Englisches Handbuch „Historische Authentizität“ Open Access erschienen

Das Buchcover zeigt eine Fotografie einer Museumsausstellung: Zwei Besucher*innen stehen vor drei antiken Objekten.

Aktualisierte Fassung ist vollständig frei zugänglich

Der Leibniz-Forschungsverbund „Wert der Vergangen­heit“ und die Leibniz-Gemein­schaft haben die Open-Access-Veröffent­lichung des englischsprachigen Hand­buchs „Historical Authenticity. A Trans­disciplinary Compendium“ ermöglicht. Dabei handelt es sich um eine über­arbeitete und aktualisierte Fassung der zuvor auf Deutsch erschienenen Ausgabe „Historische Authen­tizität“ (Wallstein, 2022). Das von Martin Sabrow und Achim Saupe (beide ZZF Potsdam) heraus­gegebene Handbuch enthält zwei Beiträge des ehemaligen PRIF-Forschers Christoph Kohl. 

„Historische Authentizität” fasst als zentrale Kategorie die gewachsene Bedeutung des vermeint­lich „Echten” im gesell­schaftlichen Umgang mit der Vergangen­heit. In 70 alphabetisch geordneten Artikeln untersuchen die beteiligten Autor*innen die Vielschichtig­keit des Phänomens und seines Auftretens in verschiedenen akademischen, musealen und historisch-kulturellen Kontexten. Die Beiträge zeigen, wie die heutige Haltung gegen­über der Vergangen­heit durch ein intensives Verlangen nach historischer Authentizität geprägt ist – ein Phänomen, das im letzten Drittel des 20. Jahr­hunderts eine neue Dynamik ent­wickelt hat – und wie sich dies in der Praxis manifestiert. So arbeitet Christoph Kohl in seinem Beitrag u.a. anhand historischer Beispiele (west-)afrikanischer Länder heraus, welche explosive Mischung aus Diskursen um Authenti­zität und um Ideen der Autoch­thonie, d.h. des „Einheimisch-” bzw. „Eingeboren­seins” entstehen können. 

Das Kompendium reflektiert auch, wie sich das Verlangen nach dem „Echten”, dem „Unverfälschten” und dem „Originalen” im Laufe der Jahr­hunderte verändert hat und warum es heute so häufig mit der Sehn­sucht verbunden ist, Geschichte „hautnah” zu erleben, wie dies in der öffentlichen Aufmerk­samkeit für noch lebende Zeit­zeug*innen historischer Ereignisse oder in der Beliebt­heit historischer Nach­stellungen zum Ausdruck kommt. Wie Christoph Kohl in seinem zweiten Beitrag aufzeigt, machen sich dabei nicht zuletzt populistische Akteure das Verlangen nach (historischer) Authentizität zunutze, um ihre Inter­pretation von Geschichte und Politik zu verbreiten. 

Damit machen die im Handbuch versammelten Beiträge deutlich, wie wichtig die Analyse von akademischen, kulturellen, institutionellen und politischen Prozesse der Authenti­fizierung für ein kritisches Verständnis der Wahr­nehmung von Vergangen­heit ist. 

Christoph Kohl war wissenschaft­licher Mitarbeiter in der Nachwuchs­forschungsgruppe „Political Globalisation and its Cultural Dynamics“ am PRIF. Zuletzt veröffentlichte er das PRIF Working Paper „Simulating Norm Transition“ zu inter­nationalen Bemühungen zur Reform des Sicherheits­sektors in Guinea-Bissau, Westafrika.