PRIF Studien

Die „Studien des Leibniz-Instituts für Friedens- und Konflikt­forschung“ erschei­nen seit 1979 (ab 2017 bei Springer VS ). Die Bei­träge der Reihe präsen­tieren, neben grund­legen­den Forschungs­ergeb­nissen unserer Wissen­schaftler*innen, Bei­träge zum friedens- und sicherheits­politischen Diskurs oder erschei­nen als Begleit­­publika­tionen zu den wissen­schaftlichen Tagungen des Instituts. Die Studien unter­liegen einem externen Gutachter­­verfahren.

Gerechtigkeitskonflikte und Normentwicklung


| 2019
Hofmann, Gregor P. (2019): Gerechtigkeitskonflikte und Normentwicklung. Die internationale Umstrittenheit der Responsibility to Protect, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : Springer VS .
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Gregor Peter Hofmann untersucht, wie Gerechtigkeitskonflikte zwischen Staaten die Entwicklung internationaler Normen beeinflussen. Er analysiert hierfür die Debatte über humanitäre Interventionen und das umstrittene Normbündel der internationalen Schutzverantwortung (Responsibility to Protect, R2P). Die R2P hält Staaten dazu an, Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen zu verhindern. Anknüpfend an die konstruktivistische Normenforschung in den Internationalen Beziehungen, zeichnet der Autor detailliert empirisch nach, wie konträre Vorstellungen über eine gerechte Weltordnung im Spannungsfeld zwischen individuellen Menschenrechten, staatlichen Souveränitätsansprüchen und Forderungen nach prozeduraler Gerechtigkeit das Normbündel der R2P prägen.

Die Abrüstungs- und Nichtverbreitungspolitik Irlands und Kanadas


| 2019
Jakob, Una (2019): Die Abrüstungs- und Nichtverbreitungspolitik Irlands und Kanadas. Eine konstruktivistische Analyse, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : Springer VS .
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ISBN: 978-3-658-26444-4

Una Becker-Jakob untersucht ein Phänomen der multilateralen Abrüstungs- und Nichtverbreitungspolitik: Das proaktive Engagement für den Aufbau, Erhalt und die Stärkung der zugehörigen internationalen Regime. Sie zeichnet die Politik Irlands und Kanadas zu den Themenfeldern Nuklearwaffen, biologische Waffen und Antipersonenminen über mehrere Jahrzehnte nach und analysiert die innenpolitischen Ursprünge und begleitenden Diskurse vor dem Hintergrund der Frage, welche Rolle staatliche Identität für die Ausgestaltung der untersuchten Politik spielte. Ihre Analyse zeigt, dass die jeweilige Identität, übersetzt und vermittelt durch die abrüstungspolitische bürokratische Kultur, die beobachtete Politik direkt oder über Pfadabhängigkeiten wesentlich prägte. 

Religion und Transitional Justice


| 2019
Braungart, Clara (2019): Religion und Transitional Justice. Religiöse Nichtregierungsorganisationen zwischen Versöhnung und Bestrafung, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : Springer VS .

Clara Braungart analysiert die Rolle religiöser Nichtregierungsorganisationen (RNGOs) in der Vergangenheitsaufarbeitung. Sie untersucht RNGOs, die am IStGH und gleichzeitig auch in Kenia und Uganda tätig sind, und beschreibt ihre Position im Feld der Vergangenheitsaufarbeitung. Gleichzeitig zeigt sie, wie diese Positionen zustande kommen: Insbesondere der jeweilige Kontext und die religiöse Tradition beeinflussen die Position einer Organisation und religiöse Werte wie Versöhnung werden je nach Kontext unterschiedlich interpretiert.

The Nagorno-Karabakh deadlock


| 2019
Babajew, Aser; Schoch, Bruno; Spanger, Hans-Joachim (2019): The Nagorno-Karabakh deadlock. Insights from successful conflict settlements, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : Springer VS .

The book examines all relevant models which have been employed in settling ethno-territorial conflicts since the time of the League of Nations. Eight of these models have been studied in-depth. The aim of this analysis is to gain expertise and insights that could prove relevant to resolving the conflict in Nagorno-Karabakh. This potential is evaluated in the closing chapters of the volume where novel ideas on how to apply the lessons of these cases to the conflict in Nagorno-Karabakh are presented. This conflict carries many features typical of ethno-territorial conflicts in present and past times: it is neither unique, nor does its settlement depend on others than the parties to the conflict. Rather it is – as in all other cases – entrenched historical narratives and enemy images which lead to zero-sum calculations and can conceivably only be overcome in a gradual process.

