Jenseits des „Human in the Loop“

Blick in den Innenraum: Zwei Dutzend Personen sitzen an einem großen Konferenztisch. An den Seiten des Raumes sitzen weitere Teilnehmer*innen auf Stühlen

ACONA Side-Event co-organisiert von Sascha Hach und Timothée Hillier-Davis

Am 6. Mai 2026 richtete PRIF gemein­sam mit den UN-Vertretungen Österreichs, Mexikos und Indo­nesien ein ACONA Side Event im Rahmen der Überprüfungskonferenz des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrag (NVV) im UNO-Hauptquartier in New York aus. Die Podiums­diskussion „Beyond ‘Human in the Loop’“ befasste sich mit Über­schneidungen von Entwicklungen im KI-Bereich mit den bestehenden Ver­pflichtungen aus dem NVV und not­wendigen politischen Empfehlungen zur Reduzierung entstehender Risiken. Die Veranstaltung wurde unter anderem von den PRIF Researchern Sascha Hach, Geschäfts­führer von ACONA, und Timothée Hillier-Davis konzeptualisiert und organisiert. 

Da sich gegen­wärtige Debatten zum Thema KI und Nuklear­waffen nach wie vor auf KI- und Nuclear Command, Control, and Communications-Systeme (NC3) konzentrieren, wird das techno­logische Potenzial für die Abrüstungs­überprüfung übersehen. Die Podiums­diskussion zielte daher darauf ab, zunächst ein gemein­sames Verständnis der mit KI verbundenen nuklearen Risiken zu fördern und einen Über­blick über die potenziellen Vorteile von KI-Anwendungen zu geben, die sowohl für Nuklear­waffen­staaten als auch für Nicht-Nuklear­waffen­staaten relevant sind. Daran anschließend standen mögliche Einflüsse durch weitere Entwicklungen im KI-Bereich auf die NVV-Verpflichtungen zur Debatte. 

An der Diskussion nahmen Alice Saltini (ACONA-Stipendiatin '26 und Senior Research Lead am RISD), Vladislav Chernavskikh (Forscher im Programm für Massen­vernichtungs­waffen am SIPRI), Alonso Martínez Ruiz (Berater für Abrüstungs­fragen bei der Ständigen Vertretung Mexikos bei den Vereinten Nationen) und Mallory Stewart (Geschäfts­führerin des Council on Strategic Risks) teil. Sie erörterten die Auswirkungen der Resolution 80/23 der UN-General­versammlung und bewerteten die Risiken und Chancen, die sich aus dem Zusammen­hang von KI und Nuklear­waffen für die vertraglichen Bestimmungen zur Abrüstung ergeben. Künstliche Intelligenz, so hob Saltini in dieser Hinsicht hervor, sei nicht als bloßer Risiko­multipli­kator zu verstehen: Indem sie die Entscheidungs­findung beschleunige und möglicher­weise die Abhängig­keit von Nuklear­waffen verstärke, könne sie Abrüstung erschweren – aber sie durch Fortschritte bei der Verifikation und Über­wachung auch unterstützen.

Im Hinblick auf Möglich­keiten für die Vertrags­staaten, den Über­prüfungs­prozess des NVV zu stärken, loteten die Teilnehmer*innen zudem Wege für eine verstärkte Zusammen­arbeit aus und diskutierten konstruktive Ansätze zum Umgang mit den besprochenen Themen im Rahmen des Ver­trags. Dafür müsse die Debatte über KI und Nuklear­waffen fest im Bereich Abrüstung verankert werden, ohne die Chancen für Verifikation, Vertrauensbildung und Transparenz außer Acht zu lassen.

ACONA ist ein inter­nationales Konsor­tium unter der Lei­tung des Höfði Rey­kjavík Peace Centre an der Uni­versität von Island, in Zusammen­arbeit mit dem History and Public Policy Pro­gram des Woodrow Wilson Center, dem Peace Re­search Insti­tute Frankfurt (PRIF), dem Project on Mana­ging the Atom (MTA) am Belfer Center for Science and Inter­national Affairs der Har­vard Kennedy School, dem James Martin Center for Non­proliferation Studies (CNS) und dem Davis Center for Russian and Eurasian Studies der Harvard Uni­versity. Am PRIF wird das ACONA-Projekt von Christopher Daase und Sascha Hach geleitet.