Wie Gewaltkonflikte verregelt, Rüstungsdynamiken eingehegt, kulturelle Unterschiede überbrückt und sozioökonomische Ungleichheiten eingedämmt werden können, scheint angesichts neuer Kriege, neuer Großmächtekonstellationen und neuer antiliberaler, nationalistischer Projekte nicht mehr so klar zu sein, wie das noch in Zeiten der Ost-West-Konfrontation oder in der liberalen Hochphase der 1990er Jahre der Fall war. Die Ansprüche, Weltprobleme kooperativ und im Rahmen von internationalen Organisationen und Abkommen zu lösen, werden heutzutage nicht einmal mehr in liberalen Demokratien ernst genommen und verteidigt. Stattdessen beschädigen rechtspopulistische und nationalistische Parteien die Werte von Freiheit und Gleichheit selbst. Infolgedessen finden sich in der internationalen Politik kaum noch demokratische Allianzen, um sich autokratischen Herrschaftsansprüchen zu widersetzen. Derzeit scheint völlig unklar, wie sich unter diesen Bedingungen global formulierte Ansprüche auf Gerechtigkeit, Solidarität und nachhaltige Entwicklung auf friedvolle Art und Weise überhaupt umsetzen lassen.
Anlässlich des 85. Geburtstags von Dieter Senghaas würdigen das Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) und die Deutsche Stiftung Friedensforschung (DSF) das Leben und Werk eines der international bekanntesten und geachteten Friedens- und Konfliktforschers, der seit 1978 an der Universität Bremen lehrt und forscht. Im Mittelpunkt des Jubiläumssymposiums steht die Auseinandersetzung mit einigen der Schlüsselfragen im Werk des herausragenden Wissenschaftlers. Die Veranstaltung nimmt vor allem die Dynamik von militärischen, politischen und ökonomischen Hierarchien in der Weltgesellschaft in den Blick und fragt nach der Fähigkeit der bestehenden politischen Organisationen, jahrzehntelang gewachsene Konfliktdynamiken zu bewältigen und ein friedliches, kooperatives Zusammenleben in Zeiten von politischen und ökologischen Umwälzungen zu ermöglichen.
Die Senghaas Lecture 2025 hält Anna Katharina Hornidge (IDOS, Bonn) unter dem Titel „Autozentrierte Entwicklung. Friedenspolitik im 21. Jahrhundert?“. Antonia Witt beschließt gemeinsam mit Michael Zürn (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Martin Nonhoff (Universität Bremen, InIIS) die Veranstaltung mit einer Podiumsdiskussion zur Frage „Was kann Europa von der Welt lernen?“.
Das vollständige Programm sowie weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich auf der Webseite der Universität Bremen.
Wann: 5. September 2025, 11–17 Uhr mit anschließendem Empfang
Wo: Universität Bremen, Forum am Domshof (Domshof 26), 28199 Bremen