Rassistische und religiös begründete Gewalt sind keine abgeschlossenen Ereignisse, sondern Teil einer fortwirkenden gesellschaftlichen Realität. Der Solinger Brandanschlag von 1993, bei dem gezielt türkischstämmige Menschen ermordet wurden, steht exemplarisch für eine Reihe rassistisch motivierter Angriffe auf migrantisch gelesene Personen in Deutschland. Solche Taten prägen nicht nur die unmittelbar Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern schreiben sich tief in kollektive Erinnerungen ein – und wirken über Generationen hinweg fort.
Im Jahr 2024 erschütterte die Stadt eine weitere ideologisch motivierte Gewalttat. Der islamistisch motivierte Anschlag auf das Festival der Vielfalt hat bestehende Vulnerabilitäten offengelegt und eine erneute Kerbe in das Stadtgedächtnis geschlagen. Der Täter, inspiriert vom sogenannten „Islamischen Staat“, unterschied nicht zwischen migrantischen und nicht-migrantischen Menschen. Dies verdeutlicht: Gewalt wirkt nicht trennscharf, sondern betrifft die Gesellschaft insgesamt.
Der Webtalk geht der Frage nach, wie transgenerationale Traumata insbesondere in migrantischen Communities weitergegeben werden, welche gesellschaftlichen und städtischen sowie Community-basierten Umgangsformen mit solcher Gewalt existieren und was es bedeutet, an einem Ort zu leben, der, wie Solingen, von einer multiplen Anschlagsgeschichte geprägt ist.
Referierende: Dr. Ali Kemal Gün (Integrationsbeauftragter der LVR-Klinik Köln)
Moderation: Lars Wiegold (PRIF, RADIS)
Wann: 24. Februar 2026, 16–17:30 Uhr
Wo: Online via Zoom
Die RADIS-Webtalkreihe „Getroffene Orte – Lokale Strategien im Umgang mit islamistischer und rassistischer Gewalt“ bietet die Gelegenheit, mit Expert*innen aus Wissenschaft, Prävention und politischer Bildung ins Gespräch zu kommen. Sie wird vom RADIS-Team in Kooperation mit der bpb und ufuq.de im Rahmen des Projektes KN:IX connect organisiert.
Weitere Informationen und Möglichkeiten zur Anmeldung finden sich auf der Veranstaltungswebsite.