Gezielte Tötungen sind Teil des sozialen und politischen Lebens in den Philippinen. Während sich generell bei der Erforschung dieses Phänomens auf bestimmte Felder, spezifische Akteure oder Opfergruppen fokussiert wird, untersucht Peter Kreuzer in seinem neuen PRIF Working Paper die gezielten Tötungen in den Philippinen als eine gesellschaftlich verankerte, dauerhafte Form tödlicher Gewalt.
So argumentiert das Working Paper, dass gezielte Tötungen zwar in voneinander unabhängigen Kontexten vorkommen, ihnen aber ein gemeinsames, permissives Umfeld zu Grunde liegt.
Umfragen zeigen, dass philippinische Menschen Gewalthandlungen überdurchschnittlich häufig für gerechtfertigt halten und im globalen Vergleich damit zu den Spitzenreitern gehören. Eine ähnlich hohe Toleranz lässt sich auch gegenüber anderen illegalen Handlungen feststellen, wie beispielsweise Bestechung oder Steuerhinterziehung. Das Working Paper argumentiert, dass diese Kohärenz in den Einstelllungen auf ein permissives Umfeld hinweist, in dem gezielte Tötungen nicht nur als kriminelle Extreme, sondern auch als bisweilen legitimes Handeln gelten.
Die Befunde deuten darauf hin, dass ein gemeinsamer kultureller Bezugsrahmen zur Aufrechterhaltung dieser Praxis beiträgt. So wird Gewalt in den Philippinen von einem signifikanten Teil der Bevölkerung als bisweilen akzeptables Mittel der Interessendurchsetzung oder sozialen Kontrolle erachtet. Auch wenn gesellschaftliche Einstelllungen individuelles Handeln nicht direkt bestimmen, so senken sie doch die moralischen und psychologischen Hemmschwellen, Gewaltanwendung zu billigen oder in Betracht zu ziehen.
Das Paper schließt mit der Feststellung, dass die Verringerung gezielter Tötungen mehr erfordert, als Auftragsmörder oder ihre Auftraggeber strafrechtlich zu belangen. So müssen tiefer liegende kulturelle und institutionelle Bedingungen angegangen werden, die diese Gewalt akzeptabel machen.
Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar.