Die Tötung sozialer Aktivist*innen ist eine besonders dramatische Form der gewaltsamen Repression gegen Umwelt- und Menschenrechts-Aktivist*innen, mit schwerwiegenden Folgen für die betroffenen soziale Bewegungen und Gemeinschaften. Im PRIF Report 01/2026 untersuchen Fenja Heinrichs, Christin Stühlen und Jonas Wolff, welche Rolle dem transnationalen Handel, global agierenden Unternehmen und politischen Akteuren wie Staaten und internationalen Organisationen bei der Verursachung der Tötung sozialer Aktivist*innen zukommt.
Während Berichte von NGOs häufig den internationalen Handel und multinationale Konzerne hervorheben, konzentriert sich die bestehende Forschung bei der Erklärung gezielter Morde an Aktivist*innen hauptsächlich auf die nationale Ebene sowie auf subnationale Dynamiken. Um diese Lücke zu schließen, werten Fenja Heinrichs, Christin Stühlen und Jonas Wolff die bestehende wissenschaftliche Studien und Berichte aus. Auf Basis wissenschaftlicher Studien und Policy Reports, Medienberichte und ergänzt durch quantitative Analysen sowie regionale Fallstudien, identifizieren sie eine Reihe konsistenter Muster:
Die ausgewerteten quantitativen Belege bestätigen die Rolle der globalen politischen Ökonomie bei der Gewalt gegen soziale Aktivist*innen. Besonders häufig treten solche Morde in ressourcen- und landintensive Sektoren auf. Indigene Gruppen und Aktivist*innen, die Landrechte verteidigen, sind darüber hinaus übermäßig von gezielter Verfolgung betroffen. Darüber hinaus zeigen die Daten, dass ein erheblicher Anteil der Tötungen Aktivist*innen betrifft, die Geschäftsinteressen und -praktiken in Frage stellen, einschließlich derer multinationaler Konzerne. Vier Fallstudien aus Kolumbien, Honduras, Indonesien und den Philippinen geben weitere Einblicke, wie genau externe Akteure diesen Gewalttaten beitragen: Während Unternehmen in einer begrenzten Anzahl symbolträchtiger Fälle auch direkt an der Finanzierung oder Beauftragung von Morden beteiligt sind, sind transnational tätige Konzerne in der Regel eher auf indirekte Weise in die Ermordung von Aktivist*innen verwickelt.
Die Forschung für diese Publikation erfolgte im Rahmen des Forschungsprojekts Gewalt gegen soziale Aktivist*innen: Ursachen, Muster und Transformationen. Das Projekt ist Teil des durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Forschungszentrum Transformations of Political Violence (TraCe).
Heinrichs, Fenja; Stühlen, Christin; Wolff, Jonas (2026): The Global Political Economy in Local Violence: Exploring the Role of Corporations, Trade and Loans in the Killings of Social Activists, PRIF Report, 1, Frankfurt/M . DOI: 10.48809/prifrep2601
ISBN: 978-3-911092-06-7
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