Hessischer Friedenspreis 2024 für Jani Silva

Jani Silva

Jani Silva, Foto: privat

Albert Osswald-Stiftung zeichnet kolumbianische Umwelt- und Friedensaktivistin aus

Die kolumbianische Umwelt- und Friedens­aktivistin Jani Silva erhält den Hessi­schen Friedens­preis der Albert Osswald-Stiftung für das Jahr 2024. Die Stiftung würdigt damit Silvas jahrzehntelanges Engage­ment für soziale Gerechtig­keit, Umwelt­schutz und sozialen Zusammen­halt in der Amazonasregion Putu­mayo. Das gaben Landtags­präsidentin Astrid Wallmann und Staats­minister a. D. Karl Starzacher im Namen des Kuratoriums der Albert Osswald-Stiftung am 16. Juli 2025 bekannt. Das PRIF berät das Kuratorium bei der Vergabe des Friedenspreises.

Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Kuratoriumsmitglied, begründet die Auszeichnung mit dem langjährigen Engagement Silvas: „Seit vielen Jahrzehnten engagiert sich Jani Silva unter hohen persönlichen Risiken für den Schutz ihrer Heimat im kolumbianischen Amazonasgebiet sowie für die Rechte der dort ansässigen Kleinbauern. Durch ihr mutiges zivilgesellschaftliches Engagement schafft sie Aufmerksamkeit für die Bedrohungen dieses so einzigartigen Naturraums und leistet durch konkrete Projekte vor Ort einen wichtigen Beitrag zur dauerhaften Befriedung ihres von fortwährenden Konflikten gezeichneten Landes.“

Staatsminister a. D. Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis und früherer Landtagspräsident, lobt Jani Silva als ein Vorbild für all jene, die sich trotz Bedrohungen nicht von ihrem Engagement abbringen lassen und unermüdlich für ein friedlicheres und demokratischeres Land kämpfen. „Ihr Einsatz verdeutlicht, wie eng die Wahrung von Frieden und der Schutz der Umweltschutz miteinander verbunden sind. Mit ihrem Wirken bekämpft sie die Wurzeln der Gewalt.“

Jonas Wolff betont in seinem State­ment die besondere Bedeutung, die Silvas Engage­ment für Kolumbien, aber auch für Friedens­initiativen weltweit zukommt: „Weltweit werden Jahr für Jahr hunderte Menschen getötet, die sich gewaltlos für die Menschen­rechte, Land und Umwelt sowie den Frieden einsetzen. Kolum­bien ist von dieser Form von Gewalt in beson­derer Weise betroffen. Es erfordert besonderen Mut, sich unter solchen Be­dingungen zu engagieren. Jani Silva besitzt diesen Mut. Seit über 40 Jahren kämpft sie in der Region Putumayo im Süden Kolumbiens für die Rechte klein­bäuerlicher Familien und den Schutz natürl­icher Ressourcen. Ihr Engagement ist gewaltfrei und es zielt auf sozialen Zusammen­halt. Dennoch, genauer: gerade deswegen, wurde sie bereits mehrfach zum Ziel von Gewaltdrohungen. Jani Silva repräsentiert all jene Menschen, die in ihren lokalen Gemein­schaften in Kolumbien und anderswo allen Risiken trotzend für ein friedliches, demo­kratisches und nachhaltiges Zusammen­leben einstehen. Durch die Aus­zeichnung erfährt dies Anerkennung und hoffentlich auch Unter­stützung für die Zukunft.“

Jani Silva zog im Alter von zwölf Jahren in die Amazonas­region Putumayo und begann bereits als junge Frau, sich aktiv für gesellschaft­lichen Zusammen­halt, gewalt­freie Konflikt­lösungen und Natur­schutz einzusetzen. Vor 25 Jahren trug sie maß­geblich zur Gründung der „Perla Amazónica Peasant Reserve Zone“ (ZRCPA) bei, einer Schutz­zone für 23 Dörfer, die den dort ansässigen Bauern Zugang zu land­wirtschaft­lichen Flächen bietet. Seit 2011 steht sie als Präsi­dentin der „Association for the Integrated and Sustainable Develop­ment of the Amazonian Pearl“ (ADISPA) vor, die mit inter­nationalen Organisa­tionen, wie dem Entwicklungs­programm der Vereinten Nationen, zusammen­arbeitet. Die Initiative bietet den am Existenz­minimum lebenden Bauern Alternativen zu kriminellen Tätig­keiten und schafft Grund­lagen für lang­fristige Stabilität. Die Gegend ist reich an natürlichen Ressourcen und zugleich ein wichtiges Koka­anbaugebiet. Kolumbien gilt vor Peru und Bolivien als weltgrößter Produzent von Kokain, das aus der Kokapflanze hergestellt wird.

Die Schutz­zone wird massiv von para­militärischen Gruppen bedroht. Viele Bauern und Aktivist*innen haben sich deshalb zurück­gezogen oder sich aufgrund ihrer prekären Situation para­militärischen Gruppen angeschlossen. 2021 deckte die Menschen­rechts­organisation „Comisión Intereclesial de Justicia y Paz“ auf, dass Milizen die Vertreibung und sogar Ermordung von Silva und anderen führenden Mit­gliedern der ADISPA planten. Amnesty Inter­national nahm Silva und ihre Mit­streiter*innen deshalb in die welt­weite Kampagne „A Letter from the World“ auf.

Mit Jani Silva ehrt das Land Hessen eine Persön­lichkeit, die sich trotz erheblicher persönlicher Risiken täglich für Frieden, gesell­schaftlichen Zusammen­halt und den Schutz natürlicher Ressourcen einsetzt. Damit steht sie stell­vertretend für all jene, die uner­müdlich für ein nach­haltigeres, friedl­icheres und demo­kratischeres Kolumbien kämpfen.

Der Hessische Friedens­preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1994 von der Albert-Osswald-Stiftung verliehen. Die Aus­zeichnung soll Menschen würdigen, die sich um den Frieden und die Völker­verständigung verdient gemacht haben. Ins Leben gerufen wurde sie von dem früheren hessischen Minister­präsidenten Albert Osswald und seiner Familie. Das PRIF berät das Kuratorium bei der Vergabe des Friedens­preises. Die Ver­leihung des Preises findet am 16. September 2025 mit einem Festakt im Hessischen Landtag statt.

Zur Pressemitteilung des Hessischen Landtags

Am 17. September 2025 berichtet Jani Silva im Instituto Cervantes, Frankfurt/M., im Gespräch mit Laura Barrios Sabogal über ihre Erfahrungen und gemeinschaft­lichen Praktiken zum Schutz der Umwelt.
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