Re-Visions of History in Right-wing Populism and the Far Right. European and Global Perspectives

Fotografie von Händen, die einen auseinandergefalteten Flyer der Konferenz halten.

Foto: Stephan Röhl/Heinrich-Böll-Stiftung, 2025

Sabine Mannitz organisiert Jahreskonferenz des Leibniz-Forschungsverbunds „Wert der Vergangenheit“ mit

Vom 8. bis 10. September fand in Berlin die Jahres­konferenz 2025 des Leibniz-Forschungs­verbunds „Wert der Vergangen­heit“ statt. Sie befasste sich mit der Frage, wie rechts­populistische und rechts­extreme Parteien und Akteure versuchen, gesellschaft­lich etablierte und wissenschaft­lich fundierte Auffassungen von Geschichte in Frage zu stellen und die Vergangen­heit nach ihren eigenen Vor­stellungen neu zu inter­pretieren. Im Zusammen­spiel globaler und europä­ischer Perspek­tiven diskutierten die Teilnehmer*innen Leugnung, Verschleierung, Mythen­bildung, Revisionismus, strategisch eingesetzte Gegen­narrative, nationale Rechtfertigungs­muster und Narrative vergangener nationaler Größe und vermeintlich notwendiger Wieder­geburt als zentrale Komponenten rechter Geschichtsauf­fassungen.

Sabine Mannitz vom PRIF organisierte die Jahres­konferenz gemeinsam mit ihren Kolleg*innen des Forschungs­verbands. Am ersten Tag der Konferenz moderierte sie ein Panel zum Thema „Globale Perspek­tiven“, die sich mit rechts­populistischen Bewegungen und rechts­extremem Denken in den USA, Indien und Japan befasste. Richard Steigmann-Gall (Kent State University) eröffnete das Panel mit seinem Vortrag mit seinem Vortrag zur Frage des kollektiven Gedächtnisses und Faschismus in den Vereinigten Staaten. Er zeigte auf, dass der zeit­genössische Faschismus, ähnlich wie historische faschistische Regime, eine spezifisch konservative Wendung nimmt, wenn er versucht, Themen nationaler Größe wieder in den Mittel­punkt zu rücken – unter Verwendung von Kategorien wie Rasse, Religion, Geschlecht und Klasse.

Srirupa Roy (Universität Göttingen) setzte die Diskussion über die strategische Mobili­sierung von Geschichte fort. Ihr Beitrag über die hindu-nationalistische Rechte in Indien zeigte, wie Akteure überraschender­weise aus dem progressiven linken/liberalen politischen Repertoire Forderungen nach Ent­kolonialisierung und Anerkennung der universellen Werte der indischen Zivilisation übernehmen. David M. Malitz (Deutsches Institut für Japan­studien, Tokio) gab Einblicke in einen vergleichs­weise jungen Akteur: die japanische rechts­populistische „Do-It-Yourself-Partei“ (Sanseitō). Ausgehend von ihren historischen Narrativen und Identitäts­konzepten beschrieb er, warum rechts­populistische Narrative in Japan – anders als in Europa und Nord­amerika – lange Zeit relativ wenig Resonanz an den Wahl­urnen fanden, nun aber deutlich an Unter­stützung gewinnen.

Rund 80 Teilnehmer*innen diskutierten gemeinsam in den verschiedenen Formaten der Konferenz. Auch die öffentliche Abend­veranstaltung „Rechte Geschichts­mythen. Eine Herausforderung für Gesellschaft, Wissen­schaft und Politik“ war mit 350 Gästen (davon 120 per Live­stream) gut besucht.

Der Leibniz-Forschungs­verbund umfasst 21 Institutionen und zahl­reiche inter­nationale Partner­organisationen. Die Forschungen des Verbundes gehen von der Frage aus, welcher Wert der Vergangen­heit für Gesellschaften in Geschichte und Gegen­wart zugewiesen wird. Die beteiligten Institute unter­suchen in gemein­samen Projekten mit Bezug auf Deutsch­land, Europa und globale Dimen­sionen, wie durch Sprache, Medialität und Digi­talität historische Evidenz geprägt wird. PRIF wird vertreten von Sabine Mannitz, Leiterin des Programm­bereichs Glokale Verflechtungen und Direktoriumsmitglied im Forschungs­zentrum Trans­formations of Political Violence (TraCe).

Die Jahreskonferenz 2025 wurde gemeinsam mit der Max-Weber-Stiftung und der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert. Zu den weiteren Organisator*innen gehören:

  • Achim Saupe (Leibniz-Zentrum für Zeitgeschichte Potsdam, Leibniz- Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit“)
  • Clara Frysztacka (Heinrich-Böll-Stiftung)
  • Magdalena Saryus-Wolska (Deutsches Historisches Institut Warschau), zusammen mit Arnold Bartetzky (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur Osteuropas)
  • Frank Bösch (Leibniz-Zentrum für Zeitgeschichte Potsdam)
  • Barbara Christophe (Leibniz-Institut für Bildungsmedien – Georg-Eckert-Institut)
  • Paula Diehl (Universität Kiel/International Populism Research Network)
  • Heike Liebau (Leibniz-Zentrum Moderner Orient)
  • Mascha Neumann (Leibniz-Zentrum für Neue Geschichte Potsdam, Leibniz-Forschungsallianz „Wert der Vergangenheit“)
  • Christian Rau (Leibniz-Institut für Zeitgeschichte München)
  • Karin Reichenbach (Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur Osteuropas)
  • Hans-Ulrich Wagner (Leibniz-Institut für Medienforschung – Hans-Bredow-Institut)

Einen umfassenden Überblick über die Panels, die Abstracts und eine kurze Vorstellung der Speaker*innen sowie die weiteren Konferenzformate bietet der Blog der Jahres­konferenz. Weitere Informationen zur Arbeit des Leibniz-Forschungs­verbunds finden sich auf dessen Website.