Content

  • Part I Nagorno-Karabakh and ethno-territorial conflict settlement
  • Part II Case studies of ethno-territorial conflict settlement: Åland, Bosnia and Herzegovina, Kosovo, South Tyrol, Trieste, Cyprus, Northern Ireland, Quebec.
  • Part III Results and conclusions: A way out for Nagorno-Karabakh

Die Nicht-Entstehung internationaler Normen


| 2018
Rosert, Elvira (2018): Die Nicht-Entstehung internationaler Normen. Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : VS Springer .
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ISBN: 978-3-658-25041-6

Elvira Rosert geht der Frage nach, was normativen Fortschritt im internationalen System ermöglicht und was ihn verhindert. Während die konstruktivistische Normenforschung für den Erfolg von Normsetzungsprozessen zahlreiche Erklärungen bietet, analysiert die Autorin deren Misserfolg. Sie entwickelt eine Theorie der Nicht-Entstehung internationaler Normen und formuliert eine kontraintuitive These: Anders als bisher angenommen, profitieren Normen nicht nur voneinander, sondern blockieren sich gegenseitig. Wie solche Blockadeprozesse vonstatten gehen, erfasst die Autorin mit dem Modell der permissiven Effekte. Dessen Erklärungskraft demonstrieren detaillierte empirische Fallstudien zur internationalen Regulierung von Brandwaffen, Landminen und Streumunition.

Schurkenstaaten als Normunternehmer


| 2017
Wunderlich, Carmen (2017): Schurkenstaaten als Normunternehmer. Iran und die Kontrolle von Massenvernichtungswaffen, Studien des Leibniz-Instituts Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Wiesbaden : Springer VS .
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Carmen Wunderlich geht in ihrem Buch der kontraintuitiven Frage nach, ob ‚Schurkenstaaten‘ – vermeintliche Gegner der westlich-liberalen Ordnung – auch ‚Normunternehmer‘ sein können, sich also proaktiv für die Förderung internationaler Normen einsetzen und ihnen zur Geltung verhelfen wollen, wie sie am Beispiel der Islamischen Republik Iran zeigt. Der Vergleich mit dem prototypischen Normunternehmer Schweden und dem notorischen Normbrecher Nordkorea macht deutlich, dass Normunternehmertum in unterschiedlichen Graden und Phasen des Normenzyklus auftreten kann und lässt Rückschlüsse auf die Erfolgsbedingungen von Normunternehmertum zu. Die Befunde legen außerdem nahe, ‚Schurkenstaaten‘ nicht länger ausschließlich als irrationale Gegner zur normativen Ordnung aufzufassen, sondern  sie als legitime Teilnehmer an einer Auseinandersetzung über eine angemessene Herrschaftsordnung zu begreifen.

[Abstract in English]

In her book, Carmen Wunderlich explores a rather counterintuitive question: She asks whether so-called rogue states – assumed antagonists of a  Western-liberal world order – could also act as norm entrepreneurs by championing the genesis and evolution of global norms. She discusses this issue by analyzing the arms control policies of the Islamic Republic of Iran. A comparison with the prototypical norm entrepreneur Sweden and the Democratic People's Republic of North Korea – known as a notorious norm-breaker – reveals interesting insights for norm research: Apparently, norm entrepreneurship manifests itself in different degrees and phases of the norm life cycle. The finding that Iran indeed acts as a norm entrepreneur in some cases also sheds light on those factors that might account for the success or failure of norm advocacy. Finally, the findings seem to suggest treating rogue states not simply as irrational antagonists of the current world order only. There might be cases, in which it would be politic to perceive them as legitimate participants in a discourse about how the ruling order should look like.  

Indigene Justiz im Konflikt


| 2016
Brandt, Hans-Jürgen (2016): Indigene Justiz im Konflikt. Konfliktlösungssysteme, Rechtspluralismus und Normenwandel in Peru und Ecuador, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, 33, Baden-Baden : Nomos .
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„Indigene Justiz im Konflikt“ ist eine empirische Studie über Werte, Normen und Konflikte in andinen Dorf­gemeinschaften Perus und Ecuadors. Diese haben ihre traditionellen Konflikt­lösungs­systeme aufrecht­erhalten aus Gründen der kulturellen Identität und wegen der Unfähigkeit des Staates, sie vor Delinquenz zu schützen. Die indigene Justiz genießt in der lokalen Bevölkerung ein großes Ansehen, vor allem wegen ihrer friedens­stiftenden Funktion. Straftäter werden in der Regel erfolgreich resozialisiert und in die Dorf­gemeinschaft reintegriert. Es wird jedoch kritisiert, dass die Menschen­rechte nicht immer eingehalten werden.
Die Studie untersucht, welche Faktoren den Wandel der Norm- und Justiz­systeme beeinflussen. Gleichzeitig entsteht ein Porträt der indigenen Kulturen im Spannungs­feld zwischen „Tradition“ und „Moderne“.

