Im neuen PRIF Working Paper „Façades of Security Sector Reform in Guinea-Bissau: Simulating Norm Translation“ beschäftigt sich Christoph Kohl mit Reformbemühungen im Sicherheitssektor in Guinea-Bissau. Das Paper basiert auf Feldforschungen, die dort in den Jahren 2013 und 2014 durchgeführt wurden.
Rund zwei Jahrzehnte nachdem die internationale Staatengemeinschaft Guinea-Bissau zur Durchführung einer umfassenden Reform des Sicherheitssektors drängte, um den von autoritären Tendenzen, Einmischungen des Militärs in die Politik und Umsturzversuchen und Armut geprägten Kleinstaat zu stabilisieren, bleiben die vielfältigen Probleme in den Bereichen Sicherheitskräfte, Gesetzgebung und Justiz bestehen. Im Gegensatz zu den von internationalen Akteuren seinerzeit behaupteten Erfolgen, bewirkten die teils wenig koordinierten Reformanstrengungen das Gegenteil und trugen mitunter sogar zu einer weiteren Politisierung der Sicherheitskräfte und damit Destabilisierung bei.
Christoph Kohl argumentiert in seinem Working Paper, dass das weitgehende Scheitern der Reformen im Ausbleiben einer „echten“ Verankerung von Sicherheitssektornormen in den jeweiligen lokalen Kontexten zu suchen ist. Internationale Akteure begnügten sich vielfach mit einer Fassade, d. h. mit einer Simulation der Übersetzung von Normen in die lokalen Kontexte.
Als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Mitglied der Nachwuchsforschungsgruppe „Political Globalisation and its Cultural Dynamics“ am PRIF analysierte Dr. Christoph Kohl von 2012 bis 2016 internationale Bemühungen zur Reform des Sicherheitssektors in Guinea-Bissau, Westafrika. Seitdem verfolgt er dieses Thema als unabhängiger Forscher weiter.
Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar.