Simone Wisotzki untersucht in ihrem neu veröffentlichten Buch „The Justice Motive in Multilateral Negotiations“, wie Staaten in den Vereinten Nationen über Themen der Gerechtigkeit verhandeln. Das Buch ist im Mai 2026 im Verlag Karl Alber in der Reihe „Friedenstheorien“ erschienen. Simone Wisotzki erhielt für ihr Buch den Alber-Preis Friedenstheorien.
In multilateralen Verhandlungen haben die teilnehmenden Staaten oft unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit. Dabei sind gerade die Fragen nach Gerechtigkeit nicht nur in unserer heutigen Gesellschaft, sondern auch für die Friedens- und Konfliktforschung äußerst relevant.
Um diese internationalen Aushandlungen zu ergründen, stützt sich Wisotzki theoretisch auf die interdisziplinäre Konzeption des „Gerechtigkeitsmotivs“, das sowohl sehr strategisch als auch altruistisch verstanden werden sollte und von Diplomat*innen ebenso ambivalent verwendet wird. In ihrer theoretischen Konzeption zeichnet sie historisch nach, wie sich das Gerechtigkeitsmotiv disziplinär aus dem Naturrecht über die Rechtswissenschaften und die Politische Theorie bis in die Internationalen Beziehungen entwickelt hat. Auch dort zeigt sich schon, dass das Gerechtigkeitsmotiv oftmals ungerechte Ergebnisse zur Folge haben kann. Empirisch untersucht sie das Gerechtigkeitsmotiv anhand der Verhandlungen zur Kleinwaffenkontrolle (UNPoA), dem Waffenhandelsvertrag (ATT) sowie dem Aushandlungsprozess zur konfliktbedingten sexualisierten Gewaltsnorm (CRSV) im Rom Statut und dem Internationalen Strafgerichtshof.
Die Studie zeigt anhand der Gerechtigkeitskonzeption von Nancy Fraser, dass das Streben nach Fairness zwischen Staaten nicht unbedingt zu gerechten Ergebnissen führt, sondern selbst auch neue Formen von Ungerechtigkeit hervorbringen kann. Dabei wird deutlich, dass Gerechtigkeitsansprüche gegenläufige Effekte haben können: Einerseits können sie internationale Zusammenarbeit fördern, andererseits können Normkonflikte dadurch verschärft werden, weil eben konfliktträchtige Ansprüche Einigungen erschweren. Gerechtigkeit erweist sich somit als eine zentrale, aber ambivalente Kraft in Verhandlungen und der Herausbildung von regelbasierter globaler Ordnung.
Die englischsprachige Monografie geht auf die Habilitationsschrift von Simone Wisotzki zurück, die von David Welch (Balsillie School of International Affairs, University of Waterloo/Canada) und Anja Jacobi (Technische Universität Braunschweig) sowie Jens Steffek und Markus Lederer (beide Technische Universität Darmstadt) begutachtet wurde. Die Habilitationsschrift ist das Ergebnis des Forschungsprojekts „Bedingungen gelingender Regelung im Spannungsfeld zwischen Humanitarismus und Souveränität“, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert hat.
Über diesen Link geht es zur Verlagswebsite: https://www.nomos-shop.de/de/p/the-justice-motive-in-multilateral-negotiations-gr-978-3-495-98844-2