Ernst-Otto-Czempiel Preis 2026

Cover "Peace and the Politics of Memory"

© Manchester University Press 2024

Auszeichnung für Forschung zu Erinnerungspolitik und Frieden

Der dies­jährige Ernst-Otto-Czempiel Preis geht an „Peace and the Politics of Memory“. Das Buch untersucht anhand von fünf Fallstudien, wie sich Erinnerungs­politik auf den Frieden in Gesell­schaften auswirkt, die von einer gewaltvollen Vergan­genheit geprägt sind. Damit wird ein fünf­köpfiges, internationales Autor*innen­team mit dem Preis für die beste Mono­grafie der Jahre 2023 bis 2025 im Bereich der Friedensforschung aus­gezeichnet: Johanna Manner­gren, Annika Björk­dahl, Su­sanne Buckley-Zistel, Stefa­nie Kappler und Timo­thy Williams.

Ihr 2024 erschie­nenes Buch untersucht, wie Erinnerungs­politik mit der Qualität des Friedens in so genannten Nachkriegs­gesellschaften beiträgt. Dafür verbinden die Autor*­innen Erkenntnisse aus der Friedens- und Erinnerungs­forschung in einem theore­tischen Rahmen, der sich auf das Zusammen­spiel von Orten, Erzäh­lungen, Handlungs­macht und Ereignissen bei der gesellschaftlichen Konstruk­tion von Erinnerung fokussiert. Mithilfe dieses Rahmens untersu­chen und vergleichen die Autor*innen in fünf umfang­reichen empirischen Fallstudien so genannte Erinnerungs­formationen („mnemonic formations“) in Zypern, Bosnien und Herze­gowina, Ruanda, Süd­afrika und Kambodscha. Sie vertreten die These, dass die Qualität des Friedens davon abhängt, inwieweit Kriegs­erinnerungen in ihrer Unterschied­lichkeit öffentlich wahr­nehmbar und gleich­zeitig miteinander verfloch­ten sind.

Die Jury um Char­lotte Dany, Eva Senghaas-­Knobloch und Jonas Wolff betont sowohl die Origi­nalität und den Umfang des entwickelten theore­tischen Rahmens als auch die praktische Relevanz der Studie für die Friedens­politik. Diese zeige sich Jury-Mitglied Eva Senghaas-Knob­loch zufolgein der detaillierten Dar­stellung fallspezifisch verschiedener öffentlicher Erinnerungsformationen am Ende von Bürgerkriegen.“ Ob das Ende bewaffneter Auseinander­setzung in einen Prozess für nachhaltigen Frieden überführt werden kann, hänge demnach davon ab, „ob es gelingt, in einer zuvor zerrissenen politischen Gemein­schaft alle vom Kriegs­geschehen betroffenen Gruppie­rungen mit ihren beson­deren Bedürfnissen in die öffentliche Erinne­rung so einzubeziehen, dass sie sich in ihrer Würde anerkannt sehen.“

Mit dem Ernst-Otto-Czempiel-Preis zeichnet das PRIF die beste Mono­grafie im Bereich der Friedens­forschung der voran­gegangenen zwei bis drei Jahre aus. Der Preis wird seit 2008 verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Er ist nach Ernst-Otto Czempiel (1927–2017) benannt, dem Mit­gründer und langjährigen Leiter des PRIF und einer der prägenden Stimmen der internationalen Friedens­forschung. Zu den ehemaligen Preisträger*­innen zählen u.a. Roger Mac Ginty, Kerstin von Lingen und Simon Koschut. 

Der Ernst-Otto-Czempiel-Preis 2026 wird am 3. März 2027 in Frank­furt am Main verlie­hen.

Zum Buch: 
Mannergren, J., Björkdahl, A., Buckley-Zistel, S., Kappler, S., & Williams, T. (2024). Peace and the Politics of Memory. Man­chester University Press. ISBN: 9781526178312.

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