ansätze und Blick­winkel: (1) Frame­analyse von online-Kommuni­kation radikaler Gruppen (Perspek­tive von oben – Anführer und diskur­sive Strategien) und (2) Verglei­chende Analyse lokaler Perspek­tiven auf Margina­lisierung, grievances und Raum (Perspektive von unten – poten­zielle Sym­pathisant*­innen).


Publikationen

  • The Socioeconomic Dimension of Islamist Radicalization in Egypt and Tunisia 
    | 2019 
    Süß, Clara-Auguste; Aakhunzzada, Ahmad Noor Baheige (2019): The Socioeconomic Dimension of Islamist Radicalization in Egypt and Tunisia, PRIF Working Paper, 45, Frankfurt/M.
Clara-Auguste Süß

Dr. Clara-Auguste Süß

Assoziierte Forscherin

Einschränkungen der bürgerlichen und politischen Handlungs­spielräume innerhalb eines Wahl­zyklus haben weltweit zugenommen. In den letzten Jahren wurden in mehr als 63 Ländern weltweit restriktive Gesetze verab­schiedet, welche die Handlungs­spielräume von zivil­gesell­schaftlichen und politischen Akteuren ein­geschränkt haben. Kompetitive Wahlen erzeugen ein Klima der politischen Anspannung und sind häufig ein Stresstest für Wahl­demokratien. Politiker­*innen und Aktivist­*innen stehen gleicher­maßen unter Druck. Die einen, weil sie ihren Machtverlust befürchten, die anderen, weil sie repressiven Maßnahmen ausgesetzt sind.

Trotz dieser Ein­schrän­kungen ist immer wieder zu beobachten, dass es der Zivil­gesellschaft und den Oppositions­parteien als Reaktion auf die Ein­schrän­kungen gelingt, neue Formen und Wege zu finden, um aktiv zu bleiben, auf illiberale Tendenzen zu reagieren und sich gegen Beschrän­kungen ihrer Handlungs­möglichkeiten zur Wehr zu setzen. Ausgehend von dieser Beobachtung untersucht die Forschungs­arbeit die Faktoren, die es den Akteur­*innen ermöglichen, handlungsfähig zu bleiben. Dabei wird der zentralen These nachgegangen, dass durch ein Minimum an Resilienz im Wahlzyklus die Organisations- und Handlungs­fähigkeit aufrecht­erhalten bleibt.


Publikationen

  • At a crossroads 
    | 2021 
    Wagner, Rebecca (2021): At a crossroads. Kyrgyzstan after the recent elections, PRIF Spotlight, 1, Frankfurt/M.
Rebecca Wagner

Rebecca Wagner

Assoziierte Forscherin

Das 2007 abgeschlossene politik­wissenschaft­liche Dissertations­vorhaben „Demo­kratie, sozialer Frieden und ökonomische Krise in Süd­amerika. Zur politischen Ökonomie peripher-demokra­tischer Pazifi­zierungs- und Stabilisierungs­muster am Beispiel von Argentinien und Ecuador“ befasste sich mit einem erstaun­lichen Befund: dem Überleben südamerikanischer Demo­kratien trotz tiefer wirtschaft­licher, politischer und gesellschaft­licher Krisen. In zwei vergleichend angelegten Fall­studien zu Argentinien und Ecuador wurde untersucht, wie ökonomische Krise, sozialer Protest und politische Krisen­bearbeitung in einer Weise zusammen­wirkten, dass sozio­politische Konflikte bis zur Krise der Demokratie eskalier­ten, dann aber „short of collapse" in einen Prozess der Re-Stabili­sierung mündeten. Mikro­studien zu den argen­tinischen Arbeitslosen­bewegungen und der indigenen Bewegung in Ecuador ergänzten die Fall­analysen. Bolivien und Chile wurden als Kontroll­fälle hinzugezogen.

Zentrales Ergebnis des Forschungs­vorhabens ist, dass ein Ideal­modell demokratischer Stabili­sierung und Pazifi­zierung, demzufolge der demo­kratische Staat die Trans­formation des Konflikt­austrags in institutionalisierte, friedliche Bahnen mit der effektiven Reduktion der Konflikt­ursachen verbindet, durch einen Blick auf informelle Mechanismen politischer Konflikt­bearbeitung einerseits, gesellschaflich-regulative Formen der Konflikt­repression andererseits ergänzt werden muss. Informelle politische Institutionen und Praktiken, die die Einbindung gesellschaft­licher Gruppen wie die Aufnahme gesellschaft­licher Anforderungen qua formal-demo­kratischer Verfahren ergänzen, sind etwa klientelistische Beziehungs­muster, außer­institu­tionelle Verhandlungs­systeme, aber auch der protest­förmige Sturz gewählter Präsidenten (popular impeach­ment). Die Kategorie gesellschaftlich-regulativer Konflikt­repression weist darauf hin, dass zudem die intrinsische Konflikt­fähigkeit sozialer Gruppen eine variable Größe darstellt. Hier gilt es, ein breites Spektrum sozio­ökonomischer, politisch-institutioneller und kognitiv-ideologischer Faktoren zu betrachten, die regulativ-repressiv wirken, indem sie auf Seiten potenziell konflikt­trächtiger Gruppen die Kapazitäten und Anreize zur Organisation, Mobilisierung und kollektiven Aktion reduzieren.

