Die zweite Phase kommt: Vier Forschungsverbünde erhalten Anschlussförderung

In einem hellen beleuchteten Raum sitzen an Tischen viele Menschen und schauen in Richtung einer Bühne, auf der mit vier Personen eine Panel-Diskussion stattfindet.

Bei der BMFTR-Statustagung im Oktober stellten sich alle Verbundprojekte der Förderlinie vor.

Nach positiver Evaluation hat das BMFTR die Anschlussförderung bis 2028 bewilligt

Transformationen politischer Gewalt, nicht-­militärische Praktiken afrikanischer Akteure, Erfolg und Wirk­samkeit internationaler Abrüstungs­regime von Bio- und Chemie­waffen und die Weiter­entwicklung von Verifikationsprozessen – seit 2022 er­forschen vier interdisziplinäre Verbund­projekte mit PRIF-Be­teiligung diese Themen im Rah­men der Förderlinie „Stärkung und Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung“. Nun hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) alle vier Projekte positiv evaluiert und ihre Anschlussförderung bewilligt: Ab April 2026 setzen das Verbund­projekt „African Non-military Conflict Intervention Practices“ (ANCIP), „CBWNet – Die Einhaltung und Durchsetzung der Normen gegen chemische und biologische Waffen“, das Forschungs­zentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) und „Verifi­cation in a Complex and Un­predictable World: Social, Political and Technical Processes“ (VeSPoTec) ihre Arbeit für zwei weitere Jahre fort. 

Das Verbund­projekt „African Non-military Conflict Intervention Practices“ (ANCIP), am PRIF unter Lei­tung von Antonia Witt, widmet sich Interventions­praktiken afrikanischer Akteure mit dem Ziel, ein online-basiertes Register nicht­-militärischer Interventionen der Afrikanischen Union (AU) und anderer sub­regionaler Organisationen auf­zubauen und nicht-militärische Interventions­praktiken- und routinen zu rekonstruieren. ANCIP verbindet dabei empirische Grundlagen­forschung mit Theoriebildung und strategischer Politik­beratung. Die Forschenden an der Uni­versität Leipzig, der Universität Duisburg-Essen und am PRIF arbeiten hierfür eng mit einem Netz­werk internationaler Partner in Europa und Afrika zu­sammen. In der kommenden Förder­phase wechselt die Ko­ordination des Projekts ans PRIF.  

Wie können internationale Normen gegen Chemie- und Bio­waffen gestärkt werden? Das Verbundprojekt „CBWNet – Die Einhaltung und Durch­setzung der Normen gegen chemische und biologische Waffen“ bringt Forschende mit politik­wissenschaftlichen und völker­rechtlichen Perspektiven vom Berliner Büro des IFSH, der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem Weizsäcker-Zentrum in Hamburg und dem PRIF zu­sammen, um die Robustheit be­stehender Normen zu analysieren. In den nächsten beiden Jahren richtet der Ver­bund, am PRIF unter Leitung von Una Jakob, seinen Fokus ver­stärkt auf die Auswirkungen mut­maßlicher und tatsächlicher Normverstöße. Auf­bauend darauf, sollen politische Handlungs­optionen entwickelt und die in­ternationale Ver­netzung und der Transfer in Politik und Praxis ausgebaut werden. 

Das Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) bündelt die Er­forschung politischer Gewalt durch die vier hessischen Uni­versitäten Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Goethe-Universität Frankfurt, Technische Universität Darmstadt sowie das PRIF, an dem Ko­ordination und Wissens­transfer angesiedelt sind. Von der Analyse in­stitutioneller Rahmen­bedingungen bis hin zu ge­sellschaftlichen Deutungsmustern – TraCe vereint ver­schiedene Disziplinen und methodische Zu­gänge, mit dem Ziel, Stra­tegien zur Ein­dämmung von Gewalt zu identifi­zieren. Vor dem Hintergrund gesell­schaftlicher Entwicklungen werden in der kommenden Förderphase neue Querschnitts­themen erforscht: Gewalt gegen Aktivist*innen, Hy­bridisierung von Kriegsführung und Fragen von Gerechtigkeit und Recht­fertigung. In den kommenden zwei Jahren wird TraCe diese Ent­wicklungen vor dem Hintergrund politischer, ökologischer, digitaler und urbaner Trans­formationsprozesse vertiefen und mit seinen Trans­feraktivitäten in die gesell­schaftliche Debatte einbringen. 

Wie lässt sich zuverlässig überprüfen, ob Staaten sich an ihre nuklearen Abrüstungs- und Nicht­verbreitungsverpflichtungen halten, also daran, nu­kleares Material ausschließlich friedlich zu nutzen? Das Verbund­projekt VeSPoTec widmet sich dieser Frage. Be­teiligt sind die RWTH Aachen, das Forschungs­zentrum Jülich, die Universität Duisburg-Essen und – ab der zweiten Förderphase – unter Leitung von Malte Göttsche das PRIF (bisher TU Darmstadt). Vor dem Hinter­grund einer zu­nehmend angespannten Welt­lage, in der formelle Rüstungs­kontroll­vereinbarungen zwischen den USA und Russ­land in absehbarer Zeit unmöglich sind, alle Kern­waffenstaaten ihre Arsenale mo­dernisieren und sich Informations­zugänge zu Nuklear­anlagen schwieriger ge­stalten, bündelt VeSPoTec natur­wissenschaftliche, sozial­wissenschaftliche und kultur­wissenschaftliche Perspektiven, um Wissen über Veri­fizierung zu stärken und voran­zubringen. In der neuen Förder­phase will VeSPoTec seine Trans­feraktivitäten weiter ausbauen: Einer­seits sollen techno­logische Fortschritte beispielsweise in den Daten- und Simulations­wissenschaften gezielt für Verifikationspro­zesse genutzt werden. Gleich­zeitig wird das Projekt dieses Wissen verstärkt in (internationale) Politik­beratung einbringen und über Weiter­bildungsmaßnahmen an den wissen­schaftlichen Nachwuchs vermitteln.