Auf Einladung von Simone Wisotzki stellte Susanne Zwingel, Professorin für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Florida International University, den Sammelband „Feminist Responses to Crises and Dehumanization: Transnational Scholar-Activist Perspectives“ am PRIF vor. In dem Buch, das sie zusammen mit Brianna N. Hernandez und Luisa Turbino Torres herausgegeben hat, bringt sie Beiträge von feministischen und queeren Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen aus verschiedenen Regionen der Welt zusammen, die sich mit gegenwärtigen Krisen befassen, Neuinterpretationen dieser Krisen anbieten und Strategien des Widerstands entwickeln.
Ein Schwerpunkt des Lunch Talks lag auf dem Verhältnis von Forschung und Aktivismus. Vor allem ging es um den Umgang mit den multiplen Rollen, in denen sich Feminist*innen als Forschende, Aktivist*innen und politischen Praktiker*innen wiederfinden. Zwingel hob hervor, dass die Wahrnehmung und Gestaltung dieses „scholar-activism“ stark vom regionalen und gesellschaftlichen Kontext abhängen: Während die Verbindung dieser Rollen in der westlich geprägten Wissenschaftskultur häufig als konflikthaftes Spannungsfeld betrachtet werden, betonte sie, dass diese – besonders unter Feminist*innen in Ländern des Globalen Südens – als „Brücken“ zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen dienen.
In der anschließenden Diskussion ging es außerdem um die Fragen, warum die enge Verknüpfung von Wissenschaft und Aktivismus in feministischer Forschung weit verbreitet ist, wie mit bestehenden Hierarchien zwischen akademischer und nicht-akademischer Wissensproduktion umgegangen werden sollte, wie feministische Aktivist*innen in Zeiten eines antifeministischen Backlashs geschützt werden können, und mit welchen Strategien feministisches Wissen und Aktivismus auch in nicht-feministischen Räumen Gehör finden kann.
Ausgehend von ihrer staatlichen Universität in Florida schilderte Zwingel, wie sich der antifeministische Backlash auf US-amerikanische Hochschulen und ihre Arbeit auswirkt – und warum sie gerade jetzt Hoffnung für ein zentrales feministisches Prinzip hält.
Über Susanne Zwingel
Prof. Dr. Susanne Zwingel ist Professorin für Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen an der Florida International University, USA. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen internationale Normen zu Frauenrechten und deren Umsetzung; öffentliche Gleichstellungspolitik und das Eintreten für die Gleichstellung der Geschlechter weltweit; globale Governance und Gender; feministische, konstruktivistische und postkoloniale Theorien der Internationalen Beziehungen; Gender und bewaffnete Konflikte sowie interpretativistische Methodik.
Über die Cross-Cutting Research Area Gender, Diversity, and Conflict
Die Cross-Cuting Research Area „Gender, Diversity and Conflict“ ist einer von fünf übergreifenden Themenbereichen, zu denen Wissenschaftler*innen aus allen Programmbereichen zu übergreifenden Themen zusammenarbeiten. Unter Federführung von Simone Wisotzki bringen sie ihre verschiedenen Perspektiven auf die Rolle von Intersektionalität, geschlechtsspezifischer Gewalt und Menschenrechten im Kontext der Friedens- und Konfliktforschung ein – etwa im Rahmen der Reihe „Feministische Friedensforschung“ auf PRIF Blog.