Leibniz Lab Pandemic Preparedness: In Richtung eines globalen Pandemievertrags

Die Covid-19-Pandemie hat nicht nur die Heraus­forderungen des deutschen Gesund­heits­systems im Um­gang mit einer Pan­demie aufge­deckt, sondern gezeigt, wie stark inter­nationale Verflechtungen und globale Ungleich­heiten die Bekämpfung eines welt­weit wütenden Virus erschweren. Uns allen wurde dabei offen­sichtlich vor Augen geführt, wie entscheidend inter­nationale Kooperation in der Vorbereitung, Ver­hütung und Antwort auf Pan­demien ist. Pan­demien sind eine globale Heraus­forderung: Weder ihre Prävention noch eine effiziente Reaktion auf künftige Pan­demien kann gelingen, wenn Länder isoliert handeln.

Allerdings macht die Krise inter­nationaler Zusammen­arbeit auch vor der globalen Gesundheits­politik nicht halt. Während die Welt­gesundheits­organisation (WHO) den Abschluss eines globalen Pandemie­vertrags feiert, bleiben zentrale Heraus­forderungen ungeregelt und verhindern ein Inkraft­treten des Regel­werks. Demgegen­über versuchen die USA, Fragen der Pandemiebe­kämpfung bilateral statt multi­lateral anzugehen.

Das Arbeits­paket 10 („In Richtung eines globalen Pandemie­vertrags“) im Rahmen des Leibniz Labs Pandemic Prepared­ness nähert sich diesen vielschichtigen Fragen der Pandemie­vorbereitung und -bekämpfung auf zwei unter­schied­lichen Wegen. Einer­seits strebt das Arbeits­paket danach, die wichtigsten Themen zu identifi­zieren, die ein Pandemie­vertrag umfassen muss, etwa Patent­schutz, Bio­diversität oder Zugang zu medizinischen Maß­nahmen. Anderer­seits setzt sich das Arbeits­paket damit auseinander, wie inter­nationale Kooperation effektiv gestaltet werden kann, Interessens­konflikte zwischen staat­lichen, aber auch privaten Akteuren aus­balanciert und so eine breite (staatliche) Unter­stützung erfährt. Wie können Staaten, in Ab­wesen­heit einer zwingenden Durchsetzungs­gewalt, dazu gebracht werden, inter­nationale Regel­werke einzu­halten? Hierbei greift das Projekt auch auf Grund­legungen der Diskurs­ethik zurück.

Das PRIF bringt hier ins­besondere seine viel­fältige Forschung und Expertise zu Bedeutungen und Dynamiken Inter­nationaler Organi­sationen in einer nach­haltigen Friedens­ordnung ein. Relevant sind insbesondere Ein­sichten dazu, wie Normen inter­national durchgesetzt und kontestiert werden, wie Krisen von Ordnungen zu erkennen sind und über­wunden werden können und inwieweit Normen und Institutionen inter­nationale Zusammen­arbeit, hier auf dem Gebiet der Pandemie­vorbereitung und -bekämpfung, prägen.

Kommenden Herausforderungen werden wir nur gewachsen sein, wenn wir wichtige Interessen­konflikte sowohl innerhalb unserer Gesell­schaft als auch global aus­balancieren. Deshalb erarbeitet das Leibniz Lab Pandemic Prepared­ness Vorschläge, wie eine faire Umsetzung globaler Pandemie­vorbereitung, -ver­hütung und -bekämpfung gewähr­leistet werden könnte. Das Ziel muss ein „Global Accord on Pandemic Prevention, Preparedness and Response” sein, der für alle Länder attraktiv ist und dessen vor­gesehene Maß­nahmen sich in der Vor­bereitung und Reaktion auf künftige Pan­demien auch tatsäch­lich durchsetzen lassen.

Weitere Informationen zur Forschung des Leibniz Lab Pan­demic Prepared­ness im Bereich Pandemie­manage­ment finden sich auf der Webseite des Forschungs­schwerpunkts.

Das Projekt ist als Arbeitspaket 10 Teil des Leibniz Labs Pandemic Preparedness, das vom Leibniz Institut für Virologie Hamburg koordiniert wird und 41 verschiedene Leibniz Institute zu Fragen der Pandemievorbereitung zusammenbringt. Das Arbeitspaket 10 („Towards a Global Pandemic Treaty“) wird von Prof. Dr. Michael Stolpe (IfW), Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (PRIF) und Dr. Johanna Speyer (PRIF) geleitet. An dem Arbeitspaket sind insgesamt acht Leibniz Institute sowie externe Expert*innen beteiligt.
 

Mitglieder

Projektleitung

Publikationen

  • Der Globale Pandemievertrag – Kann eine regelbasierte Ordnung auch ohne die USA gelingen?
    | 2025
    Deitelhoff, Nicole; Speyer, Johanna (2025): Der Globale Pandemievertrag – Kann eine regelbasierte Ordnung auch ohne die USA gelingen?, PRIF Spotlight, 9, Frankfurt/M. DOI: 10.48809/prifspot2509