Durchwachsene Bilanz schwarz-roter Rüstungsexportpolitik

Simone Wisotzki

Simone Wisotzki diskutiert auf dem Katholikentag 2026

Am 15. Mai nahm PRIF-Vorstands­mitglied Simone Wisotzki im Rahmen des Katholiken­tags 2026 in Würz­burg an einer Podiums­diskussion zum Thema Rüstungs­exporte teil. Auf der von der Initiative pax christi unter dem Titel „Deutsche Waffen in alle Welt? Erste Bilanz der Rüstungs­export­politik unter Kanzler Merz“ organisierten Veranstaltung diskutierte sie gemein­sam mit Ralf Stegner (MdB/SPD) und Niklas Wagener (MdB/Bündnis 90/Die Grünen) die Rüstungs­export­politik der Bundes­regierung und europäische Perspek­tiven. Karl Heinz Wiest (Rüstungs­export­kommission von pax christi – Deutsche Sektion) moderierte das Gespräch.

In ihrem Eingangs­statement ging Simone Wisotzki zunächst auf den politischen Wandel in Deutsch­land von den Bemühungen um ein Rüstungs­export­kontroll­gesetz (REKG) zu einer strategischen Neu­ausrichtung ein. Vor dem Hinter­grund einer seit dem russischen Angriff auf die Ukraine intensivierten weltweiten Auf­rüstung, dem enormen Aufwuchs der deutschen Rüstungs­industrie und dem Interesse an strategischen Allianzen orientiere sich die schwarz-rote Koalition sowohl an außen- und sicherheits­politischen als auch wirtschafts­politischen Erwägungen. Dement­sprechend sei ein Abbau von Hinder­nissen in der Genehmigung zur Lieferung von Kriegs­waffen und sonstigen Rüstungs­gütern zu beobachten. 

Die deutsche Rüstungs­exportpolitik hat einen Perspektiven­wechsel erlebt und ist strategischer Teil der deutschen Außen- und Sicherheits­politik geworden. Die Politik des „Beschaffens um zu exportieren“ werde zu einem Anstieg der Rüstungs­exporte an problematische Dritt­staaten führen. Anstatt stärker in Form von europäischen Rüstungs­kooperationen zu operieren, zeigt sich die europäische Verteidigungs- und Rüstungs­politik weiterhin aufgrund nationaler Souveränitäts­bedenken und Wirtschafts­protektion stark fragmentiert. Das politische Handeln der Bundes­regierung zementiere diesen Status auf EU-Ebene weiter, kritisierte Wisotzki: Kaum noch bemühe sich die Regierung um eine dringend benötigte restrik­tive und konzertierte Rüstungs­export­politik.

Simone Wisotzki forscht im Programm­bereich Inter­nationale Sicherheit am PRIF. Dort leitet sie die Projekte „Perspek­tiven der Rüstungskontrolle“, „Wider­stände und Rück­schritte in der Realisierung von gender­sensiblen Menschenrechten im Peace­building“ und „Wirkungs­analyse der Feministischen Außen­politik Deutschlands im Bereich der Rüstungs­kontrolle“. Sie ist außerdem Mitglied der GKKE-Fachgruppe Rüstungs­exporte. Mehr zu ihrer Analyse der deutschen Rüstungs­politik im Nach­gang der „Zeiten­wende“ können Sie unter anderem auf dem PRIF Blog lesen.