AFK-Stipendiat am PRIF

AFK-Fellow Joel Abah and Head of Research Department Sabine Mannitz

Joel Abah von der University of Ibadan in Nigeria ist für eine Woche zu Gast

Joel Abah ist einer von vier Fellows im diesjährigen Stipendien­programm der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK) und verbringt derzeit eine Woche im Programm­bereich Lokale Friedensordnungen am PRIF. Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Migration, Vertreibung, alltägliches Peace­building, digitale Technologien und epistemische Gerechtigkeit. Dabei interessiert ihn insbesondere, wie marginalisierte Gemein­schaften im Globalen Süden eigene Strukturen für Sicherheit, Fürsorge und Resilienz entwickeln.

Joel Abah hat im Februar seine Promotion im Bereich „Peace, Security and Humanitarian Studies“ an der Universität Ibadan in Nigeria abgeschlossen. In seiner Dissertation untersucht er die humanitären Maßnahmen im Bereich Gesund­heit, die von zivil­gesellschaftlichen Organisationen, zwischen­staatlichen Organisationen und nichtstaatlichen Akteuren im Bundes­staat Benue in Nigeria durchgeführt wurden. Joel Abah argumentiert, dass globale Mandate mit lokalen Erwartungen in Einklang stehen müssen, um nachhaltig transformative Ergebnisse zu erzielen. Auf der Grundlage seiner zweijährigen ethnografischen Feld­forschung in fünf der größten Binnenflüchtlingslager Nigerias sowie eines quantitativen Datensatzes zeigt seine Untersuchung, wie Lücken in der humanitären Versorgung – insbesondere nach dem Rückzug und der Reduzierung der Aktivitäten wichtiger Akteure – die prekäre Lage verschärft haben. Als Reaktion darauf entwickelten binnen­vertriebene Jugendliche das, was Joel als „digitale Infra­strukturen der Friedens­förderung“ bezeichnet: Sie nutzten WhatsApp, Facebook und mobile Überweisungen, um Früh­warnmeldungen, gegenseitige Hilfe und Interessenvertretung zu koordinieren. Joel Abah geht der Frage nach, wie diese digitalen Werkzeuge die Friedens­förderung sowohl ermöglichen als auch einschränken. Er untersucht insbesondere die Dynamik von Fehl­informationen, instabilen Netzwerken, potenzieller Überwachung und ungleichem Zugang, die Jugendlichen im Globalen Süden Anpassungs­fähigkeit und Kreativität abverlangt.

Zuvor absolvierte Joel einen Bachelor in „History and International Studies“ an der Kogi State University in Anyigba (heute Prince Abubakar Audu University) sowie einen Master in „Peace and Conflict Studies“ an der University of Ibadan, Nigeria.

Für die in diesem Jahr erstmals ausgeschriebenen vier Stipendien für Nachwuchs­forschende aus dem Globalen Süden gingen bei der AFK 200 Bewerbungen ein. Das Stipendium ermöglichte Joel Abah die Reise nach Deutschland, die Teilnahme an der diesjährigen AFK-Jahrestagung sowie einen einwöchigen Forschungs­aufenthalt an einer Einrichtung der Friedens- und Konflikt­forschung seiner Wahl.