Die israelisch-türkischen Beziehungen am Ende des Kalten Krieges

Eldad Ben Aharons Studie bei Edinburgh University Press erschienen

Die Be­ziehungen zwischen der Türkei und Israel haben sich seit 2023 massiv ver­schlechtert. Eldad Ben Aharon schlägt eine Brücke zur Krise der israelisch-türkische­ziehungen in den 1980er Jahren. Er analysiert deren Be­wältigung im regionalen und inter­nationalen Rahmen und kommt zu dem Ergebnis, dass die Leug­nung des Völker­mords an den Armeniern eine zentrale Rolle spielt.

Mit seiner Publikation „Israeli Turkish Relations at the End of the Cold War: The Geopolitics of Denying the Armenian Genocide“ legt Eldad Ben Aharon die erste umfassende Unter­suchung der israelisch-türkischen Be­ziehungen in den 1980er Jahren vor. Anhand von Archiv­material und Interviews analysiert er die israelische Außen­politik, die trotz der diplo­matischen Krise nach Juli 1980 geheime Kontakte zur Türkei pflegte. Er zeichnet den Einfluss der türkischen Militär­führung und die besondere Rolle des türkischen Minister­präsidenten Turgut Özals bei der Norma­lisierung der Beziehungen nach.

Ben Aharon untersucht das Ver­hältnis der beiden Länder anhand der wichtig­sten regionalen Wende­punkte: darunter die islamische Revolution im Iran, das Jerusalem-Gesetz vom Juli 1980, der Militär­putsch in der Türkei im September 1980 und der erste Libanon­krieg 1982. Er stellt diese regionalen Entwicklungen in einen Zusammen­hang mit der Bewerbung der Türkei um den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts­gemeinschaft 1987, der Außenpolitik der USA unter Ronald Reagan und den Anfängen des US-amerikanischen „Kriegs gegen den Terror“. 

Ben Aharons Aus­wertungen interner Debatten des diplomatischen Corps Israels legen die Dilemmata offen, die sich aus der türkischen Politik der Leugnung des Völkermords an den Armeniern ergaben: Diese drohten die außen­politischen Prioritäten Israels in Washington und Brüssel zu untergraben. Der Autor zeigt darüber hinaus, wie sich in den 1980er Jahren die Grundzüge der inter­nationalen Erinnerungs­politik formierten: Während der Holocaust zu einem globalen Maßstab für die Menschen­rechtsbildung und Ver­hinderung von Genoziden wurde, konnte der Völker­mord an den Armeniern von der Türkei margi­nalisiert, ange­fochten und geleugnet werden. In der Folge dieser prä­genden Jahre lehnten es die NATO-Verbünde­ten der Türkei lange Zeit ab, den Völker­mord an den Armeniern anzuerkennen.

„Mein Buch zeigt nicht nur, wie die in den 1980er Jahren gelegten Grundlagen des Bünd­nisses die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei für die kommenden Jahr­zehnte prägten. Es begründet auch, welchen nach­haltigen Einfluss die historische Konstellation auf den Aufstieg von Erdogan und Netanjahu hatte.“, führt Eldas Ben Aharon aus. Die Krisen von 1980 und 2023 folgten auffallend ähnlichen Mustern, auch wenn sie unter sehr unterschied­lichen Umständen entstanden seien, konstatiert Ben Aharon. 

Zur Auswahl des Coverbildes äußert der Autor: „Ich habe mich dafür entschieden, Turgut Özal, den türkischen Ministerpräsidenten von 1983 bis 1989, auf dem Buchumschlag abzubilden. Seine Darstellung spiegelt nicht nur den ikonischen Stil der 1980er Jahre wider, sondern zeigt die zentrale Rolle bestimmter Personen bei der Gestaltung von Diplomatie und Staatskunst.“

Über das Buch

Israeli Turkish Relations at the End of the Cold War: The Geopolitics of Denying the Armenian Genocide“ ist Eldad Ben Aharons erste Monografie. Sie basiert auf seiner Dissertation, die er 2019 am Department of History der Royal Holloway, University of London, abgeschlossen hat. Das Buch ist am 30. November 2025 bei Edinburgh University Press erschienen.