Wie KI und Co. Militär und Kriegsführung verändern

Helene Pleil, Niklas Schörnig und Özlem Alev Demirel auf dem Podium

Podiumsdiskussion mit Özlem Alev Demirel, Helene Pleil und Dr. Niklas Schörnig

Künst­liche Intelli­genz (KI) und weitere neue Techno­logien entwickeln sich im mili­tärischen Bereich zu einem wichtigen Faktor moderner Kriegs­führung, wie es beispiels­weise bereits in der Ukraine zu sehen ist. Diesem Thema widmet sich das dritte Kapitel des kürzlich erschienenen Friedens­gutachtens, das jährlich von den vier deutschen Friedens- und Konflik­tforschungs­instituten PRIF, bicc, INEF und IFSH heraus­gegeben wird. PRIF, die Frank­furter Rund­schau und die Katho­lische Aka­demie Rabanus Maurus ver­anstalteten aus diesem An­lass am 11. Juni im Frank­furter Haus am Dom eine Diskussions­runde. Auf dem Podium saßen Özlem Alev Demirel, Linke-Politikerin und Mit­glied im Euro­päischen Parla­ment, Helene Pleil, Senior Policy Re­searcher zu den Themen Cyber­sicherheit und neue Bedroh­ungen beim Think­tank inter­face, und Niklas Schörnig, Senior Researcher am PRIF und Leiter der Forschungs­gruppe „Emer­ging Dis­ruptive Techno­logies“, die im Verbund­projekt CNTR an­gesiedelt ist. Andreas Schwarzkopf, Leiter des Ressorts Meinung der Frank­furter Rund­schau, moderierte die Podiums­diskussion. 

Zu Beginn erklärten die Podiums­teilnehmenden den Umfang, in dem KI in Militär und Kriegs­führung ein­gesetzt wird. So optimiert sie nicht nur die Trainings der Bundes­wehr, sondern wird auch bei Spionage- und Des­informations­operationen unter­stützend ver­wendet. Zudem spielt sie in aktiven Kampf­handlungen bei Ziel­auswahl und Entscheidungs­findung eine Rolle. Pleil illustrierte das Spannungs­feld: Einerseits kann KI Sicher­heit bieten, indem sie hilft, Schwach­stellen der eigenen Verteidi­gung zu beheben; andererseits tun sich durch sie neue Unsicher­heiten und Gefahren für die Zivil­bevölkerung auf, da Gegen­spieler ebenfalls KI-Anwen­dungen nutzen. In den an­haltenden Kriegen ist beispiels­weise eine hohe Zahl ziviler Opfer zu ver­zeichnen.  

Hinsicht­lich der Gefahren, die KI-Techno­logien bergen, waren sich die Podiums­teilnehmenden einig: Das beschleunigte Tempo durch den Einsatz von KI ist gefährlich. Schörnig erklärte, dass man sich besonders in Konflikten Zeit nehmen sollte, die nächsten Schritte zu über­denken. Da KI die Prozesse enorm be­schleunigt, bleibt weniger Zeit für Diplo­matie. Zusätzlich machten sowohl Pleil als auch Demirel auf die globale Asym­metrie der KI-Nutzung aufmerksam. Während wirtschaft­lich starke Staaten Zugriff auf neue Techno­logien haben, sehen sich ärmere Länder im Nach­teil.  

Daraus ergab sich das letzte Unter­thema der Diskus­sion: Wie können die Gefahren einge­dämmt werden, die von neuen Techno­logien aus­gehen? Die Podiums­teilnehmenden stimmten darin überein, dass eine Selbst­verpflichtung der Staaten zu einer verantwortungs­vollen Nutzung von KI effektiver sein könnte als der Versuch einer globalen Regu­lierung. Für ein fried­volleres Miteinander wären Kontroll- und Abrüstungs­verträge jedoch not­wendig, die auf gegen­seitigem Vertrauen und Dialog basieren.  

Zur Auf­zeichnung der Podiums­diskussion auf YouTube: Neue Technologien, neue Realitäten der Sicherheit? 

Zum PRIF talk mit Niklas Schörnig: https://blog.prif.org/2025/12/18/prif-talk-015-ki-krieg-und-kontrolle/