Der diesjährige Ernst-Otto-Czempiel Preis geht an „Peace and the Politics of Memory“. Das Buch untersucht anhand von fünf Fallstudien, wie sich Erinnerungspolitik auf den Frieden in Gesellschaften auswirkt, die von einer gewaltvollen Vergangenheit geprägt sind. Damit wird ein fünfköpfiges, internationales Autor*innenteam mit dem Preis für die beste Monografie der Jahre 2023 bis 2025 im Bereich der Friedensforschung ausgezeichnet: Johanna Mannergren, Annika Björkdahl, Susanne Buckley-Zistel, Stefanie Kappler und Timothy Williams.
Ihr 2024 erschienenes Buch untersucht, wie Erinnerungspolitik mit der Qualität des Friedens in so genannten Nachkriegsgesellschaften beiträgt. Dafür verbinden die Autor*innen Erkenntnisse aus der Friedens- und Erinnerungsforschung in einem theoretischen Rahmen, der sich auf das Zusammenspiel von Orten, Erzählungen, Handlungsmacht und Ereignissen bei der gesellschaftlichen Konstruktion von Erinnerung fokussiert. Mithilfe dieses Rahmens untersuchen und vergleichen die Autor*innen in fünf umfangreichen empirischen Fallstudien so genannte Erinnerungsformationen („mnemonic formations“) in Zypern, Bosnien und Herzegowina, Ruanda, Südafrika und Kambodscha. Sie vertreten die These, dass die Qualität des Friedens davon abhängt, inwieweit Kriegserinnerungen in ihrer Unterschiedlichkeit öffentlich wahrnehmbar und gleichzeitig miteinander verflochten sind.
Die Jury um Charlotte Dany, Eva Senghaas-Knobloch und Jonas Wolff betont sowohl die Originalität und den Umfang des entwickelten theoretischen Rahmens als auch die praktische Relevanz der Studie für die Friedenspolitik. Diese zeige sich Jury-Mitglied Eva Senghaas-Knobloch zufolge „in der detaillierten Darstellung fallspezifisch verschiedener öffentlicher Erinnerungsformationen am Ende von Bürgerkriegen.“ Ob das Ende bewaffneter Auseinandersetzung in einen Prozess für nachhaltigen Frieden überführt werden kann, hänge demnach davon ab, „ob es gelingt, in einer zuvor zerrissenen politischen Gemeinschaft alle vom Kriegsgeschehen betroffenen Gruppierungen mit ihren besonderen Bedürfnissen in die öffentliche Erinnerung so einzubeziehen, dass sie sich in ihrer Würde anerkannt sehen.“
Mit dem Ernst-Otto-Czempiel-Preis zeichnet das PRIF die beste Monografie im Bereich der Friedensforschung der vorangegangenen zwei bis drei Jahre aus. Der Preis wird seit 2008 verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. Er ist nach Ernst-Otto Czempiel (1927–2017) benannt, dem Mitgründer und langjährigen Leiter des PRIF und einer der prägenden Stimmen der internationalen Friedensforschung. Zu den ehemaligen Preisträger*innen zählen u.a. Roger Mac Ginty, Kerstin von Lingen und Simon Koschut.
Der Ernst-Otto-Czempiel-Preis 2026 wird am 3. März 2027 in Frankfurt am Main verliehen.
Zum Buch:
Mannergren, J., Björkdahl, A., Buckley-Zistel, S., Kappler, S., & Williams, T. (2024). Peace and the Politics of Memory. Manchester University Press. ISBN: 9781526178312.
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