Am 1. Juli 2026 hat Sezer Idil Göğüş ihre Dissertation mit dem Titel „A New Diaspora? Reconfigurations of Political Positioning of Turkish Descendants in Germany and Turkey’s New Diaspora Politics" erfolgreich verteidigt. Damit wurde sie an der Goethe-Universität Frankfurt im Fach Ethnologie zur Dr. phil. promoviert.
In ihrer Arbeit untersucht Göğüş institutionelle Formen und politische Vorstellungen, die sowohl von der türkischen Regierung als auch von Menschen türkischer Herkunft im Zusammenhang mit politischen Aktivitäten in Deutschland hervorgebracht und genutzt werden. Ausgangspunkt der Dissertation ist die Neuausrichtung der türkischen Außenpolitik während der AKP-Ära, die sich auch im verstärkten Engagement gegenüber im Ausland lebenden türkischen Staatsbürger*innen und deren Nachkommen niederschlug.
Dieses Engagement zeigte sich in verschiedenen Bereichen: etwa in der Einführung des Auslandswahlrechts für türkische Staatsbürger*innen, in der Förderung institutioneller Strukturen sowie in einer Politik, die die Bindung an die Türkei auch jenseits territorialer Grenzen betont. Zugleich griff die AKP-Regierung zunehmend auf den Begriff der „Diaspora“ zurück, der identitätsstiftende Zugehörigkeiten zu einer Gemeinschaft außerhalb des Herkunftslandes hervorhebt.
Vor diesem Hintergrund analysiert Gögüs, wie sich türkeistämmige Akteur*innen in Deutschland politisch positionieren und welche Aktivitäten im Kontext dieser neuen Diasporapolitik sichtbar werden. Dabei richtet sie den Blick insbesondere auf ausgewählte Migrant*innenorganisationen, darunter auch pro-AKP- und pro-Erdoğan-nahe Zusammenschlüsse, die in den vergangenen Jahren auf der politischen Bühne in Deutschland an Bedeutung gewonnen haben. Die Dissertation zeigt, wie diese Organisationen zwischen Integrationserwartungen in der deutschen Gesellschaft einerseits und transnationalen sowie diasporapolitischen Ansprüchen der türkischen AKP-Regierung andererseits agieren.
Die Promotion wurde am PRIF von Dr. Sabine Mannitz betreut. An der Goethe-Universität war Prof. em. Susanne Schröter die Betreuerin der Arbeit.