Hessischer Friedenspreis für Nikol Paschinjan

Zu sehen ist ein Porträtfoto von Nikol Paschinjan, freundlich blickend.

Der Armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan, Foto: The Office to the Prime Minister of the Republic of Armenia.

Albert Osswald-Stiftung zeichnet armenischen Ministerpräsidenten aus

Für seine Friedensbemühungen im südlichen Kaukasus wird der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan mit dem Hessischen Friedenspreis ausgezeichnet. Das gab der Hessische Landtag in einer Pressemitteilung am 20. August 2026 bekannt. 

Der 1976 geborene frühere Journalist gründete 2011 in Armenien die Partei „Bürgervertrag“ und wurde nach der „Samtenen Revolution“ 2018 zum armenischen Ministerpräsidenten gewählt. Seither richtet Paschinjan die Politik auf eine Hinwendung zu Europa aus, ohne den Konflikt mit Russland eskalieren zu lassen, als dessen traditioneller Verbündeter in der Region Armenien gilt. Seit 2025 hat das Ziel eines EU-Beitritts in Armenien Gesetzesrang. Im Konflikt um die Region Bergkarabach handelte Paschinjan mit Aserbaidschans Präsident Alijew einen Friedensvertrag aus, der im August 2025 in den USA unterzeichnet wurde. 

Landtagspräsidentin Astrid Wallmann, Mitglied im Kuratorium des Hessischen Friedenspreises, sagte: „Die Auszeichnung setzt ein Zeichen dafür, welche Bedeutung Demokratie entfalten kann. Denn durch die Stärkung der demokratischen Institutionen in Armenien entsteht eine neue Perspektive für die gesamte Region. Auch im Konflikt mit dem Nachbarland Aserbaidschan beschreitet Ministerpräsident Paschinjan einen neuen, hoffnungsvollen Pfad. Der Hessische Friedenspreis soll mit dazu beitragen, den erreichten Fortschritt dauerhaft zu festigen.“

Der frühere Landtagspräsident Karl Starzacher, Vorsitzender des Kuratoriums Hessischer Friedenspreis und Staatsminister a.D., hob hervor: „Der Kurs des armenischen Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan ist in besonderer Weise des Friedenspreises würdig. Statt auf rhetorische oder militärische Eskalation setzt er auf Diplomatie, internationale Vermittlung und politische Verhandlungen. Seine Politik zielt damit weniger auf kurzfristige Durchsetzung als auf die schrittweise Öffnung politischer Spielräume. Dies erfordert nicht nur politischen Mut und Weitsicht, sondern zeugt auch von der engen Verbindung von Frieden und Demokratie.“

Prof. Dr. Nicole Deitelhoff sagte: „Die Auszeichnung würdigt Paschinjans konsequenten Einsatz für Gewaltfreiheit in einem der historisch am stärksten verhärteten Konflikte des postsowjetischen Raums. In dieser hoch emotionalen, über Generationen andauernden Auseinandersetzung ist Paschinjans Linie besonders bemerkenswert. Denn sowohl sein politischer Aufstieg im Rahmen der gewaltfreien ‚Samtenen Revolution‘ von 2018 als auch sein Umgang mit dem Bergkarabach-Konflikt sind von dem Ziel geprägt, Gewalt nicht weiter zu reproduzieren und eine militärische Eskalation zu vermeiden. Dabei geht er auch unpopulären Entscheidungen nicht aus dem Weg. Gerade diese bewusste Entscheidung für Gewaltfreiheit unter extremen Bedingungen begründet seine besondere friedenspolitische Bedeutung.“

Die Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert und wird seit 1994 von der Albert-Osswald-Stiftung verliehen. Die Auszeichnung soll Menschen würdigen, die sich um den Frieden und die Völkerverständigung verdient gemacht haben. Ins Leben gerufen wurde sie von dem früheren hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald und seiner Familie. Das PRIF berät das Kuratorium bei der Vergabe des Friedenspreises. Im Jahr 2021 war die Preisverleihung aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt worden; in den Folgejahren wurden die Preisträger jeweils für das Vorjahr ausgezeichnet. Mit dem Doppeljahrgang 2025 und 2026 wird dies wieder angeglichen.

Zur Pressemitteilung des Hessischen Landtag