Risiken unter der Erde: Erschöpfung des Grundwassers nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms als unterschätztes Erbe des Ukraine-Krieges
Als der Kachowka-Staudamm im Juni 2023 im Rahmen des russischen Krieges gegen die Ukraine zerstört wurde, war klar, dass dieses Ereignis langfristige Folgen haben würde. Neben den unmittelbaren Schäden durch weitreichende Überschwemmungen flussabwärts gehören dazu: ökologische Auswirkungen (auf den nun ausgetrockneten Stausee und die zuvor bewässerten landwirtschaftlichen Flächen), sozioökonomische Auswirkungen (Versorgungsausfälle in Großstädten, fehlende Bewässerungsquellen für die Landwirtschaft in Teilen der Ukraine), gesundheitliche Auswirkungen (Verlust einer zuverlässigen Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung) sowie globale Auswirkungen (Lebensmittelpreise und -verfügbarkeit). Diese Entwicklungen führten zu weiterer sozialer und wirtschaftlicher Instabilität in einer ohnehin schon vom Krieg zerrütteten Region und darüber hinaus.
Ein Aspekt wurde jedoch bisher in diesen Bewertungen nicht berücksichtigt: Seit der Zerstörung des Kachowka-Staudamms wurde die Grundwasserentnahme für die Kühlung des Atomkraftwerks Saporischschja sowie für die landwirtschaftliche Bewässerung erhöht. Es ist jedoch unklar, in welchem Umfang Grundwasser entnommen wurde und welche langfristigen Folgen diese veränderte Ressourcennutzung für die lokalen Gemeinden, die Landwirtschaft sowie die Ökosysteme entlang der Frontlinie und möglicherweise auch weiter entfernt vom Damm selbst haben könnte.
Ziel dieses Projekts ist es, das Ausmaß der Grundwasserentnahme und deren Auswirkungen auf die Wasserversorgungssicherheit lokaler Gemeinschaften, der Landwirtschaft und der Ökosysteme in dem jeweiligen Konfliktgebiet zu bewerten. Das multidisziplinäre Projekt wird von August 2025 bis Juli 2026 vom Leibniz-Forschungsnetzwerk „Umweltkrisen – Krisenumwelten” finanziert und bringt Kolleg*innen des PRIF, des Deutschen Instituts für Globale und Regionale Studien (GIGA) in Hamburg, des Instituts für Angewandte Geophysik (LIAG, Hannover) sowie externe Forschungspartner aus der Ukraine zusammen.
Bild: Kühlanlage des Atomkraftwerks Saporischschja. Copyright: Fredrik Dahl (IAEA), CC BY 2.0