Orte der Demokratie: Demokratische Erfahrungsräume stärken und dauerhaft verankern

Gemeinsames Forschungsprojekt „Orte der Demokratie" der Frankfurt UAS und des PRIF erfolgreich abgeschlossen

Frankfurt am Main, 31.08.2026: Begegnungs­orte wie Jugend­zentren, Biblio­theken, Nachbarschafts­projekte, Vereine oder Stadtteil­zentren spielen eine zentrale Rolle für gesellschaft­lichen Zusammen­halt und demokratische Teil­habe. Wie solche Orte gestaltet sein müssen, vor welchen Heraus­forderungen sie stehen und welche politischen Rahmen­bedingungen erforder­lich sind, um demokratische Begegnungen und Partizi­pation zu ermöglichen, hat das Forschungs­projekt „Orte der Demokratie“ untersucht. Nun liegt der Abschluss­bericht des inter­disziplinären Forschungs­netzwerks der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) und des PRIF vor. Das Projekt hat die Möglich­keiten und Grenzen demo­kratischer Erfahrungs­räume in lokalen Kontexten unter­sucht. Die Forscher*innen empfehlen, Demokratie­arbeit als Regel­aufgabe zu verstehen und lang­fristig zu fördern. Zugleich betonen sie, dass bestehende Demokratie­projekte, die Wissen zur Verfügung stellen und Vernetzungs­arbeit leisten, nicht eingespart werden dürfen. Das Projekt wurde durch das Programm „Stärkung der Demokratie­forschung Hessen“ des Hessischen Ministeriums für Wissen­schaft und Forschung, Kunst und Kultur gefördert. 

Wissenschafts­minister Timon Gremmels betont: „Eine lebendige Demo­kratie braucht Orte, an denen Menschen zusammen­kommen und erleben, dass ihre Stimme zählt. Demokratie­forschung untersucht, was unsere Demo­kratie im Alltag stärkt, wo Heraus­forderungen liegen und welche Rahmen­bedingungen es braucht, damit demo­kratische Teil­habe gelingen kann. Das Forschungs­programm ‚Stärkung der Demokratie­forschung Hessen‘ schafft dafür wichtige wissen­schaft­liche Grundlagen und bringt Forschung und Praxis zusammen. Die Ergeb­nisse von ‚Orte der Demo­kratie‘ zeigen eindrucks­voll, wie wichtig verläss­liche Strukturen und Räume für demo­kratische Erfahrungen sind. Damit liefert die Forschung konkrete Impulse für Politik und Gesell­schaft und leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie.“

Ausgangspunkt der Unter­suchung war die Beobachtung, dass Demokratie nicht allein als Staats- oder Regierungs­form verstanden werden kann. „Demo­kratie entsteht vielmehr dort, wo Menschen im Alltag zusammen­kommen, Interessen aushandeln, Entscheidungen treffen und Erfahrungen von Selbst­wirksam­keit machen. Solche Prozesse finden an konkreten Orten statt, geraten jedoch zunehmend unter Druck“, so Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl, Professor für Recht der Sozialen Arbeit mit dem Schwer­punkt Demo­kratie, Partizipation und Rechts­staatlich­keit an der Frankfurt UAS.

„Die Studie zeigt, dass demo­kratische Teil­habe eng mit sozialer Infra­struktur verbunden ist. Orte der Begegnung und Mit­bestimmung entstehen nicht von selbst, sondern benötigen verläss­liche finanzielle und personelle Rahmen­bedingungen. Demokratie­arbeit sollte deshalb als gesellschaft­liche Dauer­aufgabe verstanden und nach­haltig in den Regel­strukturen von Bildung, Sozialer Arbeit und kommunaler Infra­struktur verankert werden“, so Dr. Larissa-Diana Fuhrmann, assoziierte Forscherin am PRIF.

Strukturelle Herausforderungen im Fokus

Für die Untersuchung führte das Forschung­steam eine multi­methodische Studie mit Schwer­punkt auf Hessen und das Rhein-Main-Gebiet durch. Im Mittel­punkt standen Fokus­gruppen­gespräche und Expert*innen­interviews mit Fach­leuten aus Verbänden, Vereinen, Wissen­schaft, Politischer Bildung und Demokratie­förderung. Ergänzend fanden Gespräche mit Praktiker*innen aus der Sozialen Arbeit und zivil­gesellschaft­lichen Projekten statt, darunter das Haus für Demo­kratie und Vielfalt Hanau, das Offene Haus der Kulturen Fran­kfurt, der Gallus­garten sowie Jugend­zentren in Frank­furt am Main. Die Forschungs­ergebnisse wurden zudem im Rahmen eines öffentlichen Fach­tags diskutiert und weiter­entwickelt.

