Konflikte in der sozial-ökologischen Transformation: Streit um grünen Wasserstoff
Obwohl die sozial-ökologische Transformation breite gesellschaftliche Zustimmung findet, bestehen über ihre konkrete Ausgestaltung erhebliche Konflikte. Das zeigt sich deutlich in den Debatten um grünen Wasserstoff: Deutschland strebt bis 2045 Treibhausgasneutralität und hierfür Importe grünen Wasserstoffs sowie Kooperationen mit Produktionsländern in Lateinamerika und Afrika an.
Der Ausbau entsprechender Produktions-, Import- und Nutzungsstrukturen geht jedoch mit Konflikten einher, die zugleich lokal, national und transnational ausgetragen werden: Staaten, Unternehmen sowie zivilgesellschaftliche Akteure wie NGOs und Gewerkschaften in Import- und Exportländern bewegen sich dabei entlang von vier zentralen Konfliktlinien, die im Projekt untersucht werden: 1) Verteilung der Nutzen; 2) Fragen der Implementation von Projekten; (3) Organisation und Kontrolle des Wasserstoffsektors; sowie (4) grundlegende Fragen nach der Rolle des grünen Wasserstoffs als Entwicklungs- und Klimastrategie.
Das Projekt zielt darauf, die entstehenden Konfliktlinien und Allianzen im Feld des grünen Wasserstoffs systematisch zu identifizieren. Hierfür werden zunächst in qualitativen Fallstudien zu Chile, Kolumbien, Namibia, Tunesien und Deutschland politökonomisch informierte Konfliktanalysen zum grünen Wasserstoff erarbeitet. Darauf aufbauend werden transnationale Konfliktkonfigurationen zwischen den vier Exportländern und dem Energieimporteur Deutschland gemappt.
Ziel ist es, sowohl Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den innergesellschaftlichen Dynamiken von Import- und Exportländern als auch deren transnationale Verflechtungen, insbesondere mit Blick auf Netzwerkbildungen, zu identifizieren. Zudem fragt die Studie nach möglichen Ansätzen für eine inklusive und konfliktsensible Gestaltung der globalen Energiewende im Sinne einer just transition („Gerechter Übergang“). Damit adressiert sie zentrale Forschungslücken zu sozial-ökologischen Transformationskonflikten und zur sozialwissenschaftlichen Wasserstoffforschung.
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