In seinem neuen PRIF Working Paper legt Eldad Ben Aharon erstmals einen umfassenden historischen und analytischen Überblick eines Konzepts mit wachsender globaler Bedeutung dar: die Einstufung von Staaten durch die USA als „wichtige Nicht-NATO-Verbündete“ („Major non-NATO allies“, MNNA). Zwischen 1987 und 2026 sind 21 Staaten diese flexible Vereinbarung eingegangen, die Zugang zu militärischer Unterstützung und überschüssiger US-Verteidigungsausrüstung ermöglicht, ohne jedoch NATO-Verteidigungsgarantien zu bieten.
Ausgehend von der Frage, inwiefern der MNNA-Status beiden Parteien die Herstellung eines Gleichgewichts zwischen materieller Zusammenarbeit, Bündnisbildung, normativen Erwartungen und strategischer Zurückhaltung ermöglicht, untersucht das Working Paper diese Einstufung als normativen Rahmen globaler Sicherheit.
Die historische Betrachtung des Konzepts bestätigt seinen anpassungsfähigen Charakter: Ursprünglich als Instrument des Kalten Krieges konzipiert, wurde die MNNA nach und nach umfunktioniert, um Aufgaben der Terrorismusbekämpfung, des regionalen Wettbewerbs und zuletzt des Wettbewerbs der Großmächte zu bewältigen. Anders als klassische Bündnistheorien macht eine normative Perspektive deutlich, wie die Einstufung Wertschätzung vermittelt, ohne Garantien zu bieten, und somit die strategische Flexibilität der USA bewahrt.
Der empirische Hauptteil analysiert zum einen die globale und regionale Verteilung des MNNA-Status. Im Fokus stehen Südamerika, der Nahe Osten und die Levante, Afrika, die Golfregion und der indopazifische Raum. Die regionale Analyse zeigt, dass MNNA in globalen Sicherheitsumfeldern ungleichmäßig eingesetzt wird und keine feste Funktion umfasst: Je nach Verwendungszweck und Bedürfnissen der Beteiligten treten vielfältige Sicherheitsrollen und regionale Schwerpunkte zutage.
Ben Aharon betont daher, dass das MNNA-Konzept als Kernelement der aktuellen US-Sicherheitspolitik zu verstehen sei – mit erheblichen Auswirkungen auf die NATO und Weltpolitik. Wo Grenzen der transatlantischen Sicherheit verschoben und Unterscheidungen zwischen Bündnispartnern und Nicht-Bündnispartnern verwischt werden, ergeben sich Fragen zur künftigen Rolle formeller multilateraler Institutionen bei der gemeinsamen Sicherheitspolitik.
Das Working Paper ist als Download (PDF, barrierefrei) verfügbar.