Begleitend zum Forschungs­projekt wurde an der Frankfurt UAS ein Seminar im Bachelor­studiengang Soziale Arbeit durch­geführt, damit Lehre und Forschung wechsel­seitig profitieren. Studierende beschäftigten sich darin mit den theoretischen Grund­lagen des Projekts und unter­suchten selbst Orte der Demo­kratie im Rhein-Main-Gebiet. 

Sichere Finanzierung und dauerhafte Etablierung erforderlich

„Die Unter­suchung macht deut­lich, dass vor Ort ein großes Potenzial für demokratische Erfahrungen besteht. Gleich­zeitig machen unsere Gespräche erhebliche strukturelle Heraus­forderungen sichtbar. Viele Projekte arbeiten unter prekären Finanzierungs­bedingungen, sind von befristeten Förder­programmen abhängig und verfügen nicht über die Ressourcen, lang­fristige demo­kratische Orte und Beziehungen auf­zu­bauen“, sagt Dr. habil. Daniel Mullis, assoziierter Forscher am PRIF. Besonders hervor­zu­heben ist die Bedeutung dauer­haft verfüg­barer Räume der Begegnung sowie professioneller fach­licher Begleitung, um demokratische Beteiligungs­prozesse zu ermöglichen und Macht­ungleich­gewichte auszugleichen. 

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Forderung, Demokratie­arbeit stärker als gesellschaft­liche Dauer­aufgabe zu verstehen. „Ein eigenes hessisches Demokratie­förder­gesetz ist dafür unerlässlich“, so Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl von der FRAU-UAS. Die Forschenden plädieren dafür, demokratische Bildungs- und Beteiligungs­arbeit nicht ausschließ­lich über zeitlich begrenzte Projekte zu organisieren, sondern sie dauer­haft in die Regel­strukturen von Sozialer Arbeit, Bildung und kommunaler Infra­struktur einzubinden und gleich­zeitig bestehende Demokratie­projekte mit diesen Strukturen zu verzahnen. Darüber hinaus empfehlen sie, konkrete Orte der Demo­kratie lang­fristig zu fördern, demo­kratische Mit­bestimmung zu stärken und Demokratie­arbeit enger mit sozial­politischen Ansätzen zu verknüpfen. Die Ergeb­nisse liefern wichtige Impulse für Wissen­schaft, Politik und Praxis, um demo­kratische Orte lang­fristig zu sichern und weiter­zu­entwickeln.

Der Abschlussbericht von „Orte der Demokratie“ steht hier zum Download bereit.


Pressekontakt

Frankfurt University of Applied Sciences, Fach­bereich 4: Soziale Arbeit und Gesund­heit
Prof. Dr. Dr. Maximilian Pichl
Telefon: +49 69 1533-2831
E-Mail: maximilian.pichl(at)fra-uas.de

PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konflikt­forschung
Dr. Ursula Grünen­wald, Referentin Presse- und Öffentlich­keitsarbeit
Telefon: +49 69 959104-13
E-Mail: presse(at)prif.org 

Pressemitteilung zum Download (PDF, nicht barriere­frei)


Das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konflikt­forschung
Das PRIF – Leibniz-Institut für Friedens- und Konflikt­forschung ist eines der führenden Friedens­forschungsinstitute in Europa. Es wurde 1970 als eine vom Land Hessen und Bund geförderte Stiftung öffent­lichen Rechts gegründet. Ziel des Instituts ist es, die Ursachen inter­nationaler und inner­staatlicher Konflikte zu analysieren und Lösungen zu ent­wickeln. Das Institut ist in zahl­reichen nationalen und inter­nationalen Forschungs­verbünden aktiv. Seit 2009 ist das PRIF Mitglied der Leibniz-Gemein­schaft. Das PRIF verbindet interdisziplinäre Grundlagen­forschung mit dem Transfer von Wissen in Politik, Medien und Gesell­schaft.

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