Die Verfassung der Welt. Recht und Macht in der internationalen Politik

Öffentliche Konferenz des Forschungskollegs Humanwissenschaften

Die Vereinten Nationen wurden nach dem Ende des Zweiten Welt­kriegs mit dem Ziel gegründet, Kriege zu verhindern. Eine starke inter­nationale Rechts­ordnung sollte die Beziehungen zwischen den Staaten regeln und Konflikte friedlich lösen. Sie hat dazu beige­tragen, dass ein Dritter Welt­krieg bislang vermieden werden konnte und die Verbreitung von Atom­waffen auf wenige Staaten begrenzt blieb.

Angesichts der aktuellen Kriege und Konflikte – in der Ukraine, in Gaza sowie im Sudan, in Taiwan und andernorts – wirkt die inter­nationale Rechts­ordnung jedoch geschwächt. Ihre Regeln werden immer weniger beachtet und Völker­rechts­verletzungen scheinen zuzunehmen. Zu den Haupt­akteuren dieser Entwicklung gehören Staaten mit Veto-Recht im Sicherheits­rat der Vereinten Nationen, weshalb die politischen Möglichkeiten, diese Verstöße zu sanktionieren oder ganz zu verhindern, begrenzt bleiben. Anstelle recht­licher Mittel zur Konflikt­lösung gewinnen macht­politische Optionen, vor allem in Form von militärischer Gewalt aber auch von ökonomischem Druck, an Bedeutung.

Die 9. Bad Homburg Conference, veranstaltet vom Forschungs­kolleg Human­wissen­schaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main, PRIF und der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, stellt die grund­legende Frage nach dem ambivalenten Verhältnis von Recht und Macht in der inter­nationalen Politik heute – 80 Jahre nach Gründung der Vereinten Nationen: Kann inter­nationales Recht durch Verträge und gemeinsame Insti­tutionen aller Staaten wirksam sein oder behält die Macht der militärischen Gewalt einzel­staatlicher Akteure am Ende doch immer das letzte Wort? Wie entwickelt sich die inter­nationale Rechts­ordnung, wenn mächtige Staaten das Recht stets ihren Eigen­interessen unter­ordnen? Welche Formen von Macht sind erforderlich, um die Rechts­ansprüche auch von militärisch oder ökonomisch schwächeren Staaten sowie von nicht­staatlichen Akteuren durchzu­setzen? Wird Recht obsolet, wenn Macht ausgespielt wird? Und schließlich: Welche Macht verleiht das Recht?

Programm:

Eröffnung der Konferenz (10:00 Uhr)

  • Matthias Lutz-Bachmann, Direktor des Forschungs­kollegs Human­wissenschaften; Professor für Philo­sophie, Goethe-Uni­versität Frankfurt
  • Nicole Deitelhoff, PRIF; Professorin für Inter­nationale Beziehungen und Theorien Globaler Ord­nungen, Goethe-Uni­versität Fran­kfurt
  • Alexander W. Hetjes, Ober­bürger­meister der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe

Weltordnung – was ist das und wohin geht sie? (10:30–11:30 Uhr)
Einführung und Moderation: Matthias Lutz-Bachmann

  • Michael Zürn, Professor für Inter­nationale Beziehungen, FU Berlin; Direktor der Abteilung Global Governance, Wissen­schafts­zentrum Berlin für Sozial­forschung (WZB)

Pathways to Participation: Zur Resilienz der Charta-Ordnung (11:45–12:45 Uhr)
Einführung und Moderation: Gunther Hell­mann, Professor für Politik­wissen­schaft, Goethe-Uni­versität Frank­furt

  • Antje Wiener, Professorin für Politik­wissen­schaft, insbesondere Global Governance, Universität Hamburg

Völkerrecht als Konflikt­management (13:30–14:30 Uhr)
Einführung und Moderation: Christopher Daase, PRIF; Professor für Inter­nationale Organi­sationen, Goethe-Uni­versität Frankfurt

  • Thilo Marauhn, PRIF; Professor für Öffent­liches Recht und Völker­recht, Justus-Liebig-Uni­versität Gießen

Podiumsdiskussion: Die Verfassung der Welt. Recht und Macht in der inter­nationalen Politik (15:00–16:30 Uhr)
Einführung und Moderation: Nicole Deitelhoff

  • Janina Dill, Professorin für Globale Sicher­heit, Universität Oxford
  • Isabelle Ley, Privat­dozentin für Öffentl­iches Recht, Völker­recht und Europa­recht, Max-Planck-Institut für ausländisches öffent­liches Recht und Völker­recht; Vertreterin des Lehr­stuhls für Inter­nationales Recht, Friedrich-Schiller-Uni­versität Jena
  • Georg Nolte, Richter am Inter­nationalen Gerichts­hof, Den Haag; Professor em. für Völker­recht, Humboldt-Universität zu Berlin

Fazit (16:30 Uhr)

  • Christopher Daase, Nicole Deitel­hoff, Gunther Hell­mann, Matthias Lutz-Bachmann
     

Das Konferenz­programm als PDF sowie die Konferenz­broschüre finden sich auf der Veranstaltungs­seite des Forschungs­kollegs Human­wissenschaften.

Wann: Freitag, 19. September 2025, 10–17 Uhr
Wo: Forschungs­kolleg Human­wissenschaften, Am Wingerts­berg 4, 61348 Bad Homburg vor der Höhe

Zur Teilnahme sind alle interessierten Bürger*innen eingeladen. Die Teil­nahme, inkl. Imbiss und Getränke in den Pausen, ist kosten­frei. Um Anmeldung bis zum 12. September 2025 wird gebeten (per E-Mail an: anmeldung@forschungskolleg-humanwissenschaften.de). Anmelde­bestätigungen werden ab Ende August versandt.

Die Video­mitschnitte von der Bad Homburg Conference werden im Nach­gang auf dem YouTube-Kanal des Forschungs­kollegs Human­wissen­schaften veröffentlicht.