Das Dissertationsprojekt wurde von der Deutschen Sitftung Friedensforschung gefördert.


Zur Buchveröffentlichung im Nomos Verlag

Publications

  • Die politische Ökonomie des inneren Demokratischen Friedens in Argentinien und Ecuador 
    | 2012 
    Wolff, Jonas (2012): Die politische Ökonomie des inneren Demokratischen Friedens in Argentinien und Ecuador, in: Spanger, Hans-Joachim (eds), Der demokratische Unfrieden. Über das spannungsreiche Verhältnis zwischen Demokratie und innerer Gewalt. Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung Bd. 16, Baden-Baden: Nomos, 113-148.
  • On boxes and arrows: Cognitive maps as an instrument for actor-centered process-tracing 
    | 2010 
    Wolff, Jonas (2010): On boxes and arrows: Cognitive maps as an instrument for actor-centered process-tracing, Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft.
  • Vom „Argentinazo“ zu Néstor Kircher. 
    | 2010 
    Wolff, Jonas (2010): Vom „Argentinazo“ zu Néstor Kircher.. Krise und Überleben der argentinischen Demokratie (2001-2007), in: Birle, Peter/Bodemer, Klaus/Pagni, Andrea (eds), Argentinien heute: Politik, Wirtschaft, Kultur, Frankfurt/M: Vervuert, 55-72.
  • Von Kästen und Pfeilen 
    | 2009 
    Wolff, Jonas (2009): Von Kästen und Pfeilen. Cognitive maps als Instrument der akteurszentrierten Politikanalyse, Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, 131–153. DOI: 10.1007/s12286-009-0025-6
  • De-Idealizing the Democratic Civil Peace 
    | 2009 
    Wolff, Jonas (2009): De-Idealizing the Democratic Civil Peace. On the Political Economy of Democratic Stabilisation and Pacification in Argentina and Ecuador, Democratization, 998-1026. DOI: 10.1080/13510340903162143
  • Der innere Frieden der Demokratie diesseits ferner Ideale 
    | 2009 
    Wolff, Jonas (2009): Der innere Frieden der Demokratie diesseits ferner Ideale. Zum erstaunlichen Erfolg demokratischer Stabilisierung und Pazifizierung in Südamerika, in: Margit Bussmann; Andreas Hasenclever; Gerald Schneider (eds), Identität, Institutionen und Ökonomie: Ursachen innenpolitischer Gewalt, Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft Nr. 43/2009, Wiesbaden (VS Verlag), 209-234.
  • Turbulente Stabilität 
    | 2008 
    Wolff, Jonas (2008): Turbulente Stabilität. Die Demokratie in Südamerika diesseits ferner Ideale, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Band 1. 
    ISBN: 978-3-8329-3388-3
  • (De-)Mobilising the Marginalised 
    | 2007 
    Wolff, Jonas (2007): (De-)Mobilising the Marginalised. A Comparison of the Argentine Piqueteros and Ecuador's Indigenous Movement, Journal of Latin American Studies, 39: 1, 1–29.
  • Zwischen Demokratisierung und Destabilisierung 
    | 2006 
    Wolff, Jonas (2006): Zwischen Demokratisierung und Destabilisierung. Die indigenen Bewegungen in Bolivien und Ecuador als Herausforderung der real-existierenden Demokratie, in: Bopp, Fransziska; Ismar, Georg (eds), Bolivien – Neue Wege und alte Gegensätze, Berlin: Wissenschaftlicher Verlag Berlin, 247–278.
  • Ambivalent consequences of social exclusion for real-existing democracy in Latin America 
    | 2005 
    Wolff, Jonas (2005): Ambivalent consequences of social exclusion for real-existing democracy in Latin America. The example of the Argentine crisis, Journal of International Relations and Development, 8: 1, 58–87.
  • Bolivien – Krise eines Friedensmodells 
    | 2004 
    Wolff, Jonas (2004): Bolivien – Krise eines Friedensmodells, in: Weller, Christoph; Ratsch, Ulrich; Mutz, Reinhard; Schoch, Bruno; Hauswedell, Corinna (eds), Friedensgutachten 2004, Münster: LIT Verlag, 107–115.
  • Demokratisierung als Risiko der Demokratie? 
    | 2004 
    Wolff, Jonas (2004): Demokratisierung als Risiko der Demokratie?. Die Krise der Politik in Bolivien und Ecuador und die Rolle der indigenen Bewegungen, HSFK-Report, Nr. 6. Download
  • Argentinien nach der Krise 
    | 2003 
    Wolff, Jonas (2003): Argentinien nach der Krise. Zur erstaunlichen Stabilität der real-existierenden Demokratie, HSFK-Standpunkt, Nr. 5. Download
Jonas Wolff

Prof. Dr. Jonas Wolff

Vorstandsmitglied // Programmbereichsleitung //