Zwischen Vergessen und Deutungskämpfen?

Die Podiumsteilnehmenden.

Podiumsdiskussion zur Friedlichen Revolution am Tag der Demokratiegeschichte

Am 18. März wurde bundes­weit zum ersten Mal der Tag der Demokratie­geschichte gefeiert. In Kooperation mit der Evange­lischen Akademie Frankfurt haben wir diesen Tag zum Anlass genommen, um im Rahmen einer Podiums­diskussion über das Jahr 1989 zu sprechen.

Unter Mode­ration von Elisabeth Waczek diskutierten Markus Bayer, der am PRIF zur Erinnerung an die Friedliche Revolution arbeitet, mit Stephan Bickhardt, ehem. Leiter der Evange­lischen Akademie Sachsen und Vertreter der Bürger­rechts­bewegung in der DDR sowie Nicola Roether, pädago­gische Leitung des Lern- und Erinnerungs­orts Not­aufnahme­lager Gießen die Erinnerung an die Friedliche Revolution – und ihre Bedeutung für die deutsche Demo­kratie heute.

In einer Mischung aus Zeitzeugen­berichten, wissenschaft­lichen Erkennt­nissen und Berichten aus der Praxis der Erinnerungs­arbeit sprachen die Podiums­gäst*­innen über folgende Fragen:

Wie steht es um die Erinnerungs­kultur an die DDR, die Fried­liche Revolution und die Flucht­bewegungen, die zu ihrem Ende geführt haben?

Welche Relevanz hat das Erinnern für unsere Demokratie heute?

Und wie lässt sich einer Verein­nahmung durch anti­demo­kratische Kräfte begegnen?  

Die Teil­nehmenden waren sich einig: Die fried­liche Revolution muss als Teil einer gesamt­deutschen Geschichte begriffen werden. Besonders hoben sie die Bedeutung einer multi­perspek­tivischen Erinnerungs­kultur hervor, ein lebendiges und anschluss­fähiges Erinnern zu ermög­lichen. Hierfür sei die Vermittlung von Wissen zentral – muss aber um Emotionen und Empathie für unterschied­liche Lebens­realitäten und Deutungen erweitert werden.

Die Auf­zeichnung der Veran­staltung ist kostenlos auf YouTube anzusehen oder als Podcast anzuhören.

Zum Tag der Demokratie­geschichte:

Der Tag der Demokratiegeschichte wurde am 18. März erstmals bundesweit ausgerufen. Er ist eine Initiative der Stiftung Orte der deutschen Demokratie­geschichte in Kooperation mit der Arbeits­gemeinschaft Orte der Demokratie­geschichte. Schirm­herr ist Bundes­präsident Frank-Walter Steinmeier.

Zum Forschungsprojekt „Nachhall der Vergangenheit: Wie die Friedliche Revolution in Deutschland 1989 und ihre Erinnerung die Demokratie heute beeinflussen“

Im Projekt „Nach­hall der Vergangen­heit“ unter­suchen Markus Bayer und Felix Bethke mittels Umfragen und Experimenten, was Deutsche über die Fried­liche Revolution wissen, welche Narrative existieren, die die Ereig­nisse erklären und welche Aus­wirkungen diese auf demo­kratische Ein­stellungen haben. Ziel ist außerdem, heraus­zufinden, welche Formen der Vermitt­lung am besten geeignet sind, um positive Wirkungen des Erinnerns zu erzielen. Erste Ergebnisse wurden im Dezem­ber 2025 veröffentlicht.