Internationale Menschenrechtskritik an Großmächten


| 2016
Jüngling, Konstanze (2016): Internationale Menschenrechtskritik an Großmächten. Die Macht der Worte am Beispiel Russlands und der USA, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, 31, Baden-Baden : Nomos . DOI: 10.5771/9783845274423
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Großmächte gelten als vergleichsweise resistent gegenüber internationalem Menschenrechtsdruck. Allerdings scheint Kritik an diesen Staaten keineswegs ungehört abzuprallen. Nichtsdestotrotz ist eine systematisch-vergleichende Auseinandersetzung mit der Wirkung und den Erfolgsbedingungen internationaler Menschenrechtskritik im Falle mächtiger Staaten ausgeblieben.

Anhand von zwei interviewgestützten Fallstudien – den russischen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien sowie den US-Normverstößen im „Krieg gegen den Terror“ – zeigt die Autorin, dass Großmächte sozial verwundbar für internationale Menschenrechtskritik sind. Diese stellt einen Angriff auf deren Macht und Identität als sogenannte legitime Großmacht dar. Für den Erfolg von Kritik sind die spezifischen Charakteristika der Kritik, der Kritiksender und -adressaten sowie deren Zusammenspiel mit internem Druck entscheidend. Durch ihren Fokus liefert die Studie Einsichten über einen möglichen Umgang mit mächtigen Regelbrechern.

[Abstract in English]

Great powers have been considered to be comparatively resistant against international human rights pressures. At the same time, they do not always seem to brush aside international criticism easily. Nevertheless, a systematic comparative study into the effects and success conditions of international human rights criticism remains to be undertaken to date.

Using the examples of two interview-based case studies – the Russian human rights violations in Chechnya and U.S. norm violations in the “war on terror” –, the author shows that great powers are socially vulnerable to international human rights criticism. Such criticism poses a threat to their power and identity as a so-called legitimate great power. For criticism to be successful, the characteristics of criticism, the senders and addressees of criticism as well as its interplay with domestic pressures turn out to be crucial. With its focus the study provides insights into promising strategies of dealing with powerful states.

Responsible Mining and Local Development in Kenya


| 2016
Jacobs, Andreas (2016): Responsible Mining and Local Development in Kenya, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, 32, Baden-Baden : Nomos .
ISBN: 978-3-8487-2842-8

This book contributes to the empirical closure of the research gap concerning the local impacts of the new global wave of corporate social responsibility (CSR) in mining. Focusing on corporate and local narratives from Kenya, the book evaluates the credibility of claims that the engagement of responsible mining companies in African developing countries entails overwhelmingly positive changes in the lives of poor and marginalized people. The book’s analytical framework derives from a critical conceptualization of the local level-focused development promises propagated by the global advocates of responsible mining projects. Its constructivist-comparative methodology is based on a critical review of established impact assessment practices used in mining. The book’s principal finding is that, even though local people notice and appreciate managerial shifts towards increased social responsibility, the development claims made by company managements are non-credible because local people do not believe that responsible mining-induced development has ever occurred in their lives.
The book closes with an explanation of how its findings may enrich scholarly debates and political discourses about the curses and blessings of industrial resource extraction.

[Abstract in German]

Der neue globale Trend hin zu mehr sozialer Verantwortung im Bergbau­sektor wird weltweit begrüßt, obwohl über die lokalen Auswirkungen verantwortlicher Bergbau­projekte in afrikanischen Entwicklungs­ländern nur wenig bekannt ist. Das Buch trägt dazu bei, diese Forschungs­lücke mittels einer vergleichenden Analyse unternehmerischer und lokaler Narrative aus Kenia zu schließen. Der angewandte Analyserahmen basiert auf einer kritischen Auseinandersetzung mit den lokalen Entwicklungs­versprechen der globalen Befürworter sozial­verantwortlichen Bergbaus. Die gewählten Forschungs­methoden beruhen auf einer kritischen Diskussion etablierter Wirkungsanalyse-Praktiken im Bergbau. Das Buch zeigt, dass lokale Bevölkerungen unternehmerische Bemühungen hin zu einem Mehr an sozialer Verantwortung zwar wahrnehmen und wertschätzen, dass entsprechende Entwicklungs­versprechen zugleich jedoch als unglaubwürdig einzustufen sind, da aus Sicht lokaler Bevölkerungen keine bergbau­bedingten Entwicklungs­prozesse eingetreten sind. Die Arbeit schließt mit einer Aufschlüsselung des Mehrwerts der Analyse für wissenschaftliche und politische Debatten über Fluch und Segen industrieller Bergbau­projekte.

Die internationale Politik der Vergangenheitsaufarbeitung


| 2015
Ottendörfer, Eva (2015): Die internationale Politik der Vergangenheitsaufarbeitung. Global-lokale Interaktion in Timor-Leste, Studien der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, 30, Baden-Baden : Nomos .