Wissensproduktion in den Internationalen Beziehungen

Blick durch einen großen steinernen Torbogen mit blau beleuchtetem Durchgang und mehreren Personen, darunter eine Frau mit grünem Oberteil, davor ein Banner mit der Aufschrift '3rd Pan-European Conference on International Relations 2-4 September 2026 #EISAPEC26'

PRIF Wissenschaftler*innen auf der EISA-PEC 2026

Unter dem Motto „Even better than the real thing? Questioning know­ledge production, positionality and authenticity in IR” fand vom 1. bis 4. Septem­ber 2026 in Lissa­bon die 19. pan-europä­ische Konferenz der Inter­nationalen Bezieh­ungen (PEC), organisiert durch die European Inter­national Studies Association (EISA), statt. PRIF war auch in diesem Jahr mit zahl­reichen Wissen­schaftler*innen zugegen, die ihre Beiträge in den verschiedenen thematischen Sektionen zur Diskussion stellten und sich an den verschiedenen Diskussions­formaten beteiligten. 

Der Programm­bereich Inter­nationale Sicher­heit war mit Christopher Daase, Jana Baldus, Caroline Fehl, Veronika Klymova, Frank Kuhn, Clara Perras, Liska Suckau und Simone Wisotzki in einer Vielzahl von Sitzungen vertreten. Am ersten Konferenz­tag brachte Christopher Daase in die Sitzung „Theory on Inter­national Order and its Crisis“ eine ver­gleichende Perspek­tive auf die konkurrierenden Gegenwarts­diagnosen in den zeit­genössischen Inter­nationalen Beziehungen ein. Entgegen der dominierenden Dar­stellung eines binären Wett­streits zwischen realistischen und liberalen Positionen arbeitet er die Paradig­men eines republikanischen Ansatzes heraus, der ein neues Denken euro­päischer Sicher­heit ermögliche. 

Zur selben Sitzung trugen Nicole Deitel­hoff, Johanna Speyer, Felix Bethke, Jonas J. Driedger, Ivan Kharitonov und Mina Trpkovic aus dem Programm­bereich Inter­nationale Institu­tionen ihr gemeinsames Konferenz­papier „Stability and Crisis in Inter­national Orders: Theoretical and Empirical Perspec­tives“ bei. Darin strengen die Autor*innen eine tiefer­gehende Konzeptuali­sierung von Stabilität und Krisen an und entwickeln daraus empirische Indika­toren, um Ordnungs­krisen besser zu erkennen und in ihrer Schwere beur­teilen zu können. Zudem präsen­tierten Fumie Naka­mura, Mikhail Polianskii und Xinyu Yuan jeweils ihre Paper in den Sitzungen „Trans­national City Net­works: Know­ledge, Power and Global Governance“, „Intelligence Beyond the Anglosphere“ und „China, Russia and the LIO“. 

Aus dem Programm­bereich Trans­nationale Politik nahmen Claudia Baum­gart-Ochse und Isabelle Stephan­blome an der Konferenz teil. Erstere widmete sich in zwei Sitzungen der Rolle religiöser NGOs in der Globalen Politik sowie der deutschen Kirchen im Verhält­nis zu Israel und Palästina. In der Sitzung „Counter Terrorism Practices" präsentierte Isabelle Stephan­blome ihre Analyse der deutschen Gesetzgebungs­praxis zur Terrorismus­bekämpfung, in der sie die Wechsel­wirkungen zwischen Legitimations­strukturen des Ausnahme­zustands und der Normalität in den Vorder­grund rückte. 

Pascal Abb und Jonas Wolff aus dem Programm­bereich Inner­staatl­iche Konflikte diskutierten in der Sitzung „The Auto­cratic Toolkit: Foreign Inte­rference and Narrative Warfare“ einen gemeinsam mit Piki Ish-Shalom (Hebrew University of Jerusalem) einge­brachten Beitrag. Darin verfolgen sie die diskursiven Taktiken und Wider­sprüche, die Chinas Versuch kenn­zeichnen, sein politisches Regime als eine besondere, aber dennoch überlegene Demo­kratie darzustellen. Yaolong Xian analysierte wiederum die chinesische Außen­politik anhand ihres Engage­ments in Myan­mar, das sich über nicht-staatliche Akteure vollzieht. Zudem zeigte Christin Stühlen anhand kohle­abhängiger Gemeinden in Bosnien auf, wie semi­periphere Regionen in Süd­ost­europa ihren Platz in sich wandelnden globalen (Energie-)Ordnungen finden. 

Aus dem Programm­bereich Lokale Frieden­sordnungen waren Sabine Mannitz, Núrel Bahí Reitz und Sophia Birchinger nach Lissabon gereist. Erstere stellten in der von Caroline Fehl betreuten Sitzung „Addressing Legacies of European Colonial Violence II: Local Perspec­tives and Activism” die ambivalente Rolle des Rechts in post- und de­kolonialen Kämpfen in den Fokus. Am Beispiel von Kanada und dem heutigen Namibia zeigten sie in ihrem Paper „From Legalized Violence to Legal Resistance: Contesting Colonial Injustice through Law”, wie Aktivis­mus rund um die Erinnerung an Völker­mord die rechtlichen Rahmen­bedingungen neu gestaltet. Ungleicher Zugang und staats­zentrierte Rahmen­bedingungen können jedoch jene Hierarchien re­produzieren, die die Bewegungen zu über­winden suchen. Sophia Birchinger trug zwei Paper zu den Sitzungen „Theorizing Know­ledge in IR: Strangers, Paradoxes and Dis­obedience“ und „Inter­national Organi­zations, Inter­national Norms and Global Ordering“ bei und nahm zudem am „Round­table Institutional Care and Careless­ness in Field­work“ teil. 

Ausführliche Informationen zum Programm der dies­jährigen EISA-PEC und den Beiträgen der PRIF Wissen­schaft­ler*innen finden sich auf der Website der Konferenz