Unter dem Motto „Even better than the real thing? Questioning knowledge production, positionality and authenticity in IR” fand vom 1. bis 4. September 2026 in Lissabon die 19. pan-europäische Konferenz der Internationalen Beziehungen (PEC), organisiert durch die European International Studies Association (EISA), statt. PRIF war auch in diesem Jahr mit zahlreichen Wissenschaftler*innen zugegen, die ihre Beiträge in den verschiedenen thematischen Sektionen zur Diskussion stellten und sich an den verschiedenen Diskussionsformaten beteiligten.
Der Programmbereich Internationale Sicherheit war mit Christopher Daase, Jana Baldus, Caroline Fehl, Veronika Klymova, Frank Kuhn, Clara Perras, Liska Suckau und Simone Wisotzki in einer Vielzahl von Sitzungen vertreten. Am ersten Konferenztag brachte Christopher Daase in die Sitzung „Theory on International Order and its Crisis“ eine vergleichende Perspektive auf die konkurrierenden Gegenwartsdiagnosen in den zeitgenössischen Internationalen Beziehungen ein. Entgegen der dominierenden Darstellung eines binären Wettstreits zwischen realistischen und liberalen Positionen arbeitet er die Paradigmen eines republikanischen Ansatzes heraus, der ein neues Denken europäischer Sicherheit ermögliche.
Zur selben Sitzung trugen Nicole Deitelhoff, Johanna Speyer, Felix Bethke, Jonas J. Driedger, Ivan Kharitonov und Mina Trpkovic aus dem Programmbereich Internationale Institutionen ihr gemeinsames Konferenzpapier „Stability and Crisis in International Orders: Theoretical and Empirical Perspectives“ bei. Darin strengen die Autor*innen eine tiefergehende Konzeptualisierung von Stabilität und Krisen an und entwickeln daraus empirische Indikatoren, um Ordnungskrisen besser zu erkennen und in ihrer Schwere beurteilen zu können. Zudem präsentierten Fumie Nakamura, Mikhail Polianskii und Xinyu Yuan jeweils ihre Paper in den Sitzungen „Transnational City Networks: Knowledge, Power and Global Governance“, „Intelligence Beyond the Anglosphere“ und „China, Russia and the LIO“.
Aus dem Programmbereich Transnationale Politik nahmen Claudia Baumgart-Ochse und Isabelle Stephanblome an der Konferenz teil. Erstere widmete sich in zwei Sitzungen der Rolle religiöser NGOs in der Globalen Politik sowie der deutschen Kirchen im Verhältnis zu Israel und Palästina. In der Sitzung „Counter Terrorism Practices" präsentierte Isabelle Stephanblome ihre Analyse der deutschen Gesetzgebungspraxis zur Terrorismusbekämpfung, in der sie die Wechselwirkungen zwischen Legitimationsstrukturen des Ausnahmezustands und der Normalität in den Vordergrund rückte.
Pascal Abb und Jonas Wolff aus dem Programmbereich Innerstaatliche Konflikte diskutierten in der Sitzung „The Autocratic Toolkit: Foreign Interference and Narrative Warfare“ einen gemeinsam mit Piki Ish-Shalom (Hebrew University of Jerusalem) eingebrachten Beitrag. Darin verfolgen sie die diskursiven Taktiken und Widersprüche, die Chinas Versuch kennzeichnen, sein politisches Regime als eine besondere, aber dennoch überlegene Demokratie darzustellen. Yaolong Xian analysierte wiederum die chinesische Außenpolitik anhand ihres Engagements in Myanmar, das sich über nicht-staatliche Akteure vollzieht. Zudem zeigte Christin Stühlen anhand kohleabhängiger Gemeinden in Bosnien auf, wie semiperiphere Regionen in Südosteuropa ihren Platz in sich wandelnden globalen (Energie-)Ordnungen finden.
Aus dem Programmbereich Lokale Friedensordnungen waren Sabine Mannitz, Núrel Bahí Reitz und Sophia Birchinger nach Lissabon gereist. Erstere stellten in der von Caroline Fehl betreuten Sitzung „Addressing Legacies of European Colonial Violence II: Local Perspectives and Activism” die ambivalente Rolle des Rechts in post- und dekolonialen Kämpfen in den Fokus. Am Beispiel von Kanada und dem heutigen Namibia zeigten sie in ihrem Paper „From Legalized Violence to Legal Resistance: Contesting Colonial Injustice through Law”, wie Aktivismus rund um die Erinnerung an Völkermord die rechtlichen Rahmenbedingungen neu gestaltet. Ungleicher Zugang und staatszentrierte Rahmenbedingungen können jedoch jene Hierarchien reproduzieren, die die Bewegungen zu überwinden suchen. Sophia Birchinger trug zwei Paper zu den Sitzungen „Theorizing Knowledge in IR: Strangers, Paradoxes and Disobedience“ und „International Organizations, International Norms and Global Ordering“ bei und nahm zudem am „Roundtable Institutional Care and Carelessness in Fieldwork“ teil.
Ausführliche Informationen zum Programm der diesjährigen EISA-PEC und den Beiträgen der PRIF Wissenschaftler*innen finden sich auf der Website der Konferenz.