(Un)Sicherheit in der Zukunft durch Reformen im Sicherheitssektor

National Assembly von außen

Neues Working Paper von Sophia Birchinger und Adrian Barchet

Die Reform des Sicherheitssektors (SSR) stellt ein zentrales Element bei der Neugestaltung der Beziehungen zwischen Staat und Gesellschaft nach einem Konflikt oder einer Phase autoritärer Herrschaft dar. Obwohl die SSR als Instrument der Friedenskonsolidierung und Demokratisierung mittlerweile Aspekte menschlicher Sicherheit als Erweiterung zu traditionellen Sicherheitsverständnissen integriert hat, bleibt das Kernziel, nämlich die Schaffung eines Sicherheitssektors, der auf Transparenz und Rechenschaftspflicht basiert, nach wie vor auf liberalen Idealen begründet.

In ihrem Working Paper untersuchen Sophia Birchinger und Adrian Barchet anhand des gambischen SSR-Prozesses nach 2016, wie Transparenz hergestellt wird und was verborgen bleibt.

So argumentiert das Working Paper, dass das Bestreben, Transparenz zu erlangen, zu zwei Missverständnissen führt. Einerseits wird seitens der Researcher eine Zunahme von Dokumenten, beteiligten Akteuren und Aktivitäten beobachtet, die eine „Als-ob“-Vision der Reform konstruieren und eine gesellschaftliche Debatte über die wünschenswerten Ziele ersticken. Andererseits verdeutlichen sie, dass durch diese Als-ob“-Vorstellung die Reform als linearer, technischer Prozess dargestellt wird, wodurch der Reformprozess entpolitisiert und die Umsetzung Expert*innen überlassen wird.

Das Paper kommt zu dem Schluss, dass die beschriebene Transparenz als Lippenbekenntnis zu einer von externen Sicherheitsvorstellungen geprägten, idealisierten Sicherheitszukunft fungiert. Infolgedessen erscheint der SSR-Prozess für die breite Öffentlichkeit verborgen und unanfechtbar.

Über den Co-Autor:

Adrian Barchet ist Sozial- und Geisteswissenschaftler mit einem interdisziplinären Hintergrund in Afrikastudien sowie Governance- und Public-Policy-Forschung. Zu seinen akademischen Interessen gehören die kritische Entwicklungs- und Wachstumsforschung, die politische Ökonomie, die anthropologische Infrastrukturforschung sowie die Friedens- und Konfliktforschung, mit einem theoretischen Schwerpunkt auf Theorien des Südens. Derzeit bereitet er an der Universität Leipzig ein Promotionsvorhaben zu einer ethnografischen Studie zu Wasserkraftinfrastrukturen in Äthiopien vor.

Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar.