Mit tiefer Trauer haben wir vom Tod unseres Kollegen Santiago López Álvarez am 7. Oktober 2025 erfahren. Seine intellektuelle Neugier und sein unerschütterliches Engagement für den Frieden haben unsere Gemeinschaft nachhaltig geprägt. Santiago arbeitete eng mit uns im Forschungsprojekt „Kollektive Rekorporation und lokaler Friedensaufbau in Kolumbien“ zusammen. Bei der Entstehung der Studie trug er entscheidend zum quantitativen Forschungsdesign und zu der analytischen Struktur bei und bereicherte mit seinen scharfsinnigen methodologischen Betrachtungen jede Etappe unserer Arbeit.
Santiago nimmt, auch deshalb, den Platz des Erstautoren in einem gemeinsamen Artikel mit uns, Laura Barrios Sabogal und Jonas Wolff, ein. Die Arbeit unter dem Titel „Sharing community life after a civil war: Intergroup contact and social distance“ ist kürzlich in der Fachzeitschrift Conflict Management and Peace veröffentlicht worden und frei zugänglich. Seiner nachlassenden Gesundheit zum Trotz hat Santiago bis zur redaktionellen Zustimmung unermüdlich an dem Artikel gearbeitet. Darin untersuchen wir, wie seit dem Friedensabkommen von 2016 und dem darauffolgenden Reintegrationsprozess soziale Kontakte die Distanz zwischen früheren FARC-EP-Kämpfer*innen und aufnehmenden Gemeinschaften verringern können. Betont werden dabei die Rolle inklusiver Governance, kooperativer Entwicklung und produktiver Projekte sowie die Bedeutung von Bildung, Sport und Kultur als entscheidende Formen der Kooperation zwischen verschiedenen Gruppen. Wir widmen diesen Artikel dem Andenken an Santiago.
Als Gastwissenschaftler verbrachte Santiago eine kurze, aber wichtige Zeit am PRIF, während der er zu einem geschätzten Mitglied unseres Teams wurde. Mit PRIF, TraCe, und dem Instituto CAPAZ konnten wir eine Reihe kurzer Policy Briefs veröffentlichen, die Perspektiven lokaler Gemeinschaften auf den Reintegrationsprozess in Kolumbien reflektieren.
Wir erinnern uns an Santiago nicht nur als Wissenschaftler, sondern an seine Bescheidenheit, Herzlichkeit und die stille Stärke, mit der er sich den Herausforderungen des Lebens stellte. Seine Arbeit wird uns weiterhin begleiten und sein Verlust hinterlässt eine große Lücke in unserer akademischen Gemeinschaft wie auch in den Herzen derer, die das Privileg hatten, mit ihm arbeiten zu dürfen.
In Dankbarkeit und großer Anerkennung
Laura Barrios Sabogal & Jonas Wolff