Künstliche Intelligenz (KI) und weitere neue Technologien entwickeln sich im militärischen Bereich zu einem wichtigen Faktor moderner Kriegsführung, wie es beispielsweise bereits in der Ukraine zu sehen ist. Diesem Thema widmet sich das dritte Kapitel des kürzlich erschienenen Friedensgutachtens, das jährlich von den vier deutschen Friedens- und Konfliktforschungsinstituten PRIF, bicc, INEF und IFSH herausgegeben wird. PRIF, die Frankfurter Rundschau und die Katholische Akademie Rabanus Maurus veranstalteten aus diesem Anlass am 11. Juni im Frankfurter Haus am Dom eine Diskussionsrunde. Auf dem Podium saßen Özlem Alev Demirel, Linke-Politikerin und Mitglied im Europäischen Parlament, Helene Pleil, Senior Policy Researcher zu den Themen Cybersicherheit und neue Bedrohungen beim Thinktank interface, und Niklas Schörnig, Senior Researcher am PRIF und Leiter der Forschungsgruppe „Emerging Disruptive Technologies“, die im Verbundprojekt CNTR angesiedelt ist. Andreas Schwarzkopf, Leiter des Ressorts Meinung der Frankfurter Rundschau, moderierte die Podiumsdiskussion.
Zu Beginn erklärten die Podiumsteilnehmenden den Umfang, in dem KI in Militär und Kriegsführung eingesetzt wird. So optimiert sie nicht nur die Trainings der Bundeswehr, sondern wird auch bei Spionage- und Desinformationsoperationen unterstützend verwendet. Zudem spielt sie in aktiven Kampfhandlungen bei Zielauswahl und Entscheidungsfindung eine Rolle. Pleil illustrierte das Spannungsfeld: Einerseits kann KI Sicherheit bieten, indem sie hilft, Schwachstellen der eigenen Verteidigung zu beheben; andererseits tun sich durch sie neue Unsicherheiten und Gefahren für die Zivilbevölkerung auf, da Gegenspieler ebenfalls KI-Anwendungen nutzen. In den anhaltenden Kriegen ist beispielsweise eine hohe Zahl ziviler Opfer zu verzeichnen.
Hinsichtlich der Gefahren, die KI-Technologien bergen, waren sich die Podiumsteilnehmenden einig: Das beschleunigte Tempo durch den Einsatz von KI ist gefährlich. Schörnig erklärte, dass man sich besonders in Konflikten Zeit nehmen sollte, die nächsten Schritte zu überdenken. Da KI die Prozesse enorm beschleunigt, bleibt weniger Zeit für Diplomatie. Zusätzlich machten sowohl Pleil als auch Demirel auf die globale Asymmetrie der KI-Nutzung aufmerksam. Während wirtschaftlich starke Staaten Zugriff auf neue Technologien haben, sehen sich ärmere Länder im Nachteil.
Daraus ergab sich das letzte Unterthema der Diskussion: Wie können die Gefahren eingedämmt werden, die von neuen Technologien ausgehen? Die Podiumsteilnehmenden stimmten darin überein, dass eine Selbstverpflichtung der Staaten zu einer verantwortungsvollen Nutzung von KI effektiver sein könnte als der Versuch einer globalen Regulierung. Für ein friedvolleres Miteinander wären Kontroll- und Abrüstungsverträge jedoch notwendig, die auf gegenseitigem Vertrauen und Dialog basieren.
Zur Aufzeichnung der Podiumsdiskussion auf YouTube: Neue Technologien, neue Realitäten der Sicherheit?
Zum PRIF talk mit Niklas Schörnig: https://blog.prif.org/2025/12/18/prif-talk-015-ki-krieg-und-kontrolle/