Israeli Turkish Relations at the End of the Cold War: The Geopolitics of Denying the Armenian Genocide

Neue Studie analysiert israelisch-türkische Beziehungen während des Kalten Kriegs

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel haben sich seit 2023 massiv verschlechtert. Der Historiker und Spezialist für Inter­nationale Beziehungen Eldad Ben Aharon schlägt eine Brücke zur Krise der israelisch-türkischen Beziehungen in den 1980er Jahren. Er analysiert deren Bewältigung im regionalen und inter­nationalen Rahmen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Leugnung des Völker­mords an den Armeniern eine zentrale Rolle spielt. Der Forscher ist seit 2020 am PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung tätig.  

Mit seiner Publikation „Israeli Turkish Relations at the End of the Cold War: The Geopolitics of Denying the Armenian Genocide“ legt Eldad Ben Aharon die erste umfassende Untersuchung der israelisch-türkischen Beziehungen in den 1980er Jahren vor. Anhand von Archiv­material und Interviews analysiert er die israelische Außen­politik, die trotz der diplomatischen Krise nach Juli 1980 geheime Kontakte zur Türkei pflegte. Er zeichnet den Einfluss der türkischen Militär­führung und die besondere Rolle des türkischen Minister­präsidenten Turgut Özals bei der Normalisierung der Beziehungen nach. 

Ben Aharon untersucht das Verhältnis der beiden Länder anhand der wichtigsten regionalen Wende­punkte: darunter die islamische Revolution im Iran, das Jerusalem-Gesetz vom Juli 1980, der Militärputsch in der Türkei im September 1980 und der erste Libanonkrieg 1982. Er stellt diese regionalen Entwicklungen in einen Zusammen­hang mit der Bewerbung der Türkei um den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts­gemeinschaft 1987, der Außenpolitik der USA unter Ronald Reagan und den Anfängen des US-amerikanischen „Kriegs gegen den Terror“.   

Ben Aharons Auswertungen interner Debatten des diplomatischen Corps Israels legen die Dilemmata offen, die sich aus der türkischen Politik der Leugnung des Völker­mords an den Armeniern ergaben: Diese drohten die außen­politischen Prioritäten Israels in Washington und Brüssel zu untergraben. Der Autor zeigt darüber hinaus, wie sich in den 1980er Jahren die Grundzüge der internationalen Erinnerungs­politik formierten: Während der Holocaust zu einem globalen Maßstab für die Menschen­rechtsbildung und Verhinderung von Genoziden wurde, konnte der Völkermord an den Armeniern von der Türkei marginalisiert, angefochten und geleugnet werden. In der Folge dieser prägenden Jahre lehnten es die NATO-Verbündeten der Türkei lange Zeit ab, den Völker­mord an den Armeniern anzuerkennen. 

„Mein Buch zeigt nicht nur, wie die in den 1980er Jahren gelegten Grundlagen des Bündnisses die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei für die kommenden Jahrzehnte prägten. Es begründet auch, welchen nachhaltigen Einfluss die historische Konstellation auf den Aufstieg von Erdogan und Netanjahu hatte.“, führt Eldas Ben Aharon aus. Die Krisen von 1980 und 2023 folgten auffallend ähnlichen Mustern, auch wenn sie unter sehr unterschiedlichen Umständen entstanden seien, konstatiert Ben Aharon.  

Zur Auswahl des Coverbildes äußert der Autor: „Ich habe mich dafür entschieden, Turgut Özal, den türkischen Minister­präsidenten von 1983 bis 1989, auf dem Buchumschlag abzubilden. Seine Darstellung spiegelt nicht nur den ikonischen Stil der 1980er Jahre wider, sondern zeigt die zentrale Rolle bestimmter Personen bei der Gestaltung von Diplomatie und Staatskunst.“ 

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Über den Autor 
Eldad Ben Aharon ist Senior Researcher am PRIF und dort im Programm­bereich Glokale Verflechtungen tätig. Er leitet das von der Deutschen Forschungs­gemeinschaft geförderte Projekt „Jewish Foreign Policy and the Exodus of the Syrian Jews: Zionism, Migration, and the Diaspora (1948-1990)“. Zuvor war er Postdoc-Stipendiat des Irish Research Council für internationale Sicherheit an der Dublin City University und Minerva-Postdoc-Stipendiat am PRIF. 

Ben Aharon forscht u. a. zu nationaler Sicherheitspolitik und Geheimdiensten, Theorien der Sicherheit, Oral History und Überschneidungen von Sicherheits- und Erinnerungs­politik. Sein Spezialgebiet ist die israelische Außen­politik im Kontext regionaler Konflikt­dynamiken. Er publiziert in führenden akademischen Zeitschriften wie dem European Journal of International Security, Intelligence and National Security und dem British Journal of Middle Eastern Studies.  

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Über das Buch  
Israeli Turkish Relations at the End of the Cold War: The Geopolitics of Denying the Armenian Genocide“ ist Eldad Ben Aharons erste Monografie. Sie basiert auf seiner Dissertation, die er 2019 am Department of History der Royal Holloway, University of London, abgeschlossen hat. Das Buch ist am 30. November 2025 bei Edinburgh University Press erschienen. 

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Über das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung  
Das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung ist eines der führenden Friedensforschungs­institute in Europa. Es wurde 1970 als eine vom Land Hessen und Bund geförderte Stiftung öffentlichen Rechts gegründet. Ziel des Instituts ist es, die Ursachen internationaler und innerstaatlicher Konflikte zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Das Institut ist in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungs­verbünden aktiv. Seit 2009 ist das PRIF Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das PRIF verbindet interdisziplinäre Grundlagen­forschung mit dem Transfer von Wissen in Politik, Medien und Gesellschaft. https://www.prif.org/ | Blog: blog.prif.org 

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Pressekontakt 
Dr. Ursula Grünenwald 
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