Begegnungsorte wie Jugendzentren, Bibliotheken, Nachbarschaftsprojekte, Vereine oder Stadtteilzentren spielen eine zentrale Rolle für gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe. Wie solche Orte gestaltet sein müssen, vor welchen Herausforderungen sie stehen und welche politischen Rahmenbedingungen erforderlich sind, um demokratische Begegnungen und Partizipation zu ermöglichen, hat das Forschungsprojekt „Orte der Demokratie“ untersucht.
Nun liegt der Abschlussbericht des interdisziplinären Forschungsnetzwerks der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) und des PRIF vor. Das Projekt hat die Möglichkeiten und Grenzen demokratischer Erfahrungsräume in lokalen Kontexten untersucht. Die Forscher*innen empfehlen, Demokratiearbeit als Regelaufgabe zu verstehen und langfristig zu fördern. Zugleich betonen sie, dass bestehende Demokratieprojekte, die Wissen zur Verfügung stellen und Vernetzungsarbeit leisten, nicht eingespart werden dürfen. Das Projekt wurde durch das Programm „Stärkung der Demokratieforschung Hessen“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur gefördert.
Wissenschaftsminister Timon Gremmels betont die Bedeutung der Ergebnisse des Projekts: „Die Ergebnisse von ‚Orte der Demokratie‘ zeigen eindrucksvoll, wie wichtig verlässliche Strukturen und Räume für demokratische Erfahrungen sind. Damit liefert die Forschung konkrete Impulse für Politik und Gesellschaft und leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie.“
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Beobachtung, dass Demokratie nicht allein als Staats- oder Regierungsform verstanden werden kann. „Demokratie entsteht vielmehr dort, wo Menschen im Alltag zusammenkommen, Interessen aushandeln, Entscheidungen treffen und Erfahrungen von Selbstwirksamkeit machen. Solche Prozesse finden an konkreten Orten statt, geraten jedoch zunehmend unter Druck“, so Maximilian Pichl, Professor für Recht der Sozialen Arbeit mit dem Schwerpunkt Demokratie, Partizipation und Rechtsstaatlichkeit an der Frankfurt UAS.
„Die Studie zeigt, dass demokratische Teilhabe eng mit sozialer Infrastruktur verbunden ist. Orte der Begegnung und Mitbestimmung entstehen nicht von selbst, sondern benötigen verlässliche finanzielle und personelle Rahmenbedingungen. Demokratiearbeit sollte deshalb als gesellschaftliche Daueraufgabe verstanden und nachhaltig in den Regelstrukturen von Bildung, Sozialer Arbeit und kommunaler Infrastruktur verankert werden“, so Larissa-Diana Fuhrmann, assoziierte Forscherin am PRIF.
„Die Untersuchung macht deutlich, dass vor Ort ein großes Potenzial für demokratische Erfahrungen besteht. Gleichzeitig machen unsere Gespräche erhebliche strukturelle Herausforderungen sichtbar. Viele Projekte arbeiten unter prekären Finanzierungsbedingungen, sind von befristeten Förderprogrammen abhängig und verfügen nicht über die Ressourcen, langfristige demokratische Orte und Beziehungen aufzubauen“, sagt Daniel Mullis, assoziierter Forscher am PRIF. Besonders hervorzuheben ist die Bedeutung dauerhaft verfügbarer Räume der Begegnung sowie professioneller fachlicher Begleitung, um demokratische Beteiligungsprozesse zu ermöglichen und Machtungleichgewichte auszugleichen.
Der Abschlussbericht von „Orte der Demokratie“ steht hier zum Download (PDF) bereit.