Jonas Wolff als Sachverständiger im Unterausschuss für Krisenprävention

Jonas Wolff

Anhörung zur deutsch-kolumbianischen Zusammenarbeit im Zuge des Friedensprozesses

Am Mon­tag, den 16. März 2026 war Jonas Wolff, Leiter des Programm­bereichs Inner­staatliche Konflikte und Direktoriums­mitglied des Deutsch-Kolumbianischen Friedens­institut (CAPAZ) als Sach­verständiger im Unter­ausschuss „Krisen­prävention, strategische Voraus­schau, Stabilisierung und Friedens­förderung“ des Deutschen Bundes­tags geladen. Auf der Tages­ordnung standen eine Zwischen­bilanz sowie weitere Pers­pektiven der deutsch-kolum­bianischen Zusammen­arbeit bezüglich der kolum­bianischen Sonder­gerichtsbarkeit und weiterer Institutionen des Friedens­abkommens von 2016. In diesem Zusammen­hang berieten die Mit­glieder des Unter­ausschusses auch über die deutsch-kolum­bianische Sicherheits­kooperation. 

In seiner Stellung­nahme vor dem Aus­schuss legte Jonas Wolff zum einen den prekären Stand der Um­setzung des Friedens­abkommens dar: Dieses ist im Kern zwar durch die Ent­waffnung und Demo­bilisierung der FARC-EP-Guerilla erfolg­reich umgesetzt worden. Trotz zuletzt gegen­teiliger politischer Ver­sprechungen verlaufe seine weitere Umsetzung jedoch schleppend. So seien insbe­sondere in den Bereichen der Land­reform und der Sicherheits­lage geringe Fort­schritte und nicht-intendierte Folgen fest­zustellen. Von Frieden sei Kolumbien aufgrund der fragmen­tierten Expansion bewaffneter Gruppen im Zuge der FARC-EP-Demo­bilisierung weit entfernt – daran hätten auch die unter der Regierung von Gustavo Petro ange­strengten Verhandlungen mit einem breiten Spektrum bewaffneter Akteure wenig geändert. 

Für den Bereich der Wahrheits­findung und der Übergangs­justiz konstatierte Jonas Wolff dagegen bemerkens­werte Fort­schritte: Während die Sondergerichts­barkeit international neue Standards in der juristischen Aufar­beitung eines bewaff­neten Konflikts setze – unter anderem in der Aufarbeitung geschlechts­bezogener und sexueller Gewalt –, weise der umfangreiche Bericht der Wahrheits­kommission einen Weg in der Konflikt­aufarbeitung und im Friedens­aufbau.

Jonas Wolff unter­strich in seinem Bericht die Bedeutung der deutschen Unter­stützung des Friedens­prozesses, die von der Diplomatie über die staatliche und nicht-staatliche Entwicklungs­arbeit bis hin zur Arbeit des CAPAZ reiche. In seinen Empfeh­lungen erinnerte er an die zentrale Rolle der vielfältigen inter­nationalen Begleitung von Friedens­prozessen. Im Hinblick auf die zukünftige kolum­bianische Regierung liege hier, so Wolff, der Hebel, trotz aller Hinder­nisse zur Umsetzung, Ausweitung und Verbesserung des Friedens­abkommens und seiner politischen Nachfolger beizutragen. 

Als Kern eines breiten aka­demischen Netz­werks innerhalb Kolumbiens sowie zwischen Kolumbien und Deutsch­land unterstützt CAPAZ seit 2017 die Bemühungen um den Auf­bau eines nach­haltigen Friedens in Kolumbien über Forschung, Lehre und Wissens­transfer. Das PRIF ist Gründungs­mitglied und trägt die vom DAAD aus Mitteln des Aus­wärtigen Amts finanzierte, politisch unabhängige Plattform gemein­sam mit weiteren Bildungs- und Forschungs­einrichtungen beider Länder.

Weitere Infor­mationen zur Situation in Kolum­bien finden sich im PRIF Spotlight von Jonas Wolff und Johanna Calle sowie im Beitrag auf dem PRIF Blog von Jonas Wolff und Laura Camila Barrios Sabogal.