Welche Rolle und Verantwortung tragen Wissenschaft und Forschung in Zeiten veränderter sicherheitspolitischer Anforderungen? Wie kann und sollte sicherheitsrelevante Forschung künftig an Hochschulen erfolgen? Und wie kann die Friedensorientierung von Hochschulen mit veränderten sicherheitspolitischen Anforderungen in Einklang gebracht werden?
Diese Fragen standen im Zentrum der hochschulöffentlichen Tagung „Sicherheit, Wissenschaft, Verantwortung – Forschung in Konflikt- und Krisenzeiten“, die das PRIF am 08. Dezember in Darmstadt ausrichtete. Im Rahmen von Podiumsdiskussionen und Workshops setzten sich die Teilnehmenden mit verschiedenen Perspektiven auf die Rolle und Verantwortung von Wissenschaft und Forschung im Kontext der Zeitenwende auseinander.
Neben mehr als 70 Vertreter*innen verschiedener hessischer Hochschulen war auch der hessische Staatsminister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur Timon Gremmels anwesend. In seinem Grußwort betonte er besonders die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen und Forschung in Krisenzeiten sowie die Bedeutung ihrer Unabhängigkeit und stellte sich den Fragen der Teilnehmenden zum politischen Umgang mit den neuen Fragen nach Forschungssicherheit und sicherheitsrelevanter Forschung.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Christopher Daase (stellv. Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, PRIF) beleuchtete das erste Panel unter Moderation von Prof. Dr. Nicole Deitelhoff (Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, PRIF), wie umfassend die veränderte geopolitische Lage auch den Wissenschaftsbetrieb betrifft: Während Prof. Dr. Ulrich Schlie (Direktor des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies – CASSIS, Universität Bonn) und Prof. Dr. Dr. Michael Lauster (RWTH Aachen/ Fraunhofer INT) aktuelle Herausforderungen für Wissenschaft und Forschung aus Perspektive der Strategieforschung und der angewandten Forschung skizzierten, ordneten Prof. Dr. Tanja Brühl (Präsidentin, TU Darmstadt) und Dr. Andreas Keller (Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands, GEW) die resultierenden Debatten und mögliche Konsequenzen aus Perspektive einer Hochschulleitung sowie aus gewerkschaftlicher Sicht ein.
In den anschließenden Workshops tauschten sich die Teilnehmenden in kleinen Arbeitsgruppen vertieft zu verschiedenen Fragen aus – etwa zu Zivilität und Friedensorientierung (Prof. Dr. Jürgen Scheffran, Universität Hamburg und Vorstandsmitglied „NatWiss – Verantwortung für Frieden und Zukunftsfähigkeit“), Forschungssicherheit (Peter R. Schreiner, Direktor des Instituts für Organische Chemie, JLU Gießen), Wissenschaftsfreiheit (Frau Dr. Annette Barkhaus, stellv. Leiterin der Abteilung Forschung, Wissenschaftsrat) und den Herausforderungen der Sicherheits- und Verteidigungsforschung (Prof. Dr. Ursula Birsl, Vorsitzende der Kommission „Forschung und Verantwortung“, Universität Marburg).
Abschließend wurden die zentralen Diskussionspunkte und Ergebnisse aus den Workshops zusammengetragen und reflektiert – insbesondere mit Blick auf mögliche Impulse, die von der Tagung für die weitere Debatte zu sicherheitsrelevanter Forschung, Forschungssicherheit und Friedensorientierung in Hessen ausgehen sollten.
Die Tagung war Teil des Dialogforums „Sicherheitsforschung und Zivilklausel”. Der Dialogprozess wird durch das PRIF geplant ausgestaltet und durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur (HMWK) gefördert. Das Programm der Tagung kann auf der Veranstaltungsseite eingesehen werden.
Fotos: Uwe Dettmar / Alle Rechte Vorbehalten