Friedens- und Konfliktforschung im Lichte aktueller Herausforderungen

The Sculpture 'Body of Knowledge' at GU's Campus Westend.

Aktuelle PRIF-Lehrveranstaltungen im Rahmen der Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und dem Masterstudiengang „Internationale Studien / Friedens- und Konfliktforschung“ (ISFK)

Im Zentrum des inter­disziplinär angelegten Master­studiengangs “Inter­nationale Studien/Friedens-­ und Konflikt­forschung” (MA ISFK) stehen Fragen der Konflikt­lösung, Friedens­sicherung und Ordnungs­bildung, der Analyse inter­nationaler Institutionen, sowie der öko­logisch und sozial nach­haltigen Ent­wicklung. Der Studien­gang wird gemeinsam von der Goethe-­Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt unter Betei­ligung des PRIF angeboten. Im Rahmen dieser Ko­operation ist das PRIF im laufenden Winter­semester mit folgenden Lehr­veranstaltungen an der Goethe-Universität vertreten:

Seminar: „Grund­begriffe der Friedens- und Konflikt­forschung“ 

Die Friedens- und Konflikt­forschung definiert sich über ihren Gegen­stand: Konflikte und Frieden. Aber was meinen wir damit? Welche Formen von Konflikten gibt es? Unter welchen Bedingungen sind Konflikte produktiv? Ist Gewalt notwendiger­weise physisch? Und was heißt es eigent­lich, wenn Frieden mehr sein soll als die Ab­wesenheit von Krieg? Unter der Leitung von Sophia Birchinger beschäf­tigen sich die Studierenden mit vier Grund­begriffen, die für die Friedens-­ und Konflikt­forschung zentral sind: Konflikt – Gewalt – Krieg – und Frieden. Darüber hinaus setzen sich die Teil­nehmenden unter Rück­griff auf de- und post­koloniale Analysen kritisch mit Fragen der Wissens­produktion und der Entstehungs­geschichte dieser Begriffe aus­einander. Neben der gemein­samen Lektüre und Diskussion zentraler Texte analysieren die Studierenden mithilfe der vier Grund­begriffe aktuelle und historische Konflikt­situationen, Gewalt­geschehen, kriegerische Auseinander­setzungen und Friedens­prozesse.

Seminar: „Ent­flechtung statt Globalisierung - kluge Strategie oder Gefahr für den Frieden?“ 

Immer öfter setzen mächtige Staaten wie die USA auf Ab­grenzung und Ent­flechtung statt auf eine globalisierte Welt. Was bedeutet dieser Trend hin zu Zöllen, strategischer Ent­flechtung von Handels­beziehungen und Austritten aus inter­nationalen Verein­barungen für die Zusammenarbeit und den Frieden zwischen Staaten? Im Kurs von Dirk Peters lernen die Studierenden verschiedene Typen und Instrumente der Ent­flechtung kennen. Vor dem Hinter­grund theoretischer Debatten über den Zusammen­hang zwischen Inter­dependenz und Frieden werden außerdem die möglichen Folgen der gegen­wärtigen Entflechtung diskutiert – sowohl anhand historischer Fallbeispiele, als auch im Hinblick auf gegenwärtige Heraus­forderungen, etwa in den US-chinesischen Handels­beziehungen, beim Brexit, bei Umwäl­zungen im Energie­sektor und mit Blick auf die Rolle des Globalen Südens in den neuen globalen Dynamiken. 

Seminar: „Internationale Normen gegen Massen­vernichtungs­waffen: Compliance, Verifikation und aktuelle Herausforderungen“ 

Am PRIF forscht Veronika Klymová zur Ein­haltung und Durch­setzung der inter­nationalen Normen gegen chemische und biologische Waffen. In ihrem Master-Seminar steht die Frage im Zentrum, warum und unter welchen Bedingungen Staaten sich an solche Normen halten. Neben der Ein­führung in die Inter­nationalen Normen gegen die Verbreitung und den Einsatz von Massen­vernichtungs­waffen betrachtet der Kurs theoretische Schlüssel­perspektiven zur Entstehung und Entwicklung dieser Normen, sowie Mechanis­men zur Überprüfung ihrer Einhaltung und diskutiert sie anhand von Fallbeispielen wie Irans Atom­programm oder dem Einsatz von chemischen Waffen in Syrien. 

Seminar: „Friedens­sicherung durch afrikanische Regional­organisationen“ 

In der aktuellen Krise der Friedens­sicherung durch die UN werden afrikanische Regional­organisationen häufig als Alternativen und mögliche Hoffnungs­anker gehandelt. Vor dem Hinter­grund beschäftigt sich das Seminar von Antonia Witt mit der Ent­wicklung und Leistungs­fähigkeit afrikanischer Regional­organisationen als Akteure der Friedens­sicherung sowie mit ihren globalen Ver­flechtungen. Dabei lernen die Teil­nehmenden unterschiedliche theoretische Zugänge kennen und bearbeiten Fallbeispiele zu verschiedenen Regional­organisationen und Konflikt­situationen. Außerdem beschäftigt sich der Kurs unter Rückgriff auf de­koloniale Ansätze kritisch mit Fragen der Wissens­produktion über afrikanische Regional­organisationen und Friedens­sicherung auf dem Kontinent. 

Seminar: „Abschreckung. Logik und Unlogik einer sicherheits­politischen Doktrin“ 

Mit Russlands Angriff auf die Ukraine ist Ab­schreckung wieder zu einem zentralen Begriff in sicherheits­politischen Debatten geworden. Doch welche Rolle kann und sollte (nukleare) Abschreckung bei der Bewältigung aktueller Bedrohungs­szenarien spielen? Die klassische Abschreckungs­theorie, die im Zusammen­hang mit der Entwicklung von Nuklear­waffen entstand, ist in die Jahre gekommen: Theorie und Praxis der Ab­schreckung stehen heute vor völlig neuen Herausforderungen der Sicherheits­politik. Um die Rolle (nuklearer) Ab­schreckung im Lichte der gegen­wärtigen Situation zu verstehen, re­konstruiert das Seminar von Christopher Daase die Entwicklung der nuklearen (aber auch konventionellen) Abschreckungs­theorie. Darauf basierend reflektiert der Kurs praktische und normative Implikationen und analysiert historische sowie aktuelle Strategien der Abschreckung.

Weiterhin bietet Christopher Daase im Winter­semester 2025-2026 ein Abschluss­kolloquium an der Goethe-­Universität an, in dem Studierende des ISFK-­Studiengangs ihre Abschluss­arbeiten und Disser­tationen präsentieren und diskutieren können. 

Mehr Informationen zu den Kursen und zu den Teilnahme­bedingungen sind im Vorlesungs­verzeichnis der Goethe-­Universität einzusehen.