Mehr multilaterales Mainstreaming ist möglich

Das Foto zeigt einen Stapel von Papierdokumenten, aus dem bunte Notizzettel zwischen den Seiten ragen.

Foto: Tanja Tepavac via Unsplash

Neues PRIF Working Paper zur Rolle der Vereinten Nationen in den Grundsatzprogrammen der Parteien Deutschlands erschienen

In ihrem neuen PRIF Working Paper untersucht Franziska F. N. Schreiber, welche Bedeutung den Vereinten Nationen (VN) und ihren Insti­tutionen durch den politischen Parteien Deutsch­lands beigemessen wird, und erarbeitet grund­legende Handlungs­empfehlungen, um inmitten der Krise inter­nationaler Organi­sationen den Stellen­wert der VN auf der Ebene nationaler Politikg­estaltung zu stärken. Ihre Analyse der Grundsatz­programme acht politischer Parteien zeigt, dass die VN und ihre multiplen inter­nationalen Institutionen, wie beispiels­weise der Sicherheits­rat oder die Nach­haltigen Entwicklungs­ziele, bislang eine tenden­ziell unter­geordnete Rolle spielen. Dem­gegenüber argumentiert das Papier für eine stärkere Verankerung von VN-Institutionen und -Programmen im Sinne eines „multi­lateralen Main­streamings“ und rät den Akteuren zu einer stärkeren Rück­besinnung auf das Völker­recht und die VN-Charta. 

Ausgehend von einer Perspek­tive auf politische Parteien als gesellschafts­formende Akteure widmet sich Schreiber der Frage, in welchem Umfang und auf welche Weise die VN und ihre Institu­tionen in den Grundsatz­programmen der sechs derzeit im Bundes­tag vertretenen Parteien sowie der Freien Demo­kratischen Partei (FDP) und des Bündnisses Soziale Gerechtig­keit und Wirtschaft­liche Vernunft (BSW) verankert sind. Sie arbeitet heraus, dass diese deutlich mehr implizite Bezüge zu den von den VN bearbeiteten Themen – wie zum Beispiel der inter­nationalen Ordnung oder dem Völker­recht – setzen, ohne jedoch bewusst an die VN und deren Institu­tionen anzu­knüpfen. Zwar suggeriere die implizierte Bezug­nahme, dass sich die Partei­position faktisch bereits im Einklang mit VN-Normen und Zielen befände. Umgekehrt deute der Verzicht auf explizite Referenzen jedoch auf eine geringe Relevanz und Legiti­mität der VN für die ideo­logische Positionierung der Parteien hin. 

Daher formuliert Schreiber zwei zentrale Handlungs­empfehlungen: Erstens gelte es, bestehende Potenziale zu nutzen, indem die VN und deren Institutionen in künftigen Grundsatz­programmen stärker rhetorisch einge­bettet und verankert werden. Anstatt zu suggerieren, die Gestaltung inter­nationaler Regeln könne anderen Staaten über­lassen werden, ließen sich partei­politische Positionen somit als inter­national anschluss­fähig präsentieren und zusätzlich legiti­mieren. Zweitens dränge sich eine verpflichtende Selbst­bindung der Akteure gegen­über dem Völker­recht und der VN-Charta als dessen zentraler Bestand­teil auf, die ihrer­seits angemessenen Eingang in die Grundsatz­programme finden sollte. 

Ein solches „multi­laterales Main­streaming“ in lang­fristig wirk­samen Dokumenten wie Grundsatz­programmen böte die Chance, die VN auch auf Ebene der nationalen Politik als Hebel und Ressource zur Lösung globaler Heraus­forderungen zu präsentieren. Im Hinblick auf die derzeit laufende Über­arbeitung dreier Grundsatz­programme durch die Parteien SPD, FDP und Linke wie auch auf parallel laufende Reform­prozesse innerhalb der VN setzt das Working Paper praktische wie normative Eck­pfeiler, um der Erzählung von der Handlungs­unfähigkeit der VN entgegen­zuwirken. 

Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar. 

Das Working Paper wurde durch eine private Spende gefördert und ermöglicht. Dieser Unter­stützung gilt ein besonderer Dank.