Gesellschaftliche Legitimation tödlicher Gewalt in den Philippinen

Verschwommenes Bild von philippinischen Polizeibeamten

Foto: counting chest bullets via flickr, CC BY-NC-SA 2.0

Neues PRIF Working Paper von Peter Kreuzer

Gezielte Tötungen sind Teil des sozialen und politischen Lebens in den Philippinen. Während sich generell bei der Er­forschung dieses Phäno­mens auf be­stimmte Felder, spezifische Akteure oder Opfer­gruppen fokussiert wird, unter­sucht Peter Kreuzer in seinem neuen PRIF Working Paper die ge­zielten Tötungen in den Philippinen als eine gesell­schaftlich ver­ankerte, dauer­hafte Form tödlicher Gewalt. 

So argumentiert das Working Paper, dass gezielte Tötungen zwar in von­einander un­abhängigen Kon­texten vor­kommen, ihnen aber ein gemein­sames, per­missives Umfeld zu Grunde liegt. 

Um­fragen zeigen, dass philippinische Menschen Gewalt­handlungen über­durchschnittlich häufig für gerecht­fertigt halten und im globalen Ver­gleich damit zu den Spitzen­reitern gehören. Eine ähnlich hohe Toleranz lässt sich auch gegen­über anderen illegalen Hand­lungen fest­stellen, wie beispiels­weise Be­stechung oder Steuer­hinter­ziehung. Das Working Paper argumentiert, dass diese Kohärenz in den Ein­stelllungen auf ein per­missives Umfeld hinweist, in dem gezielte Tötungen nicht nur als kriminelle Ex­treme, sondern auch als bisweilen legitimes Handeln gelten. 

Die Befunde deuten darauf hin, dass ein gemein­samer kultureller Bezugs­rahmen zur Aufrecht­erhaltung dieser Praxis bei­trägt. So wird Gewalt in den Philippinen von einem signifikanten Teil der Be­völkerung als bis­weilen akzeptables Mittel der Interessen­durchsetzung oder sozialen Kontrolle erachtet. Auch wenn gesell­schaftliche Ein­stelllungen individuelles Handeln nicht direkt be­stimmen, so senken sie doch die moralischen und psychologischen Hemm­schwellen, Gewalt­anwendung zu billigen oder in Betracht zu ziehen. 

Das Paper schließt mit der Fest­stellung, dass die Ver­ringerung gezielter Tötungen mehr er­fordert, als Auftrags­mörder oder ihre Auftrag­geber straf­rechtlich zu belangen. So müssen tiefer liegende kulturelle und institutionelle Be­dingungen an­gegangen werden, die diese Gewalt akzeptabel machen. 

Das Working Paper ist als Down­load (PDF, barrierefrei) verfügbar.