Mehr als 30 Jahre war Martin Kobler als Diplomat tätig – unter anderem als Leiter der weltweit größten UN-Friedensmission in der Demokratischen Republik Kongo, der politischen Missionen der UN in Irak und Libyen sowie als stellvertretender Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für die UN-Mission in Afghanistan.
Basierend auf diesen Erfahrungen teilte er im Rahmen eines Lunch Talks am PRIF seine Einschätzung zu aktuellen Herausforderungen für die Vereinten Nationen (UN) und den Perspektiven im Rahmen der Reform-Iniative UN80. Organisiert und moderiert wurde die Diskussion durch die PRIF-Forschungsgruppe „United Nations Peacekeeping and Conflict Management“ (UNPAC).
In seinem Vortrag forderte Marin Kobler eine weitsichtig denkende UN und betonte angesichts aktueller Herausforderungen die Handlungsmacht und -spielräume von Führungsfiguren innerhalb der UN. Außerdem forderte er, die Rolle von Mitgliedstaaten aus dem Globalen Süden in der UN zu stärken.
In der anschließenden Diskussion stellten die PRIF-Mitarbeiter*innen Fragen und ordneten Koblers Einblicke in die Praxis der Diplomatie vor dem Hintergrund akademischer Debatten ein. Xinyu Yuan, Leiterin der UNPAC Forschungsgruppe, betonte abschließend den Mehrwert des Austauschs mit Praktiker*innen für die Wissenschaft.
Zu Martin Kobler
Martin Kobler war bis 2019 im Auswärtigen Dienst für Deutschland und die UN tätig – heute engagiert er sich unter anderem in der Initiative „Diplomats without Borders“. Außerdem ist er Autor des Buchs „Weltenbeben“, in dem er sich mit der Rolle Europas in einem Zeitalter beschäftigt, in dem die vermeintlich ‚Stärkeren‘ wieder das Sagen haben. Er wurde im November 2025 für sein Engagement für die Prinzipien der UN von der DGVN mit der Dag-Hammarskjöld-Ehrenmedaille ausgezeichnet. Seit 2020 ist er Mitglied im PRIF-Stiftungsrat.
Zu UNPAC
Die Forschungsgruppe „United Nations Peacekeeping and Conflict Management” (UNPAC) untersucht Maßnahmen und Unterlassungen der Vereinten Nationen als Reaktion auf Konflikte. Die Gruppe konzentriert sich darauf, wie die UN durch verschiedene Arten von Maßnahmen Einfluss und Macht ausübt und wie sie dabei auf Herausforderungen hinsichtlich ihrer institutionellen Glaubwürdigkeit reagiert.