Am 22. Oktober diskutierten Lauri Mälksoo (Universität Tartu) und Hendrik Simon dessen Buch „A Century of Anarchy? War, Normativity, and the Birth of Modern International Order” (Oxford University Press, 2024) in einer Veranstaltung der Interest Group on the History of International Law der European Society of International Law (ESIL).
Das mit dem Jost-Delbrück-Preis sowie dem Helmuth-James-Moltke Preis ausgezeichnete Werk basiert auf der Dissertation Simons. Es ergründet kritisch die theoretischen Wurzeln des modernen völkerrechtlichen Kriegsverbots und zeigt auf, dass diese – anders als die Vorstellung über eine „alte“ völkerrechtlichen Ordnung vor 1920 und eine „neue“ Ordnung nach 1920 suggeriert – bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen.
Zu Beginn der Veranstaltung stellte Hendrik sein Buch vor. Anschließend sprach Lauri Mälksoo über die Entwicklung von Kriegsrechtfertigungen und internationaler Ordnung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. Dabei ging er insbesondere auf die Quellen des Völkerrechts im 19. Jahrhundert ein – das Spannungsfeld zwischen Naturrecht und Rechtspositivismus – sowie auf Unterschiede zwischen der europäischen und der deutschen Perspektive, die auch in Simons Buch eine zentrale Rolle spielen.
Im anschließenden Dialog diskutierten die beiden Wissenschaftler, wo sich verschiedene „Sonderwege“ im Völkerrecht finden lassen. Hendrik vertrat die Auffassung, dass es einen deutschen Sonderweg in der wilhelminischen Ära (1890–1918) gab, während Lauri Mälksoo einen möglichen russischen ansprach. Im Verlauf des Gesprächs kam zudem die Frage auf, ob es, angesichts der Bedeutung der Französischen Revolution für die Entwicklung des modernen Völkerrechts, auch einen französischen gegeben haben könnte. Der Dialog mündete in der Erkenntnis, dass revolutionäre Umbrüche eine zentrale Rolle für die Entstehung des modernen Völkerrechts spielten. Im Anschluss folgte eine offene Diskussion mit dem Publikum.
Das Buch ist via Open Access verfügbar. In der neunten Folge des Podcasts PRIF talk sprachen wir im August diesen Jahres mit Hendrik Simon über sein Werk und die Analyse von Kriegsdiskursen und Gewaltbegründungen – zum Nachhören auf dem PRIF Blog und überall, wo es Podcasts gibt.