Major Non-NATO Ally Status: The Politics of Security Norms

Soldaten der US- und Katar-Streitkräfte stehen in einer Wüstenumgebung vor zwei Flaggen und schütteln sich die Hände

Gemeinsamer Kommandoposten der USA und Katars für die Luftverteidigung. Bild: U.S. Air Force / Tech. Sgt. Chris Thornbury

Neues PRIF Working Paper von Eldad Ben Aharon

In seinem neuen PRIF Working Paper legt Eldad Ben Aharon erstmals einen umfassenden historischen und analy­tischen Über­blick eines Konzepts mit wachsender globaler Bedeutung dar: die Einstufung von Staaten durch die USA als „wichtige Nicht-NATO-Verbündete“ („Major non-NATO allies“, MNNA). Zwischen 1987 und 2026 sind 21 Staaten diese flexible Verein­barung eingegangen, die Zugang zu militärischer Unter­stützung und über­schüssiger US-Verteidigungs­ausrüstung ermög­licht, ohne jedoch NATO-Vertei­digungs­garantien zu bieten.

Ausgehend von der Frage, inwiefern der MNNA-Status beiden Parteien die Her­stellung eines Gleich­gewichts zwischen materieller Zusammen­arbeit, Bündnis­bildung, normativen Erwartungen und strategischer Zurück­haltung ermöglicht, unter­sucht das Working Paper diese Einstufung als normativen Rahmen globaler Sicher­heit.

Die historische Betrachtung des Konzepts bestätigt seinen anpassungs­fähigen Charakter: Ursprünglich als Instrument des Kalten Krieges konzipiert, wurde die MNNA nach und nach umfunk­tioniert, um Aufgaben der Terrorismus­bekämpfung, des regionalen Wett­bewerbs und zuletzt des Wett­bewerbs der Groß­mächte zu bewältigen. Anders als klassische Bündnis­theorien macht eine normative Perspektive deutlich, wie die Einstufung Wert­schätzung vermittelt, ohne Garantien zu bieten, und somit die strategische Flexibilität der USA bewahrt.

Der empirische Haupt­teil analysiert zum einen die globale und regionale Verteilung des MNNA-Status. Im Fokus stehen Süd­amerika, der Nahe Osten und die Levante, Afrika, die Golf­region und der indo­pazifische Raum. Die regionale Analyse zeigt, dass MNNA in globalen Sicherheits­umfeldern ungleich­mäßig eingesetzt wird und keine feste Funktion umfasst: Je nach Verwendungs­zweck und Bedürf­nissen der Beteiligten treten vielfäl­tige Sicherheits­rollen und regionale Schwer­punkte zutage.

Ben Aharon betont daher, dass das MNNA-Konzept als Kern­element der aktuellen US-Sicherheits­politik zu verstehen sei – mit erheblichen Aus­wirkungen auf die NATO und Welt­politik. Wo Grenzen der trans­atlantischen Sicher­heit verschoben und Unter­scheidungen zwischen Bündnis­partnern und Nicht-Bündnis­partnern verwischt werden, ergeben sich Fragen zur künftigen Rolle formeller multi­lateraler Institutionen bei der gemein­samen Sicherheits­politik. 

Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar.