Transformationen politischer Gewalt, nicht-militärische Praktiken afrikanischer Akteure, Erfolg und Wirksamkeit internationaler Abrüstungsregime von Bio- und Chemiewaffen und die Weiterentwicklung von Verifikationsprozessen – seit 2022 erforschen vier interdisziplinäre Verbundprojekte mit PRIF-Beteiligung diese Themen im Rahmen der Förderlinie „Stärkung und Weiterentwicklung der Friedens- und Konfliktforschung“. Nun hat das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) alle vier Projekte positiv evaluiert und ihre Anschlussförderung bewilligt: Ab April 2026 setzen das Verbundprojekt „African Non-military Conflict Intervention Practices“ (ANCIP), „CBWNet – Die Einhaltung und Durchsetzung der Normen gegen chemische und biologische Waffen“, das Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) und „Verification in a Complex and Unpredictable World: Social, Political and Technical Processes“ (VeSPoTec) ihre Arbeit für zwei weitere Jahre fort.
Das Verbundprojekt „African Non-military Conflict Intervention Practices“ (ANCIP), am PRIF unter Leitung von Antonia Witt, widmet sich Interventionspraktiken afrikanischer Akteure mit dem Ziel, ein online-basiertes Register nicht-militärischer Interventionen der Afrikanischen Union (AU) und anderer subregionaler Organisationen aufzubauen und nicht-militärische Interventionspraktiken- und routinen zu rekonstruieren. ANCIP verbindet dabei empirische Grundlagenforschung mit Theoriebildung und strategischer Politikberatung. Die Forschenden an der Universität Leipzig, der Universität Duisburg-Essen und am PRIF arbeiten hierfür eng mit einem Netzwerk internationaler Partner in Europa und Afrika zusammen. In der kommenden Förderphase wechselt die Koordination des Projekts ans PRIF.
Wie können internationale Normen gegen Chemie- und Biowaffen gestärkt werden? Das Verbundprojekt „CBWNet – Die Einhaltung und Durchsetzung der Normen gegen chemische und biologische Waffen“ bringt Forschende mit politikwissenschaftlichen und völkerrechtlichen Perspektiven vom Berliner Büro des IFSH, der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem Weizsäcker-Zentrum in Hamburg und dem PRIF zusammen, um die Robustheit bestehender Normen zu analysieren. In den nächsten beiden Jahren richtet der Verbund, am PRIF unter Leitung von Una Jakob, seinen Fokus verstärkt auf die Auswirkungen mutmaßlicher und tatsächlicher Normverstöße. Aufbauend darauf, sollen politische Handlungsoptionen entwickelt und die internationale Vernetzung und der Transfer in Politik und Praxis ausgebaut werden.
Das Forschungszentrum „Transformations of Political Violence“ (TraCe) bündelt die Erforschung politischer Gewalt durch die vier hessischen Universitäten Philipps-Universität Marburg, Justus-Liebig-Universität Gießen, Goethe-Universität Frankfurt, Technische Universität Darmstadt sowie das PRIF, an dem Koordination und Wissenstransfer angesiedelt sind. Von der Analyse institutioneller Rahmenbedingungen bis hin zu gesellschaftlichen Deutungsmustern – TraCe vereint verschiedene Disziplinen und methodische Zugänge, mit dem Ziel, Strategien zur Eindämmung von Gewalt zu identifizieren. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen werden in der kommenden Förderphase neue Querschnittsthemen erforscht: Gewalt gegen Aktivist*innen, Hybridisierung von Kriegsführung und Fragen von Gerechtigkeit und Rechtfertigung. In den kommenden zwei Jahren wird TraCe diese Entwicklungen vor dem Hintergrund politischer, ökologischer, digitaler und urbaner Transformationsprozesse vertiefen und mit seinen Transferaktivitäten in die gesellschaftliche Debatte einbringen.
Wie lässt sich zuverlässig überprüfen, ob Staaten sich an ihre nuklearen Abrüstungs- und Nichtverbreitungsverpflichtungen halten, also daran, nukleares Material ausschließlich friedlich zu nutzen? Das Verbundprojekt VeSPoTec widmet sich dieser Frage. Beteiligt sind die RWTH Aachen, das Forschungszentrum Jülich, die Universität Duisburg-Essen und – ab der zweiten Förderphase – unter Leitung von Malte Göttsche das PRIF (bisher TU Darmstadt). Vor dem Hintergrund einer zunehmend angespannten Weltlage, in der formelle Rüstungskontrollvereinbarungen zwischen den USA und Russland in absehbarer Zeit unmöglich sind, alle Kernwaffenstaaten ihre Arsenale modernisieren und sich Informationszugänge zu Nuklearanlagen schwieriger gestalten, bündelt VeSPoTec naturwissenschaftliche, sozialwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Perspektiven, um Wissen über Verifizierung zu stärken und voranzubringen. In der neuen Förderphase will VeSPoTec seine Transferaktivitäten weiter ausbauen: Einerseits sollen technologische Fortschritte beispielsweise in den Daten- und Simulationswissenschaften gezielt für Verifikationsprozesse genutzt werden. Gleichzeitig wird das Projekt dieses Wissen verstärkt in (internationale) Politikberatung einbringen und über Weiterbildungsmaßnahmen an den wissenschaftlichen Nachwuchs vermitteln.