Aktivismus und soziale Mobilisierung während des „internen bewaffneten Konflikts“ in Ecuador: Perspektiven, Erfahrungen und Reaktionen der Zivilgesellschaft

Angehörige der ecuadorianischen Polizei geraten während einer Demonstration in Quito, Ecuador, am 12. Oktober 2025 mit Demonstranten aneinander. Die landesweit vom Verband der indigenen Völker Ecuadors (Conaie) organisierten Proteste richteten sich gegen die Abschaffung der Diesel-Subventionen.

© EPA/JOSE JACOME

Neuer PRIF-Report 02/2026 von Elena Dressler, Madeleine Palacios und Jonas Wolff über die Auswirkungen des Zusammenspiels von krimineller Gewalt und repressiven staatlichen Maßnahmen in Ecuador in den letzten Jahren.

In den letzten Jahren erlebt Ecuador einen beispiel­losen Anstieg krimineller Gewalt. Die Regierung unter Präsident Daniel Noboa erklärte einen „internen be­waffneten Kon­flikt“ und setzte die Streit­kräfte zur Be­kämpfung der Krimi­nalität ein. Im Namen der Be­kämpfung der organisierten Krimi­nalität hat die Regierung zudem Maß­nahmen ergriffen, die den zivil­gesell­schaftlichen Handlungs­spielraum ein­schränken. Diese doppelte Heraus­forderung betrifft insbe­sondere Aktivist­*innen, zivil­gesell­schaftliche Orga­nisationen und soziale Bewe­gungen.

Zwar gibt es bereits erste Studien zu den Aus­wirkungen krimi­neller Gewalt auf die ecua­dorianische Zivil­gesellschaft, doch fehlen Analysen zu den Folgen des Zusammen­spiels von krimineller Gewalt und der repressiven, mili­tarisierten Reaktion des Staates. Auf der Grundlage von Work­shops und Inter­views mit Vertreter*innen sozialer Orga­nisationen, ergänzt durch Primär- und Sekundär­quellen, analysieren Elena Dressler, Madeleine Palacios und Jonas Wolff die Folgen dieser doppelten Herausforderung für Aktivistinnen, Organisationen und soziale Bewegungen in Ecuador. Der Bericht untersucht zudem die Strategien, die zivil­gesellschaftliche Orga­nisationen (CSOs) angesichts dieser doppelten Heraus­forderung entwickeln. Auf der Grundlage dieser Ein­schätzung werden Empfehlung­en für die inter­nationale Zusammen­arbeit formuliert.

Der Bericht bestätigt eine erhebliche Ver­schlechterung des zivil­gesellschaftlichen Raums. Einerseits behindern krimi­nelle Gewalt und die terri­toriale Präsenz krimi­neller Gruppen die Arbeit von Menschen­rechtsverteidigern, schwächen zivil­gesellschaftliche Organisationen und beein­trächtigen deren Be­ziehungen zu den Gemein­schaften, was eine Neu­ausrichtung ihres Handlungs­feldes erforderlich macht. Andererseits be­obachten wir eine starke Dynamik polizeil­icher und militärischer Re­pression, sowohl im Zusammen­hang mit sozialen Pro­testen als auch im Rahmen von Oper­ationen gegen organisierte kriminelle Gruppen (OCGs). Darüber hinaus iden­tifiziert der Bericht eine Reihe rechtlicher und admini­strativer Ein­schränkungen sowie eine diskursive De­legitimierung. Die Studie zeigt zudem unter­schiedliche Auswirkungen je nach (Sub-)­Region und Art der Akteure auf.

Die Forschung für diese Publikation erfolgte im Rahmen des Forschungs­projekts Gewalt gegen soziale Aktivist*­innen: Ursachen, Muster und Trans­formationen. Das Projekt ist Teil des durch das Bundes­ministerium für Forschung, Technologie und Raum­fahrt (BMFTR) geförderte Forschungs­zentrum Transfor­mations of Political Violence (TraCe).

Dressler, Elena; Palacios, Madeleine; Wolff, Jonas (2026): Activismo y Movilisación Social en Tiempos del “Conflicto Armado Interno” en el Ecuador: Perspectivas, Experiencias y Respuestas desde la Sociedad Civil, PRIF Report, 2, Frankfurt/M. DOI: 10.48809/prifrep2602

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