Strategische Vorausschau in unsicheren Zeiten

Antonia Witt auf CCEW-Symposium in Berlin

Inter­nationale Expert*innen aus Forschung, Think Tanks und einschlägigen Ministerien diskutierten im Oktober zwei Tage lang über Grenzen und Heraus­forderungen der Konflikt­früh­warnung, Vorher­sage und Vor­ausschau. Wie werden sich Krisen­früh­warnungs­systeme weiter­entwickeln in Zeiten von zwischen­staatlichen Konflikten, Geo­politik und hybriden Be­drohungen? Wie wirken sich der Einsatz von KI und Large Language Models aus? Welche neuen Ansätze und Methoden werden in der Vor­hersage von Konflikten und der strategischen Vor­aus­schau entwickelt? 

Sechs Panels und drei Seminare trugen zu einem inter­disziplinären Aus­tausch über diese ver­schiedenen Aspekte effektiver Früh­erkennung und Vor­aus­schau bei und ermöglichten Dis­kussionen zwischen Forschenden und Entscheider*innen. 

Antonia Witt ist in der Projekt­leitung von JOSHUA – KI basierte Szenarien­entwicklung, einem Forschungsprojekt am PRIF in Zusammen­arbeit mit den Lehrstühlen „Science and Tech­nology for Peace and Security“ und dem „Artificial Intelli­gence and Machine Learning (AIML) lab“ der TU Darm­stadt sowie dem Deutschen Forschungs­zentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Auf dem CCEW-Symposium leitete sie einen Workshop zu Möglich­keiten der KI-unterstützen Voraus­schau und Szenario-Entwicklung und stellte gemeinsam mit Dominik Hintersdorf und Marlon May (beide DFKI) die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsergebnisse des JOSHUA-Projekts vor. Das in JOSHUA entwickelte System nutzt Sprachmodelle und Agenten-basiertes Modelling, um Konflikt­dynamiken zu simulieren. Es ermöglicht so verschiedene „was-wäre-wenn“-Szenarien für zwischen- und innerstaatliche Konflikte interaktiv zu erkunden, Strategien zu testen und Eskalations- bzw. De-eskalations­dynamiken zu reflektieren. In ihrem Vortrag betonte Antonia Witt, dass künstliche Intelligenz in der strategischen Voraus­schau neben der Ver­arbeitung von großen Daten­mengen als „kreativer Partner“ genutzt werden kann, um den imaginativen Horizont für multiple Zukunftspfade zu erweitern. Gleichzeitig verlangt dies eine verantwortungsvolle, transdisziplinäre und transparente Ent­wicklung und Nutzung KI-basierter Systeme, in der die Inter­aktion von Mensch und Maschine stets kritisch und ethisch reflektiert wird. 

Das CCEW-Symposium wird jährlich vom Center for Intelligence and Security (CISS) an der Universität der Bundeswehr München organisiert und fand dieses Jahr an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik in Berlin statt. Es wird unterstützt vom Bundesministerium der Verteidigung und dem Auswärtigen